Jetzt wird’s gemütlich!

Seit über drei Jahren haben wir jetzt unseren Holzofen. Bei den derzeitigen winterlichen Temperaturen und wenn es draußen grau in grau ist, gibt es nichts Gemütlicheres, als ein prasselndes Feuerchen, ein Glas Rotwein und einen vernünftigen Krimi. Bevor jedoch dieser wunderbare Zustand erreicht war, musste einiges getan werden.

Teil 1: Umräumen

Am Abend, bevor der Ofen geliefert werden sollte, mussten wir im Arbeitszimmer im ersten Stock zwei Regale ausräumen und umstellen. Das Hauptproblem dabei war, dass wir noch nicht wussten, wo das Rohr nun genau durchs Zimmer laufen sollte, hofften aber, dass es so weit wie möglich in der Ecke stehen würde.  Als wir die Regale, um die es ging, ausgeräumt hatten, überlegte mein Mann:  „Man könnte die Regale neben die Tür stellen. Aber dann geht die Tür wohl nicht mehr richtig auf.“ Nachmessen ergab, dass er recht hatte.

Ich fragte: „Meinst du nicht, wir sollten erst mal abwarten, wo das Rohr hinkommt?“
Er grübelte weiter: „Aber wenn wir das über Eck machen, das würde doch auch gut aussehen. Was meinst du?“
Ich: „Würde es, aber wenn das Rohr genau da hinkommt, geht das nicht.“
Er: „Und wenn wir …“
Ich: „Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, aber meinst du nicht, wir sollten erst mal abwarten, wo das Rohr hinkommt?“

Dann wurde der Schreibtisch umgestellt, der Kabelsalat des Computers entwurschtelt und selbiger wieder installiert. Dabei positionierte der Gatte den Monitor mitten auf dem Schreibtisch und sagte dann zufrieden: „So. Fertig.“
Ich betrachtete kritisch das Ergebnis und meinte: „Ich will ja nicht nölen, aber findest du nicht auch, dass es so ein bisschen unpraktisch ist?“
Darauf er mit einem Riesenseufzer: „Meine Frau versteht nichts von Technik.“

Beim Abbauen der Regale tauchte aller möglicher Ramsch auf, den wir bisher nicht vermisst hatten und der auch gleich gefengshuit (bei @heinzi der Fachausdruck für „entsorgt“) wurde. Plötzlich rief ich erfreut aus: „Ach, da ist ja mein Maßband.“ Der Gatte gröhlte los. Keine Ahnung, was daran so komisch war.

Teil 2: Die Handwerker

Am nächsten Tag standen die Handwerker pünktlich auf der Matte und wunderten sich als erstes über ihren Chef, der bei uns gewesen war und das Angebot gemacht hatte. „Dat kan toch zo helemaal niet!“ Das Problem: Auf dem Dachboden laufen einige Wasserleitungen durch den Fußboden, und man kann leider nicht genau feststellen, wo. Bei den Nachbarn hatte zwar alles bestens funktioniert, aber bei uns stimmte irgendwas hinten und vorne nicht: „Dat is’n heel apart’n.“ So viel Platt verstand ich dank des intensiven Studiums unserer Regiosoap inzwischen, dass mich das ziemlich beunruhigte. Nun ja, man bohrte erst mal vorsichtig und konnte zumindest ansatzweise den Verlauf der Leitungen bestimmen.

Dann trugen sie den Ofen hinein, und einer der Herren wollte wissen, wo ich ihn haben wollte. Ich wies die Ecke an, und er fragte: „Parallel zur Wand oder in die Ecke?“ Sein Kollege lachte schallend los: „Das ist ein Eckmodell? Was glaubst du denn, wo das hin muss?“

