Bus fahren

Da das Wetter heute zum Radfahren weniger geeignet war (Eis unter Neuschnee), bin ich zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder mit dem Bus in die Arbeit gefahren. Mit dem Auto wollte ich nicht fahren, da ich vormittags im Stadtzentrum sein musste, und mein Schlachtschiff und die dortige Parkplatzsituation sind nicht wirklich kompatibel. Und meine Reiselektüre „Goodbye, Auto“ von Carsten Otte passte zu meiner Expedition.

Als ich das Haus verließ, war es noch dämmrig, und vorsichtig ging ich zur Straße. Der Anblick eines kaputten, halb zugeschneiten Fahrrades gegenüber der Bushaltestelle bestätigte mich in meinem Vorhaben.

Im Bushäuschen warteten noch ein paar Leute, die sich angeregt über die Räum- und Streuaktivitäten der Stadtverwaltung unterhielten. Der Bus war sogar halbwegs pünktlich, was mich bei dieser Wetterlage erstaunte. Normalerweise liegt der Verkehr im ganzen  Land schon bei vier Schneeflocken nebeneinander komplett platt.

Ich fummelte meine Chipkarte aus dem Geldbeutel und versuchte sie an der richtigen Stelle über den Scanner zu ziehen.  Beim dritten Anlauf gelang es – ich bin Chipkartenanfänger – und das Display wünschte mir eine gute Reise. Nett!

Am Bahnhof stieg ich aus und bahnte mir meinen Weg durch die Studenten, die mit Bus und Bahn aus dem Umland kamen und auf dem Weg zur Fachhochschule waren. Mir fiel ein Leserbrief ein, in dem sich ein Herr über eben diese Studenten aufgeregt hatte, da sie sich wie ein gewaltiger Strom über die Straße wälzen und den Verkehr aufhalten. Er sollte mal lieber froh sein, dass sie nicht alle mit dem eigenen Auto kommen, sonst hätten wir den totalen Verkehrsinfarkt.

Nachmittags musste ich weiter in den südlichen Teil der Stadt. Die Strecke, die der Bus zurücklegte, war mir ziemlich unbekannt, da ich mit dem Rad die kürzeste Route nehme. Interessiert schaute ich aus dem Fenster, doch leider waren die Scheiben so dreckig, dass ich kaum etwas sah. Aber ich kam pünktlich an meinem Ziel an.

Auf der Heimfahrt hatte ich leider nicht so viel Glück. Da ich mich beim Weg zur Haltestelle verschätzt hatte, fuhr mir der Bus vor der Nase davon.  Der nächste ging zwar in zehn Minuten, aber meinen Anschluss im Zentrum hatte ich verpasst, was mir eine Viertelstunde Pause beim Umsteigen eintrug – gerade lang genug, um noch für das Abendessen einzukaufen. Passt doch, dann hatte ich das auch schon erledigt.

Im Bus von der Stadtmitte nach Hause saß vor mir ein etwa vierjähriges Mädchen mit seiner Oma. Die Kleine hätte am liebsten vor jeder Haltestelle auf den Aussteigeknopf gedrückt, doch Oma gestattete es nicht, da der Busfahrer sicher nicht begeistert wäre. Aber die Umsitzenden – ich auch – ließen sie für uns drücken, als wir aussteigen mussten, so dass die Kleine doch noch auf ihre Kosten kam.  Im eigenen Auto ist man zwar vielleicht unabhängiger, aber sowas erlebt man da mit  Sicherheit nicht.

Beim Aussteigen zog ich meine Karte wieder über den Scanner, und das Display verabschiedete sich mit einem artigen „Tot ziens“. Ich überquerte die Straße. Das Fahrrad war inzwischen verschwunden.

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Kategorien: Verschiedenes / Diversen | Hinterlasse einen Kommentar

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