Konfuse

Bei @heinzi schrieb er unter dem Namen Konfuse. Manchmal hatte man das Gefühl, dass der Name Programm war, denn seine Vorliebe für Rechtsanwalt / Privatdetektiv Ingo Lenßen und Dittsche kennzeichnete den Stil seiner Beiträge.

Als ich im Jahr 2003 nach Irland fuhr, bat er mich um einen Stein von der Westküste, da er einmal eine Geschichte zu diesem Thema gelesen hatte. Ich verschluckte mich beinahe vor Lachen, denn Peter und ich tüftelten herum wegen jedem Gramm Gepäck, und der Herr wünschte sich einen Stein! Aber ich habe ihm ein Steinchen aus dem Burren mitgebracht. Dieses Steinchen sollte noch über zwei Jahre bei mir in der Schreibtischschublade liegen, bis wir uns im November 2005 auf dem konspirativen Weihnachtsmarkttreffen in Münster endlich persönlich kennenlernen konnten.

Ich hatte mich erst mit Tulpe bei uns am Bahnhof getroffen, dann ging es – entgegen allen Befürchtungen wegen Schneechaos-Spätfolgen – problemlos weiter nach Münster. Wir waren pünktlich am Rathaus, und bald traf auch Bocki ein. Während wir auf Konfuse warteten, kam Lumpi, der eigentlich irgendwo anders hinwollte. Aber er ließ es sich nicht nehmen, kurz am Rathaus vorbeizuschauen. Dann erschien Konfuse, und wir machten uns auf die Socken Richtung Weihnachtsmarkt. Dort brauchten wir erst mal was Warmes, also ein Glühweinchen, und Konfuse und ich tauschten endlich unsere Sachen aus, die schon vier bzw. zwei Jahre bei uns rumlagen.  Die Glühweintassen von Köln wurden meiner Sammlung einverleibt, und der Stein von der irischen Westküste wird einen Platz im konfusianischen Garten finden, wurde mir versichert.

Dann hatte Konfuse den berüchtigten „Schnaps aus dem Löffel“, den es in Münster gibt, auf seinem Wunschzettel, und wir suchten ein Lokal, in dem man so etwas bekommt. Uns wurde mitgeteilt, dass man dazu zum „Pinkus“ müsse, aber aus unerfindlichen Gründen wollte Bocki dort nicht hin. Wir überlegten, ob er sich dort wegen eines riesigen Bierdeckels nicht mehr reintraut, oder dass er sich *mit uns* dort nicht blicken lassen will oder Hausverbot hat, weil er mal eine Kellnerin verführt hat (Peter meinte nachher: „Dann kommt euch dort ein jüngeres Ebenbild von Bocki entgegen, mit einer Stofftasche als Schürze umgebunden“). Der wahre Grund wird uns wohl weiterhin verborgen bleiben, es passierte nichts Spektakuläres. Statt dessen tranken wir ein paar Bierchen und Konfuse bekam seinen Schnaps, der ihm vortefflichst mundete:

Foto: (c) by Tulpe

Dann wurde es Zeit, zum Spanier zu gehen, wo Bocki einen Tisch reserviert hatte. Das Essen war ausgezeichent und die Konversation gepflegt. Viel zu schnell war es Zeit, zum Bahnhof zu gehen, und wir verabschiedeten uns von Bocki. Am Bahnhof wurde es natürlich wieder knapp, da wir noch Tulpes Nachtzeug aus dem Schließfach holen mussten und unser Zug mal wieder vom allerhintersten, am besten versteckten Gleis abfuhr. Im Schweinsgalopp ging es über den Bahnsteig, und Konfuse, der eigentlich gar nicht dorthin musste, ließ es sich nicht nehmen, uns zu begleiten und hielt sich bei der Rennerei noch am besten. Kondition? Was ist das? Kann man das essen? Wir erwischten den Zug, und vollgefressen gondelten wir zu mir nach Hause.

Dies war leider das einzige Mal, dass ich Konfuse „live“ getroffen habe. Tulpe und ich entdeckten einmal in Amsterdam eine Sonnenbrille mit Totenkopf-Gläsern, die wir ihm schickten, und die er auch tatsächlich gern getragen hat. Im Forum hatten wir auch weiterhin eine Menge Spaß. Im Sommer beim WM-Tippspiel teilten wir uns sehr lange einen Platz in der Rangliste, und erst kurz vor dem Finale trennten sich unsere Wege.

Im Herbst ist Konfuse im Alter von 38 Jahren gestorben. Als die Nachricht unser Forum erreichte, loggten sich viele „Ehemalige“ wieder einmal ein, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, oder wie Lupinchen es formulierte: „Konfuse hat es geschafft,  dass viele Stammuser der 1. Stunde wieder hier sind eigens um hier in seinem Thread Abschied zu nehmen.“

Bald steht das nächste konspirative Münstertreffen an, und wir werden sicher zahlreiche Glühweinchen auf ihn trinken. Und wenn es mich in – hoffentlich nicht allzu ferner – Zukunft mal wieder an die irische Westküste verschlagen sollte, werde ich noch mal einen Stein mitnehmen.

Foto: (c) by Sir Guinness

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Konfuse

  1. bockmouth

    Habe für diesen wunderschönen Nachruf natürlich das „Like“-Sternchen angeklickt..

    Petra, das hast du ganz wunderbar geschrieben und bei aller Traurigkeit – ich mußte schmunzeln beim Lesen über euren Tausch Steingut vs. Stein.

    Tja, nun ist Konfuse mehr als einen Steinwurf von uns entfernt, aber immer noch in bester Erinnerung….

  2. Alena

    Wunderschön!!! Ich stellte mir das alles bildlich vor, wie Euer Treffen verlief.

  3. Girlie

    Toll geschrieben!

  4. Susanne (das Glückskind)

    Das ist wirklich sehr schön!
    Und es lässt einen bedauern, dass man ihn nicht persönlich kennen gelernt hat.

  5. Vielen Dank für euer Feedback, hier und an anderer Stelle. Schön, dass sich schon einige zum Glühweintrinken angesagt haben. 🙂 Unser Konfuse war schon ein Unikum.

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