Inselspringen mit Hindernissen

Dann wurde es Zeit, Ameland zu verlassen. Beim Abbauen kam es mal wieder zu einer Trottelnominierung, und zwar für uns beide: Wir mussten für die Zeltnummer 7 Euro Kaution hinterlegen und sagten vor dem Frühstück noch, dass wir nicht vergessen durften, die Nummer abzugeben. Dies hinderte uns allerdings nicht daran, sie mit dem Zelt einzupacken. Zum Glück merkten wir es rechtzeitig.
An der Rezeption wurde es noch spannend, da das Mädel ziemlich spät kam, aber wir waren trotzdem rechtzeitig bei der Fähre.
In Holwerd konnten wir wählen, ob wir über den Deich oder durch die Dörfer nach Harlingen wollten. Wir entschieden uns für die Dorfstrecke, die zwar etwas länger, aber viel weniger langweilig ist. Und das war auch gut so. Erst war das Wetter noch okay, aber plötzlich zog es sich zusammen und begann zu regnen. Wir erreichten gerade noch rechtzeitig ein Bushäuschen, bevor der Hagel herunterprasselte.
Nach einer Weile konnten wir weiterfahren, und als wir in St. Annaparochie Mittagspause machten, kam der nächste sintflutartige Regenschauer. Gut, dass unsere Taschen echt wasserdicht sind!
Am Nachmittag erreichten wir Harlingen, wo wir das Pfingstwochenende verbringen wollten, da es erfahrungsgemäß an Feiertagen auf den Inseln sehr voll ist. In einem Aldi vor dem Campingplatz füllte ich unsere Vorräte auf, erwischte aber in der Eile Brot zum Aufbacken. Eine weitere Nominierung also.
Der Campingplatz ist sehr gut ausgestattet und hat auch ein Restaurant.

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Da der nächste Tag wieder sonnig war, hatten wir Waschtag und machten eine Radtour durch die Dörfer zu Peters Eltern. Dort konnte Peter in der gut ausgestatteten väterlichen Werkstatt auch die Zeltstangen zurecht sägen. Ausserdem besuchten wir das Zentrum von Harlingen – ein nettes Städtchen.

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Als wir wieder auf dem Campingplatz ankamen, hatten wir neue Nachbarn, Eltern mit ca. vierjährigem Sohn, die nach Vlieland wollten. Der kleine warf einen Kennerblick auf meine Fahrradtasche (ich hatte nur eine mit) und erklärte: „Wir haben genau dieselben, aber wir haben mehr.“
Am Pfingstmontag war das Wetter wieder grauenvoll (die Elfstedentocht-Radler taten mir leid!), so dass wir im Campingrestaurant frühstückten und den Familienbesuch mit dem Bus absolvierten. Dieser brauchte ziemlich lang, da er in Gegenrichtung zur Motorrad-Elfstedentocht fahren musste.
Ausserdem erwarben wir die Bootskarten nach Vlieland. Eigentlich hatten wir erst nach Terschelling fahren wollen, aber die Bootsverbindungen zwischen den Inseln sind in Moment noch sehr ungünstig, so dass wir Terschelling auf einen späteren Zeitpunkt verschoben haben.
In aller Hergottsfrühe (halb sieben) mussten wir am Dienstag aufstehen, um rechtzeitig am Hafen zu sein. Die Überfahrt verlief ohne Besonderheiten, und am späten Vormittag waren wir in Vlieland. Hier hatten wir unsere Flittertage verbracht, da der grösste Teil unseres Urlaubs und Budgets für die Wohnungsrenovierung draufgegangen war. Die Insel ist immer noch so schön wie damals!
Der Stortemelk-Camping liegt mitten in den Dünen und ist immer gut besucht.

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Man braucht hier keine Duschmünzen, muss aber sein eigenes Klopapier mitnehmen. Leute, die zielstrebig mit einer Rolle in der Hand unterwegs sind, geben hier ein gewohntes Bild ab.
Wenn man ein Auto auf die Insel mitnehmen möchte, braucht man die Zustimmung der Gemeinde. Es gibt also nur wenige Autos hier, aber die sind mit einer ziemlichen „Hier-komme-ich-und-ich-darf-das“-Einstellung unterwegs.
Wir besuchten den Leuchtturm und den Hafen und gönnten uns am Abend wieder etwas Kultur: Einen Vortrag von Jan Houter über die Geschichte Vlielands: Gestrandete Schiffe, Rettungen, Treibsand, Sturm, Hochwasser. Auf so einer Insel ist immer etwas los. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, und aus jedem Wort spricht die Liebe zu seiner Insel.

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In der Nacht sank plötzlich die Temperatur, und ich wurde – allerdings nur halb – wach, da mir kalt war. Ich versuchte dem Gatten klar zu machen, dass es deshalb so kalt war, weil wir vergessen hatten, die Schlafsäcke aufzupumpen. Verschlafen und verständnislos starrte er mich an. „Schlafsäcke aufpumpen, verstehst du nicht, wir haben so ein Dings und machen das jeden Abend. Aber heute haben wir es vergessen, und deshalb ist es kalt!“ Leider verstand er nicht: „Zieh doch ein Paar Socken an.“ Da er keinerlei Anstalten machte, das Gerät, dass wir natürlich nicht haben, zu suchen, folgte ich seinem weisen Rat und zog ein paar Socken und ein Sweatshirt über. Als am Morgen die Sonne auf das Zelt schien, fuhr ich halb gekocht hoch und riss japsend die Zelttür auf.
Den sonnigen Tag verbrachten wir mit Radfahren, Spazierengehen am Strand und einem Besuch des Heimatmuseums.
Am Donnerstagmorgen war es vorbei mit dem schönen Wetter, aber wir mussten früh aufstehen, da wir Karten für die Überfahrt nach Texel hatten. Im strömenden Regen bauten wir das Zelt ab und radelten zum alten Posthaus am anderen Ende der Insel. Dort sollte uns der Vliehorsexpress abholen und über die Dünen und den Strand zum Bootssteg bringen.
Im Posthaus bestellten wir erst mal einen Kaffee, um wieder warm zu werden. Da klingelte das Telefon. Alarmiert sahen wir uns an – sollte das Boot nicht fahren? Tatsächlich, die Kellnerin kam zu unserem Tisch, um uns genau dieses mitzuteilen. Lag es am Wetter? Die nächste Fähre sollte erst wieder am Sonntagmorgen gehen. Nach einer Weile kamen noch ein paar andere Leute, die sich auch nicht gerade freuten. Durch den Regen fuhren wir ins Dorf und wollten uns im Andenkenladen unser Geld zurückerstatten lassen. Dort erfuhren wir, dass gegen 17 Uhr noch ein Boot fahren würde.
Wir beschlossen, den zweiten Versuch zu wagen und verbrachten den regnerischen Tag teilweise zeitunglesend in der  geheizten Wartehalle der anderen Fährgesellschaft, teilweise in einem Café. Dann ging es wieder zum alten Posthaus, wo sogar die Sonne durchbrach und ich endlich meinen rechten Schuh trocknen bekam, in den beim Zeltabbauen ein ganzer Schwall Wasser geschwappt war. Die Schuhe sind also wasserdicht, wenn das Wasser erst mal drin ist, geht es so schnell nicht wieder raus.

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Von den anderen Passagieren, die wir am Morgen schon gesehen hatten, erfuhren wir, warum das Boot nicht gefahren war: Nix schlechtes Wetter oder zu starker Wind, nein, vom Heimathafen Texel aus wollte niemand nach Vlieland und leer fahren sie nicht. Das steht auch irgendwo im Kleingedruckten.
Dann kam der Vlierhorsexpress, die Räder wurden verladen, und in einer rasanten Fahrt ging es über die Dünen und den Strand, wo normalerweise niemand mehr hinkommt, ausser den Soldaten und Militärfahrzeugen vom Übungsgelände.

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Am Ende der Insel mussten wir über einen langen, hohen, schmalen Steg zum Boot, wo unsere Räder fachmännisch vertäut wurden, und los ging es über die bewegte See nach Texel.

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Kategorien: 2011 - Radtour | Schlagwörter: , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Inselspringen mit Hindernissen

  1. Sehr unterhaltsam erzählt 🙂 ich wünsche Euch noch ganz viele schöne Erlebnusse unterwegs!

  2. Erlebnisse ….

  3. Pingback: 52 Bücher (1) – „Eilandgasten“ von Vonne van der Meer « Grenzwanderer

  4. Pingback: Gregory Smith

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