Von Agger nach Grou (NL)

 Liebe Leser, aus familiären Gründen mussten wir leider unsere Reise für eine Weile unterbrechen und nach Friesland fahren. Wann und wie es weitergeht, wissen wir im Moment noch nicht. Aber die letzten Tage möchten wir euch doch nicht vorenthalten.

Abends wollten wir noch essen gehen, aber das Restaurant in der Nähe hat momentan nur Freitag bis Sonntag Abend auf, und es war Montag. Just our luck! Also gab es Sandwiches im Zelt.

Über Nacht liess der Wind kaum nach, und so beschlossen wir, nicht weiter zu fahren. Bei der Rezeption fand man das natürlich auch sehr vernünftig.

Auf dem Weg zur Küche merkte ich, dass im Gebüsch neben dem leeren Wohnwagen gegenüber unserem Zelt leichter Rauch aufstieg. Ich rief Peter, und als er um die Ecke gerannt kam, kamen auch gerade zwei Platzmitarbeiter, die den Rauch gesehen hatten, und löschten den Brandherd, der zum Glück nicht gross war.

Kurze Zeit später, als wir in der Küche friedlich unser Müsli löffelten, kam der eine Mitarbeiter, ein stattlicher, langhaariger Wikinger, zu uns und befragte uns: „Did you grill?“ – „No.“ – „Did you grill yesterday?“- „No.“ „Did you throw something away?“ – „No.“ Er kam zu der Schlussfolgerung, dass die Bewohner des Wohnwagens, die am Wochenende dagewesen waren, die Asche aus ihrem Grill im Gebüsch entsorgt hatten, und dass der starke Wind noch einen Funken entfacht hatte. Da es hier nicht gerade trocken ist, hat es dann wohl bis Dienstagmorgen gedauert, bis sich auch das Gras entzündet hatte. Das hätte ganz schön schiefgehen können!

Nach dem Frühstück packten wir uns warm ein und gingen zu Fuss nach Agger.

Es wehte noch immer wie verrückt, doch wir trotzten den Elementen. Nachdem wir beruhigt festgestellt hatten, dass es einen Supermarkt gab, gingen wir erst über die Dünen zum menschenleeren Strand. Dort bot sich uns ein gewaltiges Schauspiel: Die Wellen waren sehr hoch und schlugen mit ziemlicher Gewalt gegen die Buhnen. Die See fordert einfach Respekt.

Danach bummelten wir durch das Dorf und die verwaiste Ferienhaussiedlung, erledigten unsere Einkäufe und gingen zurück zum Campingplatz. Inzwischen hatte der Wind so weit nachgelassen, dass man in der Sonne sitzen und lesen konnte. Abends stellten wir fest, dass der Fernseher im Gemeinschaftsraum auch ARD und ZDF hatte, also schauten wir das (Vor-)Abendprogramm.

Am nächsten Tag hatte der Wind etwas nachgelassen, so dass wir wieder weiter fahren konnten. Wir fuhren bis zur Fähre nach Thyboron, auf die wir nicht allzu lang warten mussten. Die Nussschale schwankte ganz schön auf den Wellen. zum Glück war es nicht weit.

Am anderen Ufer nahmen wir nicht den Weg durch die Dünen, sondern die Hauptstrasse, da die durch den Bahndamm daneben etwas windgeschützter war. Am Nachmittag kamen wir in Torsminde, einem netten Dorf mitten auf der schmalen Landzunge zwischen dem Nissun Fjord und der Nordsee, die hier „Vesterhav“ (Westmeer) heisst, an. Bisher war es uns gar nicht so bewusst geworden, dass Jütland aus so viel Wasser besteht. Abends gingen wir am Hafen Fisch essen.

Am Donnerstag fuhren wir nach Ringkobing. Windbedingt ging es leider nicht so schnell, und ausserdem begann mein Knie, dass immer mal wieder Schwierigkeiten macht, etwas herum zu zicken. Den Campingplatz in Hafennähe, auf dem wir vor 15 Jahren mal gewesen waren, gibt es nicht mehr, so dass wir ein paar Kilometer weiter mussten. Der Platz wird von einem niederländischen Paar betreiben und liegt mitten im Wald. Am ersten Tag habe ich mich da ständig verlaufen.

Am nächsten Tag gingen wir erst zum Bahnhof, um Fahrkarten für die Rückkehr zu kaufen. Die Dame am Schalter war damit etwas überfordert, also machten wir aus, dass wir später wieder zurückkommen würden, wenn ihr Kollege ihr dabei helfen konnte. In der Zwischenzeit besichtigten wir die Kirche und das Museum, in dem es zur Zeit eine Sonderausstellung über die Grönlandexpedition von 1906 – 08 gab. Und natürlich besuchten wir den Hafen am Ringkobing-Fjord.

Diese Skulptur heisst „Survival of the Fattest“:

Noch ein paar Ringkobing-Eindrücke:

Und noch eine Reklame, die ich unterwegs ein paar Mal gesehen hatte:

Mit den Fahrkarten hatte es geklappt, sogar noch zu einem zivilen Preis, und der Computer spuckte zwei Meter Fahrkarten und Reservierungen aus.

Am nächsten Morgen waren wir natürlich wieder zu früh am Bahnhof, wo uns eine kaputte Lampe ziemlich faszinierte:

Dann hiess es Abschied nehmen von Dänemark und es ging Richtung Niederlande. Da der erste Zug gleich zwei Minuten Verspätung hatte, schrumpfte unsere Umsteigezeit von sieben auf fünf Minuten, und unser Blutdruck stieg entsprechend. Trotzdem ging überraschenderweise alles gut. Im internationalen Zug erfuhren wir, dass der Anschlusszug wegen Gleisarbeiten nicht fuhr, und Schienenersatzverkehr mit zwei bepackten Rädern geht gar nicht. Die beiden Kontrolleure liessen uns bis zum nächsten günstigen Umsteigepunkt mitfahren, obwohl unser Fahrkarten nur bis kurz nach der Grenze gültig waren. Danke, so konnten wir doch noch einiges an Zeit einsparen!

Die letzten 20 km mussten wir noch radeln, aber nach sieben Zügen und sechs Mal umsteigen konnte ich keine Züge und Bahnhöfe mehr sehen. Gegen halb 10 kamen wir wohlbehalten bei unserem Freund an, wo wir die nächsten Tage bleiben.

Grenzwanderungen wird es aber auf jeden Fall noch genug geben, auch hier in Friesland. Es lohnt sich also auch weiterhin, hier rein zu schauen.

Kategorien: 2011 - Radtour | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Von Agger nach Grou (NL)

  1. Christina

    Agger! Nordsee! Wie schön, da war ich vor tausend Jahren im Urlaub…
    Und schön, daß es den Tuborg-Mann noch gibt – den gab es vor 25 Jahren auch schon, und ich habe von der Brauerei ein Plakat schicken lassen. Es hing lange an meiner Zimmertür…

    Ein sehr schöner Blog, und ein schönes Vorhaben.

    Ich wünsche Euch alles Gute!

    • Vielen Dank!

      Der Tuborg-Mann hat es mir auch angetan. Leider sieht man ihn nur noch vereinzelt, deshalb habe ich ihn auch fotografisch verewigt. 🙂

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