Navi oder nicht Navi?

Wer uns kennt weiß, das wir Experten im Verfahren sind. Mein Orientierungssinn und Richtungsgefühl lassen mich in unbekannten Gegenden grundsätzlich im Stich und der Gatte hat Geografie studiert. Noch Fragen?

Für das Auto gibt es da inzwischen eine einfache Lösung: ein Navigationsgerät. Unseres heißt Gerrit, nach der Brieftaube in der „Fabeltjeskrant“, einer niederländischen Kinderserie. Eine Brieftaube sollte eigentlich immer wieder nach Hause finden, und Gerrit lotst uns auch meistens zuverlässig durch Stadt und Land. Eine Zeitlang sprach er sogar Norwegisch mit mir: „Om twohundre og femti meter sving venstre.“ Oder: „Kjør så inne rundkjøringen og ta første til høyre.“ Das hat doch was, oder? Leider wurde diese Sprache zusammen mit dem Flämischen ein Opfer des letzten Karten-Updates, und ich weiß leider nicht, wie man das rückgängig macht.

So etwas Tolles sollte es doch eigentlich auch für das Fahrrad geben, und so erwogen wir, für unsere geplante „Weltreise“ ein Fahrradnavi anzuschaffen. Doch bei denen, die wir in verschiedenen Geschäften sahen, überforderte uns die Gebrauchsanweisung, und von einem Kollegen hörten wir, dass es vor allem für bekannte Routen zu empfehlen sei. Aber dafür brauchen wir es ja eigentlich nicht, die kennen wir ja.

Fachfrau Rennbiene von @heinzi machte sich die Mühe, uns das Fahrradnavi ausführlich zu erklären. Dieser Beitrag gefällt mir so gut, dass ich ihn für Interessierte hier einstelle, natürlich mit ihrer freundlichen Genehmigung:

Ich habe seit Dezember 2009 ein Garmin Etrex Vista HC. In meiner Naivität dachte ich, das kann so schwer nicht sein, ich bin technisch begabt, hatte bisher 2 Autonavis, also wird das auch gehen. (Mein Vater warnte mich schon, aber … naja…Väter…)

Glücklicherweise hatte ich das Gerät etwa 7 Monate vor dem ersten wirklichen Einsatz. Wirklich deswegen, weil man es natürlich vorher auf möglichst bekannten Routen testen sollte. Nun,  Hochmut kommt vor dem Fall. Für das Erlernen des Navis kannst Du allein ein halbes Jahr rechnen. Und zwar ein halbes Jahr, indem Du NUR Routen nimmst, die Du sehr gut kennst um es auszuprobieren. In dem Du Deinen Wortschatz an bösen Wörtern um ein vielfaches erweitern kannst. Ein solches Gerät ist nicht, aber wirklich absolut nicht mit einem Autonavi zu vergleichen.

Ich habe sehr viel Hilfe von sehr geduldigen Menschen in einem Fahrradforum gefunden, habe mich in mindestens 3 anderen Foren vorübergehend angemeldet um die Dinge endlich zu verstehen und habe irgendwann, nach etwa 5 Monaten alles (fast heulend) zusammengepackt, bin zu meinem Vater (damals 82 Jahre alt) gefahren, der zwar nicht dieses Garmin, aber auch ein Wander/Fahrrad-Garmin hatte und ich dachte, sooo anders wird das nicht sein und habe ihn gefragt, ob er mir helfen kann. Dann hat der sich 14 Tage damit beschäftigt und dann haben wir einen 3 Stunden – Kurs gehalten (wohlgemerkt, ich halte mich wirklich für einigermaßen begabt diesbezüglich) und dann ging es langsam aufwärts. Dann habe ich die ersten Touren unternommen und es hat alles geklappt, dann habe ich die Touren am PC erstellt und bin sie gefahren. Und zum Schluss als ich das ganze Navi „konnte“ da habe ich sogar die (sehr sehr dürftige) Bedienungsanleitung verstanden.

Es krankt einfach daran, dass viel zu viel Wissen vorausgesetzt wird. Wissen, welches ich JETZT habe, aber eben nicht, als ich das Ding gekauft habe. Und die – ich sage mal –Ersteller der Gebrauchsanweisung kennen das Gerät natürlich in und auswendig und kommen nicht auf die Idee, dass es Neuanwendern anders geht. Außerdem wird ordentliches Schreiben von Anleitungen vermutlich noch einmal extra teuer sein.

Am letzten Sonnabend ist es mir, ich weiß nicht warum, abgestürzt und alle Einstellungen waren hin. Und immerhin (ich nehme es ja nicht so oft) es ist mir gelungen, alles wieder so einzustellen und so zu programmieren, wie ich es brauche.

