“Haunted Ground” von Erin Hart

Ich liebe Krimis, vor allem, wenn sie mit einer bestimmten Landschaft verknüpft sind, wo ich vielleicht sogar schon mal war. „Haunted Ground“ spielt in Irland, genauer gesagt, in der Nähe von Galway. Im Drumcleggan Bog findet der Farmer Brendan McGann die gut erhaltene Leiche eines rothaarigen Mädchens, oder besser gesagt, ihren Kopf. Der Körper ist nirgends zu finden.

Zur Exhumierung werden der Archäologe Cormac Maguire und die Pathologin Nora Gavin aus Dublin hinzugezogen. Der Fund gibt den beiden  und dem Polizisten Garrett Daveney eine Menge Rätsel auf: Wer war das Mädchen? Im Moment ist nur deutlich, dass es nicht die verschwundene Frau des Dozenten Hugh Osborne ist. Warum wurde sie enthauptet? Wie alt ist der Kopf, der aufgrund der konservierenden Wirkung des Moors sehr gut erhalten ist?

Cormac und Nora nehmen den Auftrag von Hugh Osborne an, ein Stück Land, auf dem ein Zentrum für Künstler entstehe soll, auf archäologische Funde hin zu untersuchen. Vor allem Nora sieht es als gute Gelegenheit, mehr über die Identität der „cailín rua“, des roten Mädchens, heraus zu finden, das sie an ihre verstorbene Schwester erinnert. Ein Ring in ihrem Mund gibt Hinweise darauf, dass das Mädchen in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts gelebt haben muss. Die beiden befragen den alten Dorfschullehrer und seine dementierende Tante nach Sagen und Liedern aus der Zeit. Währenddessen ermittelt Devaney gegen den Willen seines Vorgesetzten weiter im Fall des Verschwindens von Mina Osborne und ihrem Sohn Christopher. Nora ist überzeugt von der Schuld des Ehemannes, doch die Briefe, die Mina an ihre Mutter in Indien geschrieben hatte, geben keinerlei Hinweis darauf.

Doch irgendjemand scheint etwas gegen die Anwesenheit von Nora und Cormac in Bracklyn House zu haben. Nora findet eine tote Krähe in ihrem Bett vor, und sowohl ihr als auch Cormacs Auto werden schwer beschädigt. Wer hat Interesse daran, die Aufklärung eines – oder beider – Fälle zu verhindern? Hugh Osbornes Cousine Lucy oder ihr Sohn Jeremy, die beide in Bracklyn House wohnen? Oder Brendan McGann, der davon überzeugt ist, dass Hugh der Vater von Aoife, der unehelichen Tochter seiner Schwester Una ist? Oder jemand anders? Die Auflösung ist eine ganz andere als erwartet und zeigt, wie sich aus Zufällen komplexe, tragische Geschichten entwickeln können.

Manche mögen der Autorin mangelndes Tempo vorwerfen, mir gefällt, dass sie sich Zeit für ihre Figuren nimmt, die alle ihr Päckchen zu tragen haben. Cormac und seine Mutter wurden von seinem Vater im Stich gelassen, als er noch klein war. Noras Schwester wurde brutal ermordet, und deren Mann ist zwar verdächtig, aber man kann ihm nichts beweisen. Garrett Devaney, der nach Dunbeg strafversetzt worden war, versucht, zumindest zu seiner jüngsten Tochter eine Beziehung aufzubauen, nachdem er allzu oft seine Arbeit über seine Familie gestellt hatte. Dies alles wird mit Liebe zum Detail in die Handlung integriert, und der Leser erfährt auch noch einiges über die irische Geschichte, und wie eine Familie englischer Abstammung viel stärker mit ihrer irischen Heimat verflochten ist als sie dachten.

Die amerikanische Autorin Erin Hart ist mit dem irischen Musiker Paddy O´Brien verheiratet. Beide leben in Minneapolis und besuchen Irland regelmäßig. Auf Erin Harts Homepage findet sich ein Glossar der irischen Namen und Ausdrücke, in dem auch die Aussprache erklärt wird. Dass man z. B. den Namen Aoife wie “ievie“ (deutsche phonetische Umschreibung) ausspricht, darauf wäre ich sicher nie gekommen.

Advertisements
Kategorien: Literarisches und Kulturelles | 2 Kommentare

Beitragsnavigation

2 Gedanken zu „“Haunted Ground” von Erin Hart

  1. bockmouth

    Meinereiner hat diesen Krimi in der deutschen Übersetzung gelesen, bin zufällig auf das Buch gestossen.

    Diese Geschichte gehört *nasagenwirmal* zu den 20 besten Büchern, die ich je gelesen habe….

    Ich glaube, ich hab dafür so 2,5 Tage gebraucht…

    Die Autorin hat es meisterhaft verstanden, die düstere Atmosphäre des Moores mit der lebenslustigen Bevölkerung der Grünen Insel zu verknüpfen.

    Ebenso wie wild fand ich die Mischung aus altertümlichen Traditionen kombiniert mit den Lebensgewohnheiten der heutigen Zeit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: