Moin Moin! Das Grenzland und deutsche Nordseeküste

Wir verliessen Pieterburen und fuhren weiter nach Osten. Die Strecke führte uns – mit Rückenwind! – durch das weite Groninger Land. Wir fuhren durch Delfzijl, wo wir Rast machten. Natürlich hatten wir mal wieder Schwierigkeiten, aus der Stadt zu kommen, da eine Brücke gesperrt war, aber schliesslich waren wir wieder am Deich. Dort kamen wir am Friedhof Oterdun vorbei. Dort gab es früher ein Dorf mit einer Kirche, aber dies musste dem Deichausbau weichen. Die Grabsteine wurden bewahrt und an ihre alte Stelle zurück gesetzt, wo sie jetzt einsam am Deich stehen.

friedhofoterdun
Hier kann man unheimlich weit sehen, was allerdings zur Folge hat, dass man auch sehr lange sieht, dass noch nichts kommt. Wir kamen an der Ortschaft „Hongeriger Wolf“ vorbei – kein Wunder, dass der Hunger hat, ausser Kartoffeln gibt es nicht viel hier.

weitesland2weitesland3
Am späten Nachmittag erreichten wir Bad Nieuweschans, wo wir zwei Tage blieben, um die Grenzfestung Bourtange anzuschauen. Diese wurde im 80jährigen Krieg errichtet, um die Stadt Groningen von der Lebensmittelzufuhr aus dem Osten abzuschneiden, und später weiter ausgebaut. Im 19. Jahrhundert verlor sie ihre Funktion und wurde zum Dorf. Die typischen Strukturen weichten auf. Um 1967 herum kam man auf die Idee, die Festung wieder zu rekonstruieren, die sternförmige Struktur mit den Bollwerken wieder herzustellen und die Gräben neu zu ziehen. Auf diese Weise hoffte man, Touristen in die Region zu locken – eine Rechnung, die aufging. Anfang der 90er Jahre war die Festung wieder fertig gestellt. Es gibt zahlreiche Wohnhäuser, Andenkenläden, Restaurant, ein jüdisches Museum und ein Soldatenmuseum. Für die Museen muss man Eintritt zahlen, den Rest der Festung kann man so besuchen. Oudeschans und Nieuweschans waren nach demselben Prinzip errichtet worden, aber die sternförmige Struktur ist nur noch rudimentär zu erkennen.

bourtange6bourtange7
Der Campingplatz hier scheint ein Sammelplatz für Radler zu sein. Wir trafen ein Ehepaar aus Utrecht, dass von Leeuwaarden fast bis zur dänischen Grenze geradelt war und jetzt den Heimweg mit der Bahn für ein paar Radkilometer unterbrochen hatte. Dann war da noch der Rotterdamer, der den ganzen Tag im Regen gefahren war, und jedesmal, wenn er die Geschichte erzählte, wurde die Strecke 10 km länger. Und schliesslich gab es den Amerikaner, der von Berlin zur Küste und dann hierher gefahren war. In Deutschland hatte er wegen der EHEC-Bakterie  einen weiten Bogen um Gemüse aller Art gemacht. Jetzt schaufelte er genüsslich eine ganze Tüte vorgeschnittenes Gemüse für Nudelgerichte in sich hinein. Klar, die Bakterie legt ja auch an der Grenze eine Vollbremsung hin. 😉
Und eine Nominierung gab es auch wieder: Ich stand am Waschbecken, um Socken und Unterwäsche zu waschen, als Peter mir einen Schwung Kleidung ins Waschwasser warf. Plötzlich fragte er: „Hab ich dir jetzt ein paar frische Socken mit reingeschmissen? Die wollte ich grad anziehen. “ Er hatte.
Am nächsten Tag wehte ein kräftiges Windchen aus Nordost, vorbei war es mit dem schönen Rückenwind.  Wir überquerten die Grenze und waren nun im Moin-Land, wie es in den Touristikbroschüren so schön heisst. Wir beschlossen, nicht der Route über Leer zu folgen, sondern direkt nach Ditzum, wo wir die Emsfähre nahmen und nach Emden fuhren. Einmal machte uns ein netter Herr darauf aufmerksam, dass uns die Schilder mal wieder einen Umweg bescheren wollten. Vielen Dank, wieder ein paar Kilometer eingespart.

