„Three Wishes” von Liane Moriarty

Nachdem ich den Roman „What Alice Forgot“ mit Begeisterung verschlungen hatte, beschloss ich, auch das Erstlingswerk der Autorin zu lesen.

„Three Wishes“ beginnt mit einer dramatischen Szene in einem Restaurant, die aus der Perspektive der anderen Gäste und der Bedienung erzählt wird: An einem Tisch sitzen drei junge Frauen, Drillinge, die zusammen ihren 34. Geburtstag feiern. Erst ist die Stimmung noch gut, wenn auch etwas sehr lebhaft, doch dann springt eine der drei wütend auf, schreit, dass die anderen beiden ihr Leben ruiniert hätten, und wirft ihre Fonduegabel nach ihrer hochschwangeren Schwester. Die Gabel bleibt in deren Bauch stecken, die Werferin kippt vor Schreck um und knallt gegen die Tischkante.

Im Krankenhaus fragt die Mutter der drei, was denn diesmal der Auslöser war. Die Geschichte, die diese Frage nach und nach beantwortet, beschreibt verschiedene Ereignisse aus dem Leben der Drillinge, ihr kompliziertes Verhältnis zueinander und auch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Lyn ist organisiert und methodisch, lebt nach einem Fünf-Jahres-Plan und hat ihr eigenes erfolgreiches Unternehmen. Sie ist glücklich mit Michael verheiratet, hat eine pubertierende Stieftochter und eine etwa zweijährige Tochter. Sie wirkt ausgeglichen und heiter und hat ihr Leben im Griff. Doch in dieser perfekten Fassade zeigen sich kleine Risse.

Cat, Lyns eineiige Schwester, war immer schon aufbrausend und sarkastisch. Auch mit ihrem Mann streitet sie häufig, aber da sie sich immer wieder vertragen, denkt sie, dass diese Form des Zusammenlebens für beide in Ordnung ist. Ein Wermutstropfen ist, dass sie schon recht lange kinderlos sind, während Lyn sofort „nach Plan“ schwanger geworden war. Eines Abends muss sie feststellen, dass ihr Mann Dan ein Verhältnis mit einer anderen Frau hat.

Gemma, die Dritte im Bunde, ist eine etwas zerstreute junge Frau, die sich seit dem Tod ihres Verlobten einfach treiben lässt. Sie wohnt als Housesitter in Häusern, deren Besitzer längere Zeit weg sind und lebt von Gelegenheitsjobs. Entscheidungen zu treffen findet sie ermüdend, und sie hält keine Beziehung länger als ein halbes Jahr durch. Dann trifft sie Charlie, und eine feste Beziehung scheint tatsächlich möglich zu sein. Doch dann stellt sich beim Weihnachtsessen heraus, dass er der Bruder von Dans Geliebter ist. Da sie es jedem recht machen möchte, stürzt sie dies in einen Loyalitätskonflikt zwischen Charlie und Cat.

Zu dieser an sich schon recht explosiven Mischung kommen eine geplante und eine ungeplante Schwangerschaft, eine Fehlgeburt und die Tatsache, dass die Eltern der Drillinge nach 28 Jahren Scheidung wieder zusammen leben möchten, so dass das Ganze seinen Höhepunkt in der am Anfang beschriebenen Szene findet.

Wie in „What Alice Forgot“ nimmt sich die Autorin sehr viel Zeit für den Schluss, so dass wirklich keine Fragen mehr offen bleiben und alle losen Enden ihren Platz im Gewebe finden. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, aber irgendwie stört es mein Gefühl für die Proportionen einer Geschichte, wenn diese sich nach dem Höhepunkt noch zu lange hinzieht.

Trotz dieses kleinen Mankos habe ich auch „Three Wishes“ (deutscher Titel: „Drei Wünsche frei“) mit viel Vergnügen gelesen. Die interessante Figurenkonstellation sowie Moriartys Humor und Gespür für Situationskomik und Überraschungen  machen das Buch zu einem runden Leseerlebnis.

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