Dann wurde erst mal ein kleines Loch in die Wohnzimmerdecke gebohrt, um festzustellen, wo genau das Rohr im Arbeitszimmer rauskommen sollte. Dies war ja, wie wir bereits wussten, für die weitere Einrichtung desselben nicht ganz unwichtig. Ganz in die Ecke war deutlich utopisch, aber mitten im Zimmer stand es zum Glück  auch nicht. Trotzdem rief ich den Gatten an, um sicher zu gehen, dass es nicht später hieß: „Hätte man das nicht anders machen können?“ Einer der Handwerker kommentierte dies, weise mit dem Kopf nickend: „Da haben Sie recht. Wir gehen nachher wieder weg, aber Sie müssen dann damit leben.“ In diesem Beruf wird man erstaunlich tiefsinnig. Der Herr des Hauses wollte noch wissen, was für Leute denn da waren. Als ich mich über die optischen Vorzüge des einen Handwerkers auslassen wollte, unterbrach er mich: „Nein, von welcher Firma kommen die Leute, die die Löcher bohren?“
Dann ging das Bohren los. Der Staub hielt sich in Grenzen, das hatte ich mir schlimmer vorgestellt, aber der Lärm hatte es in sich. Ich verzog mich mit meinem Korrekturstapel in die Küche, so genau wollte ich gar nicht wissen, was sie dort anstellten. Nach einer Weile kam der eine herunter: „Lasset uns jubeln“, die erste Decke war geschafft. Bevor man die zweite in Angriff nahm, fragte er jedoch, wo man denn im Notfall das Wasser abstellen könnte, falls sie doch eine Leitung erwischen. Verflixt.

Aber alles ging gut, sie schafften es, das Loch genau zwischen zwei Leitungen zu plazieren, den Ofen anzuschließen – und er funktionierte!

Teil 3: Gemütliche Abende am Feuerchen

Am Abend wurde unsere neue Errungenschaft natürlich ausprobiert. Der Ofen brannte friedlich vor sich hin, und es war sehr gezellig. Allerdings vertrug er sich nicht mit dem Rauchmelder. Der Rauch sollte eigentlich auch nicht im Zimmer landen, aber wenn man die Tür des Ofens aufmacht, um Holz nachzulegen, und es dauerte etwas länger, machte der Rauchmelder Rabatz. Das tat er zu meinem Leidwesen manchmal schon bei vier Kerzen. Also wurde er vorübergehend deaktiviert, sonst würden unsere Nerven (und die der Nachbarn) das nicht lange aushalten.

Inzwischen haben wir alles recht gut unter Kontrolle. Wir bekommen gutes Holz von einem zuverlässigen Lieferanten und haben inzwischen gelernt, wie man es im Ofen stapeln muss, damit man nicht alle paar Minuten die Tür aufmachen und den Haufen zusammenschieben muss. Am Besten funktioniert alles, wenn immer nur einer, der Grillmeister, für das Feuer zuständig ist, und der andere sich raushält. Und so ein Feuerchen ist manchmal auch spannender als Fernsehen.

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Jetzt wird’s gemütlich!

  1. bockmouth

    Das ist ja ein ganz heißer Ofen….

    Petra, dann wünsche ich dir stets einen warmen Rotwein und einen vor Spannung knisternden Kriminalroman dazu, wenn die Flammen sich durch das Brennholz züngeln.

  2. Vielen Dank! Die Besprechung eines solchen Krimis (kam der Tipp nicht sogar von dir?) findet sich inzwischen ebenfalls auf diesen Seiten.

  3. halea

    Hallo Grenzwanderer,
    wie schön, daß dein Blog beständig wächst und *neid*: Ich hätte sooooo gern einen Kaminofen. Genieße ihn in den kommenden kalten Monaten für mich mit, ja?

  4. Ich stell mir grad vor, *wir* hätten so einen Ofen gekriegt. Die … äh … vorbereitenden Diskussionen hätte man bestimmt bis kurz hinter Haifa gehört.

    Wir haben einen Kachelofen, mussten ihn aber vor 22 Jahren aus Sicherheitsgründen stilllegen lassen. Jetzt steht er halt in der Ecke rum und braucht Platz. Was könnte man da alles für Bücher unterbringen!

    Aber irgendwie haben wir nie den Rand gekriegt, das Ding rauszuschmeißen. Zeit, Aufwand, Kohle, Dreck … und jetzt lohnt sich das vermutlich auch nicht mehr, da wir eh irgendwann da hin zurückgehen werden, wo wir herkommen.

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