Texel – wo bleibt mein Abendessen?!

Auf Texel angekommen mussten wir wieder über so einen Steg und durch den Sand zur Strasse. Dann nahmen wir Abschied von den Mitreisenden, die nach Den Helder wollten, und fuhren in Richtung Den Burg in der Mitte der Insel. Die Dünen sind hier höher als auf Ameland und Vlieland, und die Landschaft wirkt spektakulärer.


Wir fanden einen schönen Campingplatz auf einem Bauernhof bei De Waal und Oosterend, bauten das Zelt auf und machten uns auf die Suche nach einem Restaurant. In Oosterend gibt es drei, aber das eine hatte schon geschlossen, beim zweiten war geschlossene Gesellschaft und beim dritten erzählte der Eigentümer, dass zu wenig Leute gekommen waren, so dass er das Restaurant für heute geschlossen hatte. Also nach De Waal, wo es ein Hotelrestaurant gibt. Doch auch da hatten wir Pech, da die Küche bereits aufgeräumt war. Aber wir waren ja auch etwas spät dran, wie der Kellner uns mitteilte.
Hä? Es war noch nicht mal neun Uhr! Anscheinend klappen sie hier pünktlich zu den Nachrichten die Bürgersteige hoch. Und wenn wir spät waren, dann, weil das Schiff in der Früh nicht gefahren war! Hier tobt also die nordholländische Gastfreundschaft – eine wahre „Service-Dienstleistungswüste“ (Prof. Boerne). Mann, war ich stinkig, was niemanden, der mich kennt, erstaunen dürfte. Da es laut Kellner nur ca. 8 km weiter ein Gasthaus gab, das vielleicht bis halb 10 auf hatte, fuhren wir unverrichteter Dinge zum Zeltplatz und verputzten unsere Notvorräte.
Zum Glück wurden die übrigen Tage auf der Insel trotzdem noch schön, auch wenn das Wetter ziemlich durchwachsen war. Wir besuchten auch das Maritime Museum in Oudeschild, das Heimatmuseum in Den Burg und  den Strand von De Koog.

Wir stellten fest, dass wir wohl den gemütlichsten Campingplatz erwischt hatten – wenig Leute und eine Scheune mit Kühlschrank und viel Lesefutter, so dass man es auch bei Regen gut aushalten kann.

Die spektakulären Dünen und Queller De Slufter und De Muy erkundete ich alleine, da Peter sich gerade mit einer Erkältung herumschlug, die aber inzwischen wieder besser ist.

Ausserdem besuchten wir das Ecomare, ein ökologisches Zentrum für Nordsee und Wattenmeer.

Dort gibt es Lehrpfade durch die Dünen, mehrere Aquarien mit vielen verschiedenen Fischen, Krabben und dergleichen und ein paar Seehunde. Sowohl Fische als auch Seehunde werden natürlich gefüttert, und dabei erfährt das Publikum einiges über Arten, Lebensumstände etc. Regelmässig werden verwaiste und verwundete Seehunde ins Ecomare gebracht, wo sie aufgepäppelt und in den meisten Fällen wieder ausgewildert werden.

Dass das Wattenmeer inzwischen zum Weltnaturerbe gehört, dürfte die Betreiber des Ecomare besonders freuen, da es ihnen ein Anliegen ist, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass der Lebensraum Nordsee und Wattenmeer schützenswert ist.
Insgesamt hat man bei Texel viel weniger das Gefühl, auf einer Insel zu sein, als bei Ameland und Vlieland. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es grösser und von der Form her kompakter ist. Der nördliche Teil, Eyerland, erinnert mit seinen regelmässigen Äckern (quadratisch, praktisch, gut), sehr an die nordholländische Polderlandschaft.
Bevor wir Texel verliessen, gaben wir dem Restaurant, in dem bei unserer Ankunft geschlossene Gesellschaft war, noch eine Chance. Und diesmal klappte es! Wir haben herrlich gespeist und erhielten sogar eine Vorspeise auf Kosten des Hauses. Diese war vom nachmittäglichen Künstlertreffen übrig geblieben, wie man uns mit entwaffnender Ehrlichkeit erklärte. Und das Bier, „Texeler skuumkoppn“, ist sehr lecker. Der Aufenthalt war nun endgültig gerettet, ich hatte mein Abendessen.

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Kategorien: 2011 - Radtour | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Texel – wo bleibt mein Abendessen?!

  1. Hahahaha dat is een goeie: wo bleibt mein Abend(fr)essen???

  2. herbstferien

    Das Problem ist bekannt. In den kleineren Ortschaften auf Texel gehen verdammt früh die Lichter aus. Kann man aber auch positiv sehen: So entspannt es sich viel besser und Halligalli gibts dann in sicherer Entfernung.

  3. Pingback: Nochmal 52 Bücher (16) – “Ich bin dann mal weg” von Hape Kerkeling | Grenzwanderer

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