Unternehmen “Fitted Kitchen”

Nein, wir brauchen keine neue Küche, aber zwei gute Freunde von uns haben ein Haus gekauft, das im nächsten Sommer fertig werden soll. Dann wird es natürlich langsam Zeit, sich um die Einrichtung zu kümmern. Unsere Erfahrung ist, dass man in Deutschland für dasselbe Geld mehr Küche bekommt als in den Niederlanden, d.h. hochwertigere Apparate, bessere Verarbeitung usw. Leider gibt es das Geschäft mit dem netten Herrn Vogel, der uns in seiner putzigen Mischung aus Deutsch und Niederländisch sehr kompetent beraten hatte, nicht mehr.

Also fuhren wir erst einmal in ein großes Möbelhaus. Dort wurde deutlich, dass G. und K. nicht viel über Kücheneinrichtungen wussten und sich auch noch nicht so viele Gedanken gemacht hatten, was sie eigentlich wollten, außer einer Kochinsel. Sie waren davon ausgegangen, dass man eine Küche so kaufen muss, wie sie im Ausstellungsraum steht, und die Tatsache, dass man sie selbst zusammenstellen kann, eröffnete ihnen ungeahnte Möglichkeiten. Das konnte ein langer Tag werde. Mit Hilfe eines Maßbandes und unseren Ratschlägen, die die Welt nicht brauchte,  kamen sie ihren Wunschvorstellungen schon etwas näher.

Dann fuhren wir zu einem Spezialgeschäft, wo uns angenehme Düfte entgegenkamen. Mitarbeiter einer Kochschule demonstrierten ihr Können und fabrizierten Tacos, Couscous, Flammkuchen und diverse Nachtische. Mein Magen meldete sich lautstark zu Wort, aber wir machten doch  erst eine Runde durch den Ausstellungsraum und stellten fest, dass es sich wohl um ein etwas nobleres Etablissement handelte. Na, da waren wir ja goldrichtig.

Noch war nicht allzu viel los, in unserer Nähe stand ein älteres Paar über eine Bauzeichnung gebeugt und hantierte mit verschiedenen Mustern. K. und G. erkundigten sich nach einem Berater. Man lud uns ein, die Wartezeit bei der Kochschule zu überbrücken. Das ältere Ehepaar hatte seine angestrengten Überlegungen ebenfalls unterbrochen uns setzte sich an den Nebentisch.

Inzwischen war auch der Berater gekommen, entwarf mit G. und K. einen Grundriss und zeigte ihnen dann alle Möglichkeiten.

Währenddessen  beobachteten Peter und ich die anderen Kunden. In einer Nische lag die Zeichnung für eine andere Familie, die wir ungeniert unter die Lupe nahmen. Aus einer anderen Nische vernahmen wir: „Das ist ein Unterschrank,  matt lackiert mit Edelstahlgriffen und einer Granitarbeitsplatte.“ – „Und das ist gestreift“, sagte ich zum Gatten. Die Granitarbeitsflächen, die wohl momentan modern sind, gefielen uns nicht so besonders. „Da kann man sich ja gleich seinen Grabspruch einmeißeln lassen“, kommentierte Peter.

Auch sonst hatte sich der Küchenstil in den letzten Jahren ziemlich verändert. Was „zu unserer Zeit“ noch sehr glatt und klinisch wirkte, scheint jetzt eher die Norm zu sein. Und bei manchen Küchen gehört wohl ein Fernseher zur Standardausstattung. Interessant.

Doch wir beschlossen, dass unsere Küche noch lange nicht altmodisch, sondern „zeitlos-gemütlich“ ist.

Das ältere Ehepaar saß inzwischen auch mit einem Berater an einem Tisch. Wir entdeckten einen Tisch mit zwei gemütlichen Sesseln, auf dem dekorativ eine Weinflasche mit drei Gläsern stand. Obwohl die Flasche voll und mit einem Schraubverschluss versehen war, beschlossen wir, sie nicht zu öffnen.

Als K. und G. alles ausgesucht hatten, verschwand der Berater im Büro, um die Kalkulation zu erstellen, und wir gönnten uns bei der Kochschule noch ein Süppchen und einen Nachtisch, und G. baute hingebungsvoll ein Kunstwerk aus den bereitstehenden Zuckerwürfeln und Milchbecherchen. Manche Leute kann man auch nirgendwo mit hinnehmen.

Dann kehrten wir in unsere Nische zurück, doch der Berater war noch nicht da. G. inspizierte die Dunstabzugshaube, die dort hing. Rrrrummms! Eine Klappe öffnete sich. Wir fuhren zusammen. Vorsichtig schloss G. das Teil wieder, doch sobald es eingerastet war, fiel die Klappe daneben herunter. Und als er die wieder geschlossen, hatte, ging natürlich die erste wieder auf. Wir befürchteten schon ähnliche Szenen wie bei Loriots schiefhängendem Bild, aber diesmal blieb alles zu. Und das Papier, das nun etwas heraushing, wollte niemand von uns mehr zurückschieben.

Der Preis der Küche war doch nicht ganz das, was sich K. und G. vorgestellt hatten, aber sie haben ja noch Zeit, weitere Erkundigungen einzuziehen. Und Peter und ich sind froh, dass wir das Gedöns hinter uns haben und wünschen unserer zeitlos-gemütlichen Küche noch viele, viele Jahre.

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Unternehmen “Fitted Kitchen”

  1. Möbelkauf ist auch bei uns was ausgesprochen Langwieriges. Wir wissen ganz genau, was wir wollen und was nicht. Und bis wir das dann zu einem akzeptablen Preis finden, das kann dauern.

    Unsere Küche ist auch noch gut in Schuss und müsste in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten nicht erneuert werden. Es sei denn, wir ziehen um und das passt alles nicht mehr rein.

    • Bei uns ist das auch so. Und was wir genau wollen, wird natürrrlich im Vorfeld intensiv besprochen. Wenn uns mal so ein Fernsehteam die Bude umgestalten sollte, bin ich mir sicher, dass unsere Reaktion wäre: Sie versetzen jetzt das Ganze sofort wieder in den Originalzustand!

  2. bockmouth

    Meinereiner sieht schon, für K + G habt ihr immer einen guten Haus-Rat bereit… 😉

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