Von Skagen nach Agger

 Wie war das doch gleich mit den sieben fetten und sieben mageren Jahren? Aber alles der Reihe nach. Erst ging noch alles wunderbar.

 Wie bereits gesagt gönnten wir uns in Skagen einen Ruhetag, auch zum Waschen und Durchführen einiger notwendiger Reparaturen an Rädern und Kleidung. Dabei entdeckte ich, dass der Gatte es geschafft hat, acht einzelne Socken ein zu packen, darunter einen von mir. Ich finde das eine Nominierung wert, auch wenn er selber das nicht so sieht.

 Dann bummelten wir durch den Ort. Skagen erinnert etwas an Ootmarsum mit vielen Galerien und kunstgewerblichen Läden. Wir besichtigten die Skagen Kirke, die aussen und innen sehr farbenfroh gestaltet ist. In der Svenska Kyrke (der schwedischen Kirche) fand gerade eine Andacht statt, doch wir konnten sehen, dass sie eher wie ein Café eingerichtet ist.

Im Ort sahen wir, dass ein älterer Herr anscheinend hingefallen war, auf jeden Fall tupfte seine Frau ihm das Blut von einer Schürfwunde am Bein. Wir konnten mit ein paar Pflastern aus unserer Reiseapotheke aushelfen.

 Im Supermarkt wurde uns deutlich, dass ich an einem der ersten Tage keinen Fruchtsaft, sondern Fruchtsaftkonzentrat gekauft hatte. Kein Wunder, dass es dermassen in unseren Eingeweiden gerumpelt hatte. Eine weitere Nominierung also.

 Zurück auf dem Campingplatz gab mir die Verwalterin einen Internet-Ausdruck über den „Store Bededag“, da ich sie am Vortag danach gefragt hatte. Doch meine Armbanduhr, die ich dummerweise in der Dusche hatte liegen lassen, war leider nicht abgegeben worden. Das schien ihr mehr zu Herzen zu gehen als mir, da sie lieber ehrliche Gäste auf dem Platz hat. Aber letzen Endes bin ich ja selber schuld.

 Ich unterhielt mich noch eine Weile mit ihr, uns sie erzählte, dass sie und ihr Mann den Platz erst seit einem Jahr verwalteten und dass sie froh sei, nicht Eigentümer zu sein, da die Investitionen sehr hoch sind und irgendwie zurück verdient werden müssen. Eigentlich ist sie Malerin, und wenn sie Zeit hat, vor allem im Winter, arbeitet sie an ihren Bildern.

 Sie und ihr Mann sorgen wirklich dafür, dass der Platz richtig gemütlich ist. Wir wünschen den beiden von Herzen nog viele erfolgreiche Sommer!

 Dann gingen wir noch am Strand und in den Dünen spazieren, und ich testete vorsichtig die Wassertamperatur – irgendwas zwischen kalt und saukalt. Aber das Wetter war schon den ganzen Tag phantastisch. Schliesslich kamen wir zu dem Aussichtspunkt, wo Kattegat und Skagerrak, also Ostsee und Nordsee aufeinander treffen – das Ende der Welt sozusagen.

 Am nächsten Morgen mussten wir erst wieder ein Stück durch die Dünen zurück fahren und machten noch einen Abstecher zur „Versandeten Kirche“. Das Hauptschiff war im 17. oder 18. Jahrhundert abgebrochen worden, da man den Flugsandschäden nicht mehr beikommen konnte. Der Turm ist als Seezeichen erhalten geblieben.

 Dann folgten wir der Nordseeroute durch nette Dörfer, Dünen und Wälder, die hier „Plantage“ heissen. Das hört sich sehr kultiviert an, aber das ist nicht so. Ich muss immer an den Ausspruch von Obelix denken: „Der Wald ist aber auch in einem schlechten Zustand, überall hat’s Bäume.“ Rückenwind hatten wir auch nicht mehr. Aber eigentlich radelt es sich sehr angenehm durch den Wald, obwohl es meistens über Sandwege geht. Der Wind weht hier viel weniger stark als in den Dünen, und gelegentlich kreuzen Rehe und Hirsche den Weg.

 Man konnte merken, dass es ein Feiertag war, es waren sehr viele Ausflügler unterwegs, Mountainbiker, Familien und diverse Gruppen mit Bollerwagen, wahrscheinlich voll mit flüssigem Proviant.

