Shopping

Es gibt wenig, das mir mehr auf die Nerven geht, als sich zum Klamottenkauf in die Stadt begeben zu müssen.  Aber manchmal geht es halt nicht anders, und so fuhr ich heute frohen Mutes mit dem Bus in die Stadt. Interessanterweise nahm dieser eine andere Route als normal, so dass zwei Haltestellen ausgelassen wurden. Für mich war das kein Problem, da ich in die Stadtmitte musste, aber diejenigen, die zum Gesundheitszentrum wollten, haben sich wahrscheinlich nicht gefreut , da sie ein ganzes Stück zurücklaufen mussten.

Da ich gerade Urlaub habe, gehen die Tage irgendwie fließend ineinander über, so dass ich völlig vergessen hatte, dass ja Markttag war. An diesen Tagen wimmelt es  immer im Stadtzentrum von deutschen Besuchern, die zum Fischessen über die Grenze schwappen, da Holland ja am Meer liegt.  Holland schon, aber vom östlichen Zipfel der Provinz Overijssel sind es doch noch etwa 200 km bis zur Küste. Aber das scheint niemanden zu stören, und so ist unser Zentrum an Markttagen immer rappelvoll.

Im ersten Geschäft fand ich einen Pullover, der mir gut gefiel, aber er war aus reiner Wolle, und seit einiger Zeit bekomme ich davon eine Triefnase. Also weiter. Ich probierte ein Oberteil in meiner Größe an. Was war das denn? Die Ärmel gefühlte sieben Meter zu lang, und der Rest wie eine Wurstpelle. Eine Nummer grösser saß es zwar lockerer, aber dafür reichte der Ausschnitt bis zum Bauchnabel. Trägt man das jetzt so? Nachdem ich gestern eine Frau gesehen hatte, die eine graue, formschöne Jogginghose mit Pretty-Woman-Stiefeln kombiniert hatte, sollte mich eigentlich nichts mehr wundern.

In diesem Laden fand ich nichts, das auch nur einigermaßen gut saß. Leicht gefrustet musste ich daran denken, wie ich einmal auf der Suche nach einer Fahrradhose war. Da ich an den Ständern nicht erkennen konnte, wo die Hosen für Damen hingen, zog ich einen Verkäufer zu Rate, denn die Polsterung ist ja bei beiden Geschlechtern unterschiedlich. Der  Herr wollte mir alles Mögliche andrehen, was man gegenwärtig so trägt. In der Kabine quetschte ich mich mühsam in das erste Modell, als von draußen die säuselnde Stimme des Verkäufers erklang: „Möchten Sie auch noch eine in Größe XS probieren?“  Ich wollte gerade zurückrufen: „Verar… kann ich mich selber!“, als jemand aus der Nachbarkabine rief: „Danke, nicht notwendig!“ Das hätte peinlich werden können.

In einem Geschäft waren Pullover nach Größen in ein Regal einsortiert, schön ordentlich und übersichtlich. Allerdings befand sich Größe S ganz oben und XXL ganz unten. Wäre es umgekehrt nicht viel praktischer? Die Leute, die Größe S tragen, sind doch meistens nicht nur etwas kürzer, sondern auch gelenkiger als die XXL-Träger. Ob ich das mal vorschlagen soll?

Endlich fand ich in einem Outdoorladen zwei Pullis, die mir sowohl passten als auch gefielen, und eine Straßenkarte für Nordirland hatten sie dort auch. Geduld zahlt sich eben aus.  Ein Blick auf die dynamische Anzeigetafel an der Bushaltestelle, die nach ungefähr zehn Jahren endlich funktioniert, zeigte mir, dass ich noch genug Zeit für eine türkische Pizza hatte. Dann ging es nach Hause. Diesmal fuhr der Bus die normale Strecke, hielt aber, da ein anderer Bus an der Haltestelle stand, einige Meter zu früh, so dass ich mich durch ein verschneites Blumenbeet auf den Gehweg pflügen musste. Meine Shopping-Expedition war überstanden. Aber ich werde wohl nie verstehen,  dass es Leute gibt, die so etwas nicht nur freiwillig, sondern sogar gern machen.

 

Advertisements
Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | 4 Kommentare

Beitragsnavigation

4 Gedanken zu „Shopping

  1. Mendian

    Mutig, mutig. In die Innenstadt und das auch noch an einem Samstag. Ich hasse Einkaufen. Entweder geraet man (wortwoertlich) unter die Raeder derjenigen, die keine Zeit haben, oder man trifft Paerchen, die den oertlichen Supermarkt zum Spazierengehen nutzen. Zum Glueck ist das naechste Winkelzentrum nicht weit entfernt. Alles ist noch im Aufbau, aber die wichtigsten Sachen wie Metzger, Supermarkt, Baecker, Tierhandlung und Drogist sind vorhanden. In die Innenstadt komme ich hoechstens 1-2 mal pro Jahr. Meist dann, wenn Besuch von Ausserhalb da ist.

    Groetjes uit Twekkelerveld
    Mendian

  2. Ach so, dann wandelst du sozusagen auf touristischen Pfaden. 😉

    Von eurem neuen Winkelcentrum habe ich schon einiges gehört und muss demnächst unbedingt beim Slijter vorbeischauen, das habe ich der Dame des Hauses dort versprochen.

    Bei euch tut sich wenigstens was mit dem Bau. Bei uns hat man nach 10 Jahren Diskussion letztes Jahr mit viel Brimborium ein paar Löcher gegraben, hin und wieder ein paar Leitungen verlegt und dann nichts mehr gemacht. Wenn das so weiter geht, wird das Bauterrain noch ein Naturmonument.

  3. Mendian

    Es koennte mehr sein. Der ‚Sterrenhof‘ steht noch zu 2/3 leer. Angeblich soll noch ein Lidl kommen. Ein tuerkischer Laden waere auch nicht schlecht (ich muss immer zum Mevlana oder zum Toko), und ein kaaswinkel fehlt auch noch.

    Was allerdings in meinen Augen ein Manko ist: Es ist helemaal niet gezellig. Alles supermodern und totschick, allerdings ohne Atmosphaere.

  4. Heute bin ich da gewesen, und ich glaube, ich weiß, was du meinst. Es ist schon sehr „recht toe recht aan“ und wirkt noch etwas seelenlos.

    Beim Slijter war es aber wirklich nett, sie haben dort sogar Glenkinchie! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: