Durchs Cuxland nach Schleswig-Holstein

Von Dangast aus fuhren wir erst südlich um den Jadebusen herum und dann quer durch Butjadingen nach Blexen.

Seit wir durch Niedersachsen radeln, musste ich meine Meinung über dieses Bundesland ernsthaft revidieren. Bisher hatte es für mich ein eher nichtssagendes Image – es ist halt einfach da und sonst nichts. Laut Peter liegt das auch an den Lindholm-Tatorten, die meist in irgendeinem grauen Dorf in der Pampa spielen, dessen Bevölkerung zwischen absonderlich und komplett durchgeknallt variiert. Aber zumindest in der Küstenregion stimmt das nicht: Die Orte sind schön und die Leute freundlich. Auch über die Radwege und Beschilderung kann man im Küstengebiet Niedersachsens nicht meckern, die Ortschaften sind meist gut angegeben. Nur die gesprungenen Betonplatten, die hier öfter verwendet werden, sind nicht so ganz das Wahre.

Als wir in Blexen ankamen, stand die Weserfähre nach Bremerhaven schon abfahrbereit. In Bremerhaven angekommen führten uns die Schilder in die Fussgängerzone. Dort stärkten wir uns erst mal mit einem Eisbecher und fuhren dann nach Gefühl, d. h. geradeaus, weiter, bis wir im Hafengebiet wieder auf die Route stiessen. Der Hafen ist wirklich riesig, es ging vorbei an Schiffen, Container, Kränen etc.

In einer Kurve sprang mir die Kette herunter, und so kamen wir zu spät an dem Bahnübergang an – die Schranke war schon geschlossen. Dann kam ein sehr langer Zug mit Containern, der dreimal vorwärts und wieder ein Stück zurück fuhr, bis er endlich vorbei war. Das Ganze dauerte etwa 20 Minuten, dann ging es weiter Richtung Norden, bis wir wieder an einem Deich waren.

Ein Schild wies uns darauf hin, dass wir nun in eine Region mit dem nahrhaften Namen „Land Wursten“ kamen. Das Gras auf den Deichen wirkt hier saftiger und es grasen jetzt auch mehr Kühe dort und nicht nur Schafe. Wegen einer Umleitung mussten wir den Deichweg verlassen. In den Ortschaften, die wir durchfuhren, führte uns die Strecke über Strassen mit Namen wie „Altendeich“, und sie sind auch leicht erhöht. Man hat also eine ganze Menge Land hinzu gewonnen.
Wir erreichten das Dorumer Neufeld, wo wir unser Zelt aufstellten. Alle Gebäude auf dem Campingplatz und im Kutterhafen, wo man sehr gut Fisch essen kann, sind Container, was daran liegt, dass sich beides ausserhalb des Deiches befindet. Aber Hochwasser war zum Glück nicht angesagt.

Wir blieben mal wieder zwei Tage. Peter reparierte noch ein paar Kleinigkeiten an meinem Rad. Dann nutzten wir auch das Salzwasser-Wellenbad, zu dem uns der obligatorische Kurbeitrag kostenlos Zutritt verschaffte. Bei Ebbe ist das sehr praktisch, und danach waren wir wieder porentief rein.

Auf dem Campingplatz beobachteten wir ein paar Neuankömmlinge. Sie arrangierten mehrere Zelte und Autos zu einer Art Wagenburg, dann ging Vater mit dem Kabel zum Stromanschluss – Mist, Kabel zu kurz. Darauf meinte sein hoffnungsvoller Sprössling von ca. 8 Jahren: „Aber gestern hat es doch auch gereicht?“

Der Tag endete mit einem wunderschönen Sonnenuntergang hinter dem Leuchtturm.

Der Campinghund der Saison scheint übrigens der Jack Russell zu sein.

Die nächste Etappe führte uns über Cuxhaven nach Südosten nach Hemmoor. Abseits der Küste gibt es sogar wieder nette Bodenwellen. Die Ortschaften, die wir durchfuhren, sind allerdings etwas seltsam: Sie sind sehr langgestreckt und scheinen keinen richtigen Ortskern zu haben.

In Hemmoor zelteten wir am Kreidesee, der wegen seines klaren Wassers vor allem bei Tauchern sehr beliebt ist. Bei einigen sehr beumfangten Leuten hier fragte ich mich allerdings, ob sie es überhaupt in die Tiefen des Sees schafften. Überall auf dem Platz hängen Neoprenanzüge vor oder neben den Zelten und Wohnmobilen, es sieht aus, ale hätte man eine ganze Reihe Leute aufgehängt. Ich schaute einer jungen Frau beim Saubermachen ihrer Ausrüstung zu. Ist das ein Gedöns, bis man die ca. 57 Teile gewaschen hat – ich wurde von Zuschauen schon müde!

Am nächsten Tag fuhren wir nach Wischhafen, wo wir die Elbfähre nach Glückstadt in Schleswig-Holstein nahmen.

Auch hier gibt es Deiche mit vielen Schafen und entsprechend viel Mist auf den Wegen. Etwas lästig sind hier die Gatter, die manchmal schwer aufgehen. Einmal kam ein älteres Paar gleichzeitig mit uns an, und sie waren ganz begeistert, dass sie für uns das Gatter aufhalten konnten: „Das trifft sich ja gut, dass wir auch gerade hier sind! Schau mal, Karl-Heinz, die übernachten bestimmt unterwegs, die haben alles mit!“ Wir freuten uns natürlich auch über den netten Service.

Wir radelten nach Brunsbüttel und fuhren mit der Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal. Wir hatten eine Privatfahrt, und umsonst war es auch noch!

Dann ging es weiter nach St. Michaelsdonn, wo wir in einer Eisdiele Pause machten. Dort sassen auch ein paar Jungen, die eifrig debattierten, wie sie nach Büsum kommen sollten. Das war auch unser Ziel.

Weiter ging es über Meldorf am Speicherkoog vorbei, bis wir Büsum erreichten. Dort mussten wir uns erst mal durch den Ort kämpfen, in dem es von Touristen wimmelte. Manchmal hätte ich gern ein Nebelhorn auf dem Rad! Endlich fanden wir am Ortsende den Campingplatz, und beschlossen, zwei Nächte zu bleiben, damit wir auch mal wieder waschen konnten. Kurz nach uns kamen auch die Jungen von der Eisdiele an.

Ein Nachbar war so davon beeindruckt, dass das Aufbauen bei uns ruckzuck ging, dass er alles Mögliche über unser Zelt wissen wollte und wir also eine Art Zeltführung veranstalteten.

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Kategorien: 2011 - Radtour | Ein Kommentar

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