 In Hirtshals gingen wir in einem Imbiss essen und fuhren dann noch weiter bis Lonstrup, einer netten kleinen Ortschaft am Meer.

 Am Samstag hatte ich einen sehr schlechten Tag, keine Ahnung, warum. Die Strecke war nicht besonders schwer und der Wind zwar vorhanden, aber nicht dramatisch stark, trotzdem fiel mir alles viel schwerer als an anderen Tagen. Jeder Kilometer musste mühsam erkämpft werden, und es machte keinen rechten Spass. Aber eine Zeitlang hatte ich einen netten blinden Passagier, nämlich einen Marienkäfer, der auf meinem Hosenbein mitreiste.

 In Svinklov in der Nähe von Slettestrand gingen wir auf den Campingplatz. Dieser befindet sich auf einer Anhöhe und hat eine spektakuläre Aussicht über die See. Wir stellten unser Zelt aber doch lieber auf der etwas geschützteren Zeltwiese auf, da es in der Nacht starken Wind geben soll. Da der Platz wirklich „in the middle of nowhere“ liegt, ist der Laden zum Ausgleich sehr gut ausgestattet.

 Der starke Wind kam erst zwei Tage später. Am nächsten Tag brachen wir etwas früher auf, um vor dem ebenfalls angekündigten Regen wenigstens noch ein Stückchen zu schaffen. Eine Weile ging es wieder durch den Wald, was den Nachteil hat, dass man nur schwer abschätzen kann, wo man nun eigentlich ist. Als wir gegen Mittag wieder eine „normale“ Strasse erreichten, begann es zu nieseln. Der Regen wurde immer stärker, und so steuerten wir kurz vor Hanstholm einen Campingplatz an. Es ist ein einfacher Platz an einem Fischweiher, wo man sein Zelt aufstellen kann, und irgendwann abends kommt dann jemand zum Kassieren. Wir flüchteten in das Informationshäuschen, wo es trocken war, und genug zum Lesen gab es dort auch.

 Wir mussten eine ganze Weile warten, bis der Regen genug nachgelassen hatte, dass wir das Zelt aufbauen konnten. Dann fuhr Peter noch zum nächsten Aldi, um uns mit Essen zu versorgen. Lieb, nicht wahr?

 Am nächsten Morgen war es trocken, und so setzten wir unseren Weg fort. Erst ging es noch gut, aber im Lauf des Vormittags begann es zu wehen, und der Wind steigerte sich in den nächsten Stunden bis ungefähr Windstärke 6. Und wenn man sich ca. 25 km gegen diese Windböen ankämpfen muss, ist das richtig anstrengend, zumindest für mich. Der Gatte ist Friese, der hat das in den Genen, aber ich musste ganz schön kämpfen, um vorwärts zu kommen und nicht in den Graben zu fallen. Als wir den Campingplatz in Agger erreichten, fühlte ich mich auch wie durch den Fleischwolf gedreht.

Wir suchten und ein geschütztes Plätzchen und bauten das Zelt auf. Mist, da war es wieder, das garstige Geräusch! Wieder war eine Zeltstange gebrochen, und zwar dieselbe wie im letzten Sommer. Wir hatten sie zwar eingeschickt und Ersatz erhalten, aber anscheinend halten die nicht allzuviel aus. Zum Glück wissen wir ja inzwischen, wie man sowas repariert – Übung macht den Meister.

Hoffentlich wird das Wetter bald wieder radlerfreundlicher.

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Kategorien: 2011 - Radtour | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Von Skagen nach Agger

  1. Rennbiene

    Ich bin total begeistert und sehe mindestens dreimal täglich nach, ob Ihr schon wieder etwas neues geschrieben habt.
    Wo lasst Ihr bei Besichtigungen denn Euer Zeugs?
    Das finde ich immer schwierig.
    Wieviel Kilometer habt Ihr inzwischen hinter Euch gebracht?

    Allzeit gute Fahrt!!
    Rennbiene

    • Ach, du bist das. 😉 Wir haben ca. 800 km geschafft, aber jetzt müssen wir die Reise leider aus familiären Gründen unterbrechen. Ich poste so schnell wie möglich mehr.
      Das mit Besichtigungen ist schwierig, das stimmt. Manchmal lassen wir die Räder draussen, manchmal bringen wir das Zeug erst zum Campingplatz, das ist immer so eine Gefühlssache.

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