Der Weserradweg, Teil 2

Wir bleiben noch einen Tag in Porta Westfalica und nutzten die Zeit für ein paar notwendige Radreparaturen – neue Bremsklötze für mein Rad, ein neuer Reifen für Peters. Außerdem bummelten wir etwas durch die Stadt, aber den Weg zum Denkmal hinauf sparten wir uns – viel zu heiß.

Zu unseren Nachbarn auf dem Campingplatz gehörte eine osteuropäische Familie. Sie sprachen teils deutsch, teils eine Sprache, die wir nicht identifizieren konnten, wir hielten es bei molvanisch. 😉 Sie hatten zwei Samoware mit, auf die sie noch jeweils ein Rohr mit Ventil montiert hatten. Ob sie damit irgendwelche Nationalgetränke brauen? Außerdem hatten sie eines dieser neuen Beistellzelte mit integrierten Stangen mit, die man, laut unseres Neffen, in zwei Sekunden aufbauen kann. Wenn man so ein Zelt auspackt, richtet es sich nämlich von selbst auf. Wenn man jedoch das Einpacken nicht beherrscht, kann es Stunden dauern, wie wir beobachten konnten.

Am nächsten Tag ging es weiter in die Rattenfängerstadt Hameln. Wir kamen viel später weg als geplant, da es morgens wieder kräftig regnete. Dafür war es dann tagsüber sehr schwül und feucht, ein ziemlich unangenehmes Wetter, wie ich finde. Dies sollte sich auch in den nächsten Tagen fortsetzen.

Peter hatte ja für sein Rad einen neuen Reifen erstanden, und wir dachten, dass meine noch eine Weile halten würden. Aber anscheinend war mein Rad jetzt beleidigt, denn kurz vor Rinteln hatte ich einen Platten. Die Reparatur erwies sich als fruchtlos, die Stelle war zu dicht am Ventil. Also suchte Peter einen Fahrradladen, und auch bei meinem Stahlross wurden die Reifen ausgewechselt.

So kamen wir recht spät in Hameln an. Wir hatten uns extra beeilt, um das Rattenfängerglockenspiel noch mit zu kriegen, aber ein Schild verkündete, dass es nicht funktionierte. Und dafür reißt man sich einen Haxen aus. Aber entgegen der Ankündigung ging es dann doch.

Da es morgens wieder regnete und danach wieder sehr heiß werden sollte, hatten wir keine Lust, weiter zu fahren und bleiben noch einen Tag in Hameln, das außer Ratten noch eine Menge anderes zu bieten hat: zwei schöne Kirchen, ein Stück rekonstruierte Stadtmauer, Fachwerkhäuser, eine Glasbläserwerkstatt etc.

Dann ging es weiter nach Höxter. Seit einiger Zeit bescherte uns der Radweg schon ein fröhliches Auf und ab, da wir uns nun im Weserbergland befanden. Der Weg ist sehr gut frequentiert, wir haben jede Menge Gegenverkehr: einzelne Radler, Paare, Familien, Gruppen. Am Anfang des Tages grüßt man sich noch fröhlich, und es ist auch immer sehr nett, wenn uns eine ganze Seniorengruppe im Chor „Moin, Moin!“ entgegentrötet. Aber am Nachmittag werden die meisten stiller – wir auch.

Unterwegs kamen wir durch Bodenwerder, den Geburtsort des Barons Münchhausen, und passierten bei Hajen das Hüossendenkmal vorbei. „Hüossen“ wurden früher die Treidelschiffer verächtlich genannt, und einer Sage nach hatten sie einmal dem Wirt von Hajen einen Hasenbraten gestohlen. Der Wirt schwor Rache, und bei ihrer nächsten Einkehr schlachtete er seinen alten Kater und setzte ihnen diesen vor. Als sie ihn verspeist hatten, zeigte er ihnen den Balg, woraufhin sie sich übergaben. Danach machten sie nie mehr in Haken Rast, sondern zogen jämmerlich miauend durch den Ort, der darum auch Kattnhajen genannt wurde.

Später kamen wir an einigen Kühen vorbei, die im Fluss Abkühlung suchten. Wir konnten es ihnen nicht verdenken.

Als ob wir nicht schon genug Gedöns mit den Rädern gehabt hätten, begann nun Peters Pedal herum zu zicken. Wir gingen davon aus, dass am Samstagnachmittag kein Fahrradgeschäft mehr auf hatte, doch in Holzminden stießen wir auf einen Fahrradnotdienst direkt am Weserufer. Wie cool ist das denn?

Schnell war das Rad repariert, und nachdem wir uns mit einem Zwetschgenkuchen gestärkt hatten, fuhren wir weiter am Schloss Corvey vorbei nach Höxter.

Dort durften wir das Zelt direkt am Fluss aufstellen, also wieder ein Platz mit Aussicht:

Abends goss es wie aus Eimern, und als ich aus der Toilette kam, rutschte ich auf den nassen Holzstufen vor dem Gebäude aus. Mein armer Allerwerstester! Zum Glück ist nicht mehr passiert, ich hörte später, dass sich jemand anders dort den Arm gebrochen hätte.

In den letzten Tagen hatte sich bei uns beiden langsam das Gefühl breit gemacht, dass drei Monate radeln erst mal genug sind. Wir fuhren noch nach Fürstenberg, das seinem Namen alle Ehre macht (es liegt recht hoch oben) und besichtigten dort das Schloss und die Porzellanmanufaktur.

Am nächsten Tag nahmen wir den Zug nach Münster (wir folgten brav der Aufforderung und kauften die Karte am Schalter).

Dort konnten wir den Zeltplatz nicht gleich finden, da wir an der falschen Ausfallstraße stadtauswärts gefahren waren. Die drei Herren, die wir fragten, lieferten uns eine schöne Bill-Bryson-Wegbeschreibung, die haargenau stimmte. Am Abend trafen wir uns noch mit Bocki und fuhren am nächsten Tag zurück nach Hause.

Damit ist jetzt der Radfahrerteil abgeschlossen. Die Zeit, die noch übrig ist, werden wir für Besuche und dergleichen nutzen, die man besser mit dem Auto erledigen kann.  Vielen Dank erst mal für euer Interesse. Es wird auf jeden Fall auch weiterhin Grenzwanderungen geben, Themen gibt es immer noch genug.

Kategorien: 2011 - Radtour | Hinterlasse einen Kommentar

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