Wenn man zu einem Fahrradnavi tendiert, dann wird es aller Voraussicht nach eh ein Garmin werden, das ist momentan noch das Nonplusultra. Wichtig ist, auf ein vernünftiges Display zu achten und auf die Stromversorgung. Ich habe eines mit herkömmlichen Batterien. Es gibt auch welche mit Spezial Akkus, da braucht man aber alle 2 oder 3 Tage eine Steckdose. Völlig bekloppt. Die Batterien bei mir halten gut, Akkus gehen auch, aber billige AA-Batterien bekommt man überall.

 Das Prinzip der Wander- und Fahrradnavis ist wie oben erwähnt völlig anders als beim Autonavi. Beim Auto macht man das Navi an, steigt ins Auto, programmiert und fährt los. Im Steigerungsfall macht man zu Hause am PC 2 Punkte, die man anfahren möchte oder dass man gerne die Route fahren möchte. Dann rechnet das Ding und los geht’s.

Und der wirklich völlige Unterscheid ist das Kartenmaterial. Ein Autonavi kennt (im Idealfall) alle Straßen und muss beim Durchschnittsbürger alle 2-3 Jahre mal aktualisiert werden. Wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm, Straßen ändern sich nicht so schnell.

Beim Garmin (damit meine ich jetzt mal die Gruppe der Wander -und Fahrradnavis …und ich habe nun mal das Garmin, kein anderes) ist das Prinzip ein völlig anderes. Es muss alle Wege, Schleichwege, Fahrradwege, Waldwege, kleine Wiesenwege kennen. Die Karte ist eine ganz andere, (die am PC und die im Navi) fast ein Messtischblatt. Ich habe eine Auflösung bis auf einen Meter. Das ist ein bisschen übertrieben, aber eine Auflösung 12 Meter habe ich schon mal gebraucht.

Es geht schon damit los, dass es ungefähr gefühlte 1000 Einstellungen mehr hat. Den größeren Teil davon braucht man durchaus, aber das weiß man erst, wenn man es verstanden hat. Dazu kommt, wie schon oben kurz erwähnt, dass für den totalen Einsteiger die neuen Begriffe nicht erklärt werden. Wander- und Fahrradnavis arbeiten zwar auch mit Routen, aber eigentlich fährt kaum einer mit Routen, sondern mit Tracks. Wenn man, wie ich,  wenig bis gar kein Englisch kann (ob das dann dabei hilft, weiß ich nicht) dann stehe ich erst einmal da und frage: Was ist denn ein Track? Oder wenigstens: Was ist der Unterschied zwischen Track und Route? (Was eine Route ist, ist ja klar.)

Ich versuche mal kurz das Prinzip zu erklären (ich hoffe, ich langweile keinen). Ich möchte von A nach B auf einem besonders hübschen Weg. Das läuft zu 99% vorher alles über den PC mit entsprechenden Programmen, die nebenbei gesagt auch noch Mist sind. Bis man mitbekommt, das es wunderbare freie Programme gibt, mit denen man sehr gut arbeiten kann. All das braucht Zeit.  Nun muss ich am PC das Programm aufmachen und mit einem Zeichen-Tool auf der dargestellten Landkarte mir meine Strecke (Track) erzeichnen. Das kann ich in verschiedenen Maßstäben machen, dann bearbeiten, speichern, auf den Garmin laden. Dann fahre ich los.

Und nun kommt der Unterschied zu einem Autonavi. Das Wander -und Fahrradnavi spricht nicht mit mir, es macht nur (wenn ich es nicht abstelle) Piep Geräusche, wenn es mich routen soll. Ich fahre aber zu 100 % nicht mir Routing, sondern mit Tracks. Ich habe es am Lenker und im Display wandert die Karte und meine aktuelle Position immer mit. Und anhand eines vorher farbig gespeicherten Striches (besagten Tracks) zeigt mir das Display, ob ich mich auf Kurs befinde. Aber es meckert nicht, wenn ich vom Kurs abweiche. Und wenn ich mich mal verfahre oder einen anderen Weg fahre, weil die Straße schlecht ist, dann ändere ich den Maßstab im Gerät und sehe anhand der Linie, wo ich wieder hin muss. Und das klappt ausgezeichnet.

