Silkeborg bis Skagen

 Der Songcontest hatte wirklich Unterhaltungswert. Von den dänischen Kommentaren verstanden wir zwar nicht viel, aber wir kriegten gut mit, was das Publikum (einige Dauercamper, die Kuchen und Windbeutel vorbereitet hatten) gut fand. Der französische Beitrag traf eindeutig nicht ihren Geschmack, Lena haute sie nicht wirklich vom Hocker (das Lied war nicht schlecht, aber damit gewinnt man keinen Songcontest), bei Moldavien lachten sie sich schief, und ein etwa zweijähriges Kind, das das Spektakel gebannt verfolgt hatte, wollte dann nicht mehr weiterschauen. Über die zwölf Punkte von den Niederlanden freuten die Dänen sich wie Bolle. Mir hat der Beitrag übrigens auch gefallen, und ich hätte ihnen den Sieg gegönnt.

 Am nächsten Morgen mussten wir erst mal wieder alles Mögliche suchen, was Peter zu dem Ausspruch veranlasste: „Eigentlich hätten wir zusätzlich zum Christopherus noch einen heiligen Antonius mitnehmen müssen.“

 Dann fuhren wir los, erst wieder ein Stück auf dem Haervej, doch irgendwann verloren wir wieder die Schilder und folgten der direkten Strecke nach Silkeborg. Diese führt zum Teil an einer Hauptstrasse entlang, aber dafür hat man ja die kleidsamen Reflektorbänder.

 Das Wetter konnte sich heute überhaut nicht entscheiden, was es wollte, so dass wir ständig die Regenjacken an- und ausziehen mussten. Zieht man sie zu spät an, wird es ziemlich kalt, zieht man sie zu spät aus, schmort man im eigenen Saft wie ein Brathändel in der Folie.

 Nachdem ich jetzt das zweite Mal mit Lowridern und Vordertaschen unterwegs bin, ist es mir gelungen, meine Sachen nach einem System einzupacken, so dass ich nicht mehr dauernd suchen muss: Unterwäsche, Schlaf- und Waschzeugs in einer Tasche, Oberbekleidung in der anderen etc. Das Regenzeug befindet sich in der rechten Vordertasche, und nach ein paar Fehlgriffen fiel mir die geistreiche Eselsbrücke ein: „REgenzeug REchts“. Auch lernte ich die Vorteile des Radhelms zu schätzen: durch den kleinen Schirm wird die Brille nicht so nass, und trotz der Löcher bleibt derKopf halbwegs trocken – er ist viel angenehmer als eine Kapuze.

 Wie ich schon gesagt habe, Dänemark ist nicht flach – hier ist der Beweis!

 Als das Zelt stand, duschte ich erst mal und rieb meine muskelkatergeplagten Beine mit Franzbranntwein ein. Danach riecht man zwar wie eine ganze Schnapsfabrik, aber das Zeugs hilft.

 Dann erkundeten wir die Stadt, die mit ihren rechtwinkligen Strassen an Kristianssand in Norwegen erinnert, gingen Chinesisch essen (sehr lecker) und gönnten uns auf dem Heimweg noch eine „hjemmebakked isvaffler“ (hausgemachte Eiswaffel mit verschiedenen Sorten Eis, Eischnee und Sirup), für mich immer ein Grund für einen Dänemarkbesuch!

Am Morgen brauchten wir mal wieder eine Weile, um aus Silkeborg raus zu kommen – das ist der Nachteil von grösseren Städten, in denen man sich nicht auskennt. Wenn man es weiss, ist es natürlich ganz einfach.

Erst folgten wir der Hauptstrasse nach Viborg, neben der sich eine ganze Weile ein separater Radweg befindet. Hatte das Wetter gestern nicht gewusst, was es wollte, heute war es klar – es regnete, und zwar fast den ganzen Tag. Zum Glück regnete es nicht so stark, so dass wir trotzdem gut voran kamen.

