rock ’n pop

In einer der ehemaligen Textilfabriken in Gronau befindet sich das „europaweit einzige Haus der Rock- und Popgeschichte“, wie es auf der offiziellen Website umschrieben wird.  Eröffnet wurde es im Jahre 2004 von Udo Lindenberg, dem Mann mit dem Hut, der 1946 in Gronau das Licht der Welt erblickt hatte.  Zeit also, um es einmal zu besuchen.

Da der heutige Sonntag wider Erwarten nicht verregnet war, fuhren wir mit dem Rad. Als wir unsere Eintrittskarten erworben und brav unsere Postleitzahl genannt hatten, wurden wir in perfektem Niederländisch gebeten, mit dem Lift in die zweite Etage zu fahren und dann langsam nach unten zu gehen.

Ganz oben befindet sich ein kleiner Raum mit alten Aufnahmegeräten, einem Schlagzeug mit Verstärkern und jeder Menge Kabel. Laut Gatten sah es früher bei ihnen im Schuppen ähnlich aus, wenn sein Bruder zur Freude der Nachbarn mit seiner Band dort übte.  Ein netter Herr mit Pferdeschwanz erklärte auf Wunsch die Exponate.

Im Stockwerk darunter ist zur Zeit eine Ausstellung über John Lennon. Neben Fotos, Plattencovern, Zitaten und diversen Tondokumenten gibt es dort auch einige Zeichnungen von ihm. Einige gefielen mir gut, die Motive waren so richtig locker aus dem Handgelenk auf das Papier geworfen, bei anderen musste ich an die Werke meiner kleinen Neffen denken.

Dann gelangten wir zur Ausstellung  „Imageb(u)ilder“ über die Geschichte des Videoclips. Um die Symbiose von Musik und Bildern zu illustrieren, wird dort u.a. Zusammenschnitt des Films „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1922 gezeigt. Ich war hin und weg – Wahnsinn, wie obszön sogar ein Schatten sein kann! Damals gab es wenigstens noch richtige Vampire und nicht solche Weicheier wie in der „Twilight“-Serie. Außerdem steht dort tatsächlich das Originalauto aus der Sendung „Formel Eins“ (für Fachleute: ein Studebaker Starlight, für Leute wie mich: rosa). Mir wurde ganz nostalgisch zumute: diese Sendung kam in den 80er Jahren immer Montags vor „Live aus dem Alabama“ und gehörte zum Pflichtprogramm, wenn man in der Schule halbwegs mitreden wollte.

Am Ende stand dann die Dauerausstellung mit George Harrisons Gitarre, John Lennons Haschaufbewahrungsbehälter, einem quietschbunten Hemd von Jimi Hendrix und vielen anderen Dingen. Überall gibt es Videoschirme, über die die bekannten Clips der verschiedenen Epochen flimmern, und aus den vielen Lautsprechern klingt eine wahre Kakophonie diverser Hits. Aber man kann auch über Kopfhörer gezielt einzelne Stücke aus den Charts verschiedener Jahre anhören. In den Jahren 1968 und 1969 hatte Heintje besonders viele Lieder in der deutschen Hitparade  – irgendwie auch ein Vertreter des Grenzwanderertums.

Das Museum war für einen ganz normalen Sonntag recht gut besucht, und  es ist auch durchaus einen Besuch wert. Im Moment steht vor allem die Musik im Vordergrund, und das passt auch, da ein Großteil der Besucher sich zumindest an ein paar der Epochen noch selbst erinnern kann.  Bei weiteren Aus- und Umgestaltungen wäre es aber vielleicht empfehlenswert, die Musik etwas mehr in den historischen und kulturellen Hintergrund der jeweiligen Zeit einzubetten.

Ach ja, Udo Lindenberg scheint es früher auch ohne Hut gegeben zu haben. Ob die Kopfbedeckung der Tatsache geschuldet ist, dass sich auch bei ihm das Haupthaar langsam lichtet?

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Kategorien: Literarisches und Kulturelles | Ein Kommentar

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