So bin ich inzwischen einige 1000 Kilometer gefahren. Und all das, was jetzt hier so einfach klingt, hat aber besagte Monate gedauert, bis ich es verstanden habe.
Im vergangenen Jahr habe ich eine Fahrt um Wittenberge gemacht. Da war eine Umleitung, die ausdrücklich für Fahrräder galt, was ja doch selten war.  Aber es war eine Brücke über die Elbe gesperrt. Die Umleitung hat mich relativ weit vom Weg abgebracht. Ohne Navi hätte ich mich hoffnungslos verfranzt. Mit Navi habe ich an Hand der margentafarbenen Linie (die Farbe heißt wirklich so) gesehen, dass die grobe Richtung richtig ist und dass ich in etwa 5-6 Kilometern wieder meine Linie und damit meinen Weg treffe. Ein Foto, das einen ganz kleinen Eindruck von dem, was ich meine darstellt, ist meine Tour heute.
Die gelbe Linie ist meine zurückgelegte Tour, die margentafarbene der eigentliche Track, die Leitlinie:


Nun sind es hier nur 200 Meter, aber das Prinzip ist das Gleiche. Ich finde an Hand der Linie meinen Weg immer wieder. Solange das Navi an ist und die Kommunikation mit den Satelliten funktioniert. Selbstverständlich habe ich auf großen Touren IMMER mindestens noch eine Karte dabei (nur auf der Wittenberge-Tour nicht). Es sind 2 gelbe Linien, weil ich die Strecke hin und zurück gefahren bin. Einmal bin ich genau den Track gefahren und auf der Rückfahrt etwas anders. Aber ich bin dann eben wieder auf der Leitlinie gelandet.

Dann liegt es also nicht nur an uns, dass wir die Gebrauchsanweisungen nicht kapieren, das beruhigt schon mal etwas.

Da wir nur noch drei Wochen bis zum Aufbruch haben, werden wir das mit dem Fahrradnavi wohl nicht mehr schaffen. Also bleiben die üblichen Papierkarten. Da wir aber nicht vorhaben, sieben Kilo an Kartenmaterial mitzuschleppen, hat Peter die Karten der verschiedenen Länder eingescannt und die relevanten Ausschnitte auf A3-Papier ausgedruckt. Und ich habe im Internet und in diversen Reiseführern die wichtigsten Streckenvorschläge heraus gesucht und die Ortschaften markiert, an denen uns die Route vorbeiführt. Der Hærvej in Dänemark und die Nordseeroute z. B. sind ja ausgeschildert, aber es ist trotzdem wichtig, den Verlauf zu kennen, damit man sich die Zeit einteilen kann und durch unerwartete Schlenker nicht komplett aus der Bahn geworfen wird.

Die pinkfarbenen Markierungen sind die Ortschaften, die unsere Wunschroute passiert. Die gelbe Linie stammt noch von einem früheren Radurlaub in dieser Gegend.

Ich gebe zu, so professionell wie Rennbienes Grafik sieht das Ganze nicht aus, und wahrscheinlich werden uns auf diese Weise – wie immer – diverse zusätzliche Kilometer beschert werden, aber angesichts der Umstände geht es im Moment noch nicht anders.  Vielleicht werden wir uns nächstes Jahr zur Anschaffung eines Fahrradnavis entschließen und uns in die Materie hineinarbeiten, so dass wir die nächsten Touren auf dem neuesten Stand der Technik absolvieren können. 

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Kategorien: 2011 - Radtour | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Navi oder nicht Navi?

  1. Hallo Petra (habe ich irgendwo gesehen daß du so heisst),

    Ist nicht dein Ernst, ihr nimmt 5 Monate Urlaub für eine Fahrradreise? Das ist ja der Hammer! Ich habe schon mal gescherzt daß ich das auch mache, aber bis jetzt habe ich nur 2 Fahrradurlaube von ungefähr 1 Woche geschafft.

    Was habt ihr den für Fahrräder? Wie habt ihr das geplant? Ist eine Nordsee-route nicht sehr windig? (Dafür aber nicht bergig, das stimmt).

    Gruß,

    Bob

  2. Hei Bob, stimmt, mein Name steht irgendwo bei Alex.

    Mein Fahrrad ist ein RIH Z900 mit 27 Gängen, mein Mann fährt ein Cannondale. Die Niederlande, Deutschland und Dänemark sind recht flach, das stimmt, aber Schottland und Norwegen sind teilweise sehr bergig. Aber Norwegen wird dieses Jahr aus verschiedenen Gründen nichts werden, das kommt vielleicht später noch. Und der Wind kommt immer von der falschen Seite, egal wo. 😉

    Wir haben eine grobe Planung, wann wir wo sein wollen, aber das geht meistens schon ab Tag 1 schief. Schön ist es trotzdem meistens, egal, was rauskommt. Wenn es irgendwie geht, halten wir euch hier auf dem Laufenden. 🙂

  3. Oft wird (zurecht …) über die schlechte Qualität von übersetzten Anleitungen gemeckert. In vielen Fällen fängt das Problem jedoch viel früher an und besteht darin, dass solche Texte völlig an den Bedürfnissen der Anwender vorbeigehen, wie Dein Garmin-Beispiel sehr schön veranschaulicht.

    Eigentlich sollte man hoffen, dass die Firma mitliest …

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