ditzumfaehre

In Emden kauften wir ein und warfen einen kurzen Blick ins Zentrum, das einen ganz netten Eindruck machte. Der Weg aus der Stadt war jedoch mit roten Ampeln gepflastert, so dass wir eine ganze Weile brauchten, bis wir wieder draussen waren. Der Wind wurde im Lauf des Tages auch kräftiger, und so waren wir froh, als wir den Campingplatz in Upleward erreichten.
Abends machten wir noch einen Spaziergang zum Leuchtturm von Campen, der der höchste in Deutschland sein soll.

campemleutturm
Am nächsten Tag fuhren wir erst durch die Dörfer, dann das letzte Stück am Deich nach Norddeich, wo wir die Fähre nach Norderney nahmen. Es wehte immer noch kräftig, was man an Bord auch ganz gut merken konnte. Aber ich schaffte es, zwei Tassen Kaffee von der Bar zu unserem Tisch zu befördern, ohne eine Sauerei zu veranstalten.
In Norderney fuhren wir zum Campingplatz im Wald am Stadtrand, um einigermassen geschützt zu stehen. Die Rezeption war nicht besetzt, aber man konnte eine Telefonnummer wählen und erhielt Instruktionen, wo man sein Zelt aufstellen darf. Die sanitären Anlagen sind teils sehr modern, teilweise versprühen sie noch den Jugendherbergscharme der 70er Jahre, sie werden wohl gerade schrittweise renoviert.
Noderney hat nur eine Ortschaft, die Stadt Norderney, im Westen. Im Osten erstrecken sich Dünen mit Rad- und Wanderwegen und das Naturschutzgebiet Ostheller. Im Lauf des nächsten Tages erkundeten wir alles. Die Stadt hat teilweise sehr schöne Häuser, die noch vom Glanz des frühen 20. Jahrhunderts zeugen, aber leider stehen daneben immer wieder potthässliche Kästen. Wer erlaubt sowas? Aber die Dünenlandschaft und die Strände sind toll.

norderney2norderneystrand

Auf dem Rückweg aufs Festland kamen wir ziemlich nah an einer Sandbank  vorbei, auf der sich Seehunde genüsslich räkelten. Leider hatte ich ausgerechnet da keine Kamera griffbereit. Wir folgten wieder der Nordseeroute nach Osten, doch irgendwie waren wir beide müde, und ich musste ständig niesen, so dass wir in Neuharlingersiel beschlossen, dass es für heute genug war. Nachdem das Zelt stand, fuhren wir in die Stadt mit dem netten Hafen und gingen essen.

neuharlingersiel2
„Ja, Ostfriesland ist ein schönes Land, so wie die Schweiz und Österreich. Denk dir nur einmal die Alpen weg, was dann bleibt, das ist mein Deich.“ (Otto Waalkes)
Ja, Deiche gibt es jede Menge, und irgendwann wird das Radeln an einem solchen langweilig. Also nahmen wir heute nicht die Küstenstrecke, sondern fuhren über Jever. Da inzwischen auch meine Kette nicht mehr im besten Zustand war – der Sand hinterlässt seine Spuren – wollten wir sie in einem Fahrradgeschäft austauschen lassen. Tja, das ging gar nicht, der Mechaniker war schon weg, immerhin war es Mittwochnachmittag, und ausserdem, ein Rad mit 27 Gängen – dafür hatten sie kein Zahnradblatt. Solche Räder sieht man hier in der Gegend nicht so oft. Aber am Rand von Schortens fanden wir doch noch ein Radgeschäft, wo man die Kette auswechseln konnte.
In Dangast am Jadebusen gibt es sogar WLAN, so dass ich endlich meine gesammelten Werke ins Netz stellen kann. Viel Spass beim Lesen und teilt es euch gut ein, wer weiss, wann es wieder klappt!

Kategorien: 2011 - Radtour | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Beitragsnavigation

Ein Gedanke zu „Moin Moin! Das Grenzland und deutsche Nordseeküste

  1. Pingback: Urlaub im Moinland – Teil 2 | Grenzwanderer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: