„Das Wasser so kalt“ von Anja Jonuleit

Vor ein paar Wochen stieß ich in Edith Nebels Blog „Wahnsinn im Alltag“ auf eine Rezension des  Romans „Herbstvergessene“ von Anja Jonuleit. Nachdem ich das Buch mit Begeisterung verschlungen hatte, stolperte ich in unserer Bibliothek über das Erstlingswerk der Autorin. Ein Bodenseekrimi, das passt genau in mein Beuteraster.

Am Bodensee im Eriskircher Ried wird die Leiche einer Frau angespült, die vermutlich erwürgt wurde. Sie trägt ein weißes Kleid und einen goldenen Ring mit der Gravur einer liegenden Acht und den Worten „rosa Wolken“. Andreas Sommerkorn und Barbara Stern von der Kripo Friedrichshafen ermitteln in diesem Fall und erfahren bald, dass vor zweieinhalb Jahren in der Nähe von Bregenz eine ermordete Frau aufgefunden wurde, die denselben Ring trug. Man hat es also mit einem Serientäter zu tun.

Als die Polizei ein anonymes Päckchen mit der Handtasche des Opfers erhält, finden Sommerkorn und Stern heraus, dass der Frau kurz vor ihrem Tod ihr hüftlanges Haar abgeschnitten wurde, und dass jemand ihr ein Gedicht von Georg Heym mit der überaus realistischen Beschreibung einer Wasserleiche geschickt hatte.

Zur selben Zeit kehrt die Malerin Marie Glücklich, die sich im Moment alles andere als glücklich fühlt, da ihr Mann sich wegen einer anderen von ihr getrennt hat, zurück an den Bodensee. Sie versucht, ihr privates und berufliches Leben wieder auf die Reihe zu kriegen. Ihre Freundin Paula unterstützt sie dabei und vermittelt ihr einen Job beim Allensbacher Institut für Demoskopie. Marie soll als Versuchsperson bei einem Forschungsprojekt über Internetdating mitmachen. Nach ein paar Verabredungen erhält sie anonyme Anrufe. Doch dabei bleibt es nicht.

Wer könnte dahinter stecken? Eine ihrer Verabredungen? Ihr unfreundlicher und unheimlicher Nachbar? Oder etwa Boutique-Besitzer und Haarfetischist Toni, der schon einmal wegen sexueller Belästigung angezeigt worden war?

Die Perspektive des Romans wechselt immer zwischen verschiedenen Personen: Sommerkorn, Marie, dem obdachlosen Straßenmaler Paul Kubin und dem Mörder. Dies fand ich am Anfang etwas anstrengend, da auch eine Passage aus der Sicht des Opfers beschrieben wurde, und sowohl sie als auch der Mörder natürlich nicht namentlich genannt wurden. Aber später unterstützt  der Perspektivenwechsel Tempo und Spannung.

Bis zum Schluss hatte ich das Gefühl, dass die Vorgehensweise des Mörders und die Erlebnisse von Marie nicht richtig zusammen passen, aber am Ende fällt jedes Puzzlestück auf seinen Platz. Insgesamt ein spannender, in sich stimmiger Krimi mit sympathischen Charakteren und  viel Lokalkolorit, der mit gut gefallen hat. Ich bin schon neugierig auf den Nachfolgeband „Novemberasche“.

Anja Jonuleit, 1965 in Bonn geboren, ist Übersetzerin und Dolmetscherin. Sie lebte und arbeitete in New York, Bonn, Rom, Damaskus und München. 1994 kehrte sie mit ihrer Familie an den Bodensee zurück. Sie ist Mutter von vier Kindern. Ihren ersten Roman „Das Wasser so kalt veröffentlichte sie 2007. Weitere Romane von ihr sind „Herbstvergessene“ und „Novemberasche“.

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Kategorien: Literarisches und Kulturelles | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „„Das Wasser so kalt“ von Anja Jonuleit

  1. Ah … jetzt wird mir alles klar! Ich lese gerade den neuesten Bodenseekrimi von Anna Jonuleit, NOVEMBERASCHE, und denk die ganze Zeit, das liest sich so, als habe es eine ausführliche Vorgeschichte gegeben, sprich, mindestens ein vorangegangenes Buch. Im neuen sind nämlich auch wieder Andreas Sommerkorn, seine Schwester Paula und Marie Glücklich zugange.

    Und immer beziehen sie sich auf vorangegangene Ereignisse, die zu dramatisch sind, als dass man sie in einem „allein stehenden“ Buch als Vorgeschichte einer Person erwähnen würde.

    Soso, die reden also von den Ereignissen in DAS WASSER SO KALT! Da werde ich das also auch lesen müssen.

    • Das kenne ich auch. Manchmal irritiert es ganz schön, wenn ständig auf eine komplexe Vorgeschichte Bezug genommen wird. Und wie ist „Novemberasche“? Lohnt es sich?

  2. Bin noch nicht ganz durch. Etwas deprimierend, aber nun will ich schon wissen, wer den Schuljungen umgebracht hat. Den Grund dafür ahnt man recht schnell, er war mitnichten der Musterknabe, für den man ihn auf den ersten Blick halten konnte.

    Und wie Paulas Mann in den Mordfall reinpasst – laut Klappentext soll das so sein – frag ich mich nach 2/3 des Buchs noch immer.

  3. Inzwischen hat Edith „Novemberasche“ fertig. Damit schließt sich der Kreis. (Dittsche)

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