 Kurz vor Viborg schwenkten wir nach Nordosten und fuhren über idyllische Dörfer in Richtung Hobro. Eine Weile fuhren wir sehr angenehm auf einer ehemaligen, jetzt asphaltierten Bahnstrecke. Einige dieser Dörfer waren jedoch so idyllisch, dass es kein Café oder so etwas gab. Endlich, gegen ein Uhr, fanden wir eine Imbissbude bei einer Tankstelle, wo wir etwas zum Essen bestellten und uns wieder aufwärmten.

Danach ging es noch über ein paar ordentliche Hügel (13% waren dabei) nach Hobro. Der Campingplatz liegt auf einer Anhöhe mit (bei gutem Wetter) toller Aussicht über einen See und die Stadt. Dort überlegten wir, ob wir diesmal eine Hytte nehmen sollten. Die Worte der Dame an der Rezeption gaben den Ausschlag: „It come rain!“

 In der Hytte befinden sich zwei Stockbetten, wovon eines zum Aufhängen unserer nassen Sachen beschlagnahmt wurde. Nach einer Dusche gingen wir noch kurz in die Stadt zum Einkaufen und assen dann mit richtigem Geschirr und Besteck zu Abend!

Am nächsten Morgen beschlossen wir, die Mariagerfjordroute zur Ostküste zu nehmen. Als wir den Fjord erreichten, konnten wir die salzige Seeluft bereits riechen. Bei Hadsund überquerten wir den Fjord und stiessen irgendwann auf die Ostküstenroute, der wir folgten. Wir kamen an verschiedenen grossen Campingplätzen vorbei, die noch ziemlich leer sind. Man kann sich kaum vorstellen, dass hier in der Hochsaison der Bär tobt.

In Engense nahmen wir die Fähre nach Hals.

Dort gibt es sogar ein Fahrradmuseum, aber das hatte leider geschlossen. Nach einem Rundgang durch den Ort gingen wir diesmal früh schlafen.

 Am nächsten Tag war es bewölkt, aber trocken, ideales Radlerwetter also. Und wir hatten auch Rückenwind, so dass wir gut voran kamen. Gegen Mittag erreichten wir Saeby, und es wurde Zeit für eine Pause. In Hals hatten wir gesehen, dass es im Hafen genug zum Essen gibt, also fuhren wir dorthin. Und tatsächlich, wir fanden ein nettes Café in einer ehemaligen Schmiede mit leckerem Essen.

 Gestärkt fuhren wir weiter, teilweise auf einem zweispurigen Radweg zwischen See und Autobahn, bis Fredrikshavn. Dort führte uns die Route um das Zentrum herum, was uns einige merkwürdige Kilometer über Schotterwege und sogar mitten durch einen Reiterhof bescherte. Dann stiessen wir auf ein Schild „Skagen 33 km“ und beschlossen, bis dorthin zu fahren. In einer Bäckerei stärkten wir uns noch mit etwas pappsüssem Gebäck.

Der Wind war immer noch mit uns, und so dicht bei der See ist es auch ziemlich flach, fast wie in den Niederlanden. Trotz gelegentlicher Schauer ging es gut voran, dat letzte Stück ging durch die Dünen. Dort wird der Ostseeküstenradweg zum Nordseeradweg.

Nach einer Weile erreichten wir Skagen und fanden einen Campingplatz am Ende des Ortes, wo wir wieder sehr freundlich empfangen wurden. Hier gönnen wir uns jetzt mal einen Ruhetag und schauen uns den Ort und die Umgebung an. Das haben wir uns verdient, immerhin sind wir heute ca. 115 km geradelt.

Morgen ist hier der „store bededag“, ein Feiertag, an dem die Dänen die Feiertage aller katholischen Heiligen zusammen feiern. Wieder was gelernt.

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Kategorien: 2011 - Radtour | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Silkeborg bis Skagen

  1. HWB

    Oh, hier gibt’s ja richtig viel zu lesen!
    Wunderbare Berichte, gerne weiter so regelmäßig!
    Weiterhin gute Fahrt und viele schöne Erlebnisse!

    Herzliche Grüße
    HWB

  2. Vielen Dank! Ich werde mich bemuehen. Es passiert im Moment auch genug. Gruesse an die @heinzis!

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