Schlaflos in der Schweiz

Diesen Sommer waren wir auch ein paar Tage in der Schweiz, erst in Kreuzlingen am Bodensee, dann in Feuerthalen bei Schaffhausen.

In Kreuzlingen standen wir auch einem Campingplatz mit einer eher überschaubaren Zeltwiese, die dem sommerlichen Ansturm gerade noch so gewachsen war. Dadurch standen die Zelte sehr nah beieinander. In der Reihe vor uns waren zwei größere Igluzelte mit den Eingängen zueinander aufgestellt. Sie gehörten einer Gruppe von sieben oder acht ca. 15jährigen Mädchen, die hier das Wochenende verbrachten. Am Nachmittag kamen sie mit einem Einkaufswagen voller Bier- und Weinflaschen sowie Chips und Co. vom nahegelegenen Supermarkt. Vorbereitung auf einen langen Abend also.

Und der kam dann auch, die Mädels saßen bis tief in die Nacht vor ihren Zelten und unterhielten sich in flottem Schwyzerdütsch. Erst war die Lautstärke noch in Ordnung, doch je höher der Alkoholpegel stieg, desto schwerer fiel ihnen das Leisesprechen. Mehrere Appelle aus den Nachbarzelten fruchtete nichts, und irgendwann gegen zwei Uhr rief jemand aus einer Radfahrergruppe am anderen Ende der Wiese völlig entnervt: „Jetzt haltet endlich die Klappe!“ Dies hatte jedoch nur zur Folge, dass, sobald eine der Damen zum Sprechen ansetzte, mindestens drei andere „Schschschsch!“ zischten, was nicht wirklich half.

Bewundernswert war allerdings der Eifer, mit dem die Mädels am nächsten Morgen trotz ihres verkaterten Zustands aufräumten und die Weingläser polierten. Die Schweizer Volksart lässt sich halt nicht verleugnen.

Am nächsten Abend brezelte die ganze Gruppe sich auf und verließ dann den Platz. Wir freuten uns schon auf eine ruhigere Nacht, denn nach einer Grenzwanderung zu Fuß nach Konstanz und zurück waren wir etwas erledigt.

Zu früh gefreut, sie gingen zum Schwimmbad, wo eine Feier stattfand. Dieses Schwimmbad befindet sich genau nebenan. Und bei der Campingrezeption gab es noch eine Hochzeitsfeier für geladene Gäste. Vielleicht hatten hier zwei Dauercamper, die schon seit Kindertagen diesen Campingplatz besuchten und im Sandkasten ihre Rasseln getauscht hatten, beschlossen, gemeinsam im Wohnwagen durchs Leben zu gehen. Und als Hochzeitsgeschenk bekamen sie eine eigene Parzelle. So schwelgten wir in romantischen Vorstellungen.

Aber wenn man so zwischen zwei Festen liegt, zu denen man nicht eingeladen ist, schläft es sich halt nicht besonders gut, trotz der Ohrenstöpsel, die ich mir aus einem Tempotaschentuch bastelte.

Am nächsten Morgen zogen wir weiter, da wir die Rheinfälle bei Schaffhausen besuchen wollten. Auf diesem Campingplatz hatten wir eine Menge Platz und ruhige Zeltnachbarn. Neben der Zeltwiese befand sich ein Gehege mit zwei Ziegen. Beide hatten ein Glöckchen um den Hals, das bei jeder Bewegung fröhlich bimmelte. Eigentlich klang das gar nicht mal so schlecht. Wenn man das aufnimmt, die besten Stellen zusammenschneidet, einen flotten Beat darunter legt und das Ganze mit einem nicht allzu anspruchsvollen Text über Sonne, Sommer, Alpenglühen und Eiskaffee versieht, könnte man den nächsten Sommerhit landen.

Nur erwiesen sich die beiden Tiere als recht nachtaktiv. Pech gehabt.

Kategorien: Verschiedenes / Diversen | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Schlaflos in der Schweiz

  1. Ich bevorzuge eindeutig den Ziegenbeat!

  2. Mooi geschreven kleine observaties, Petra. Je maakt me aan het lachen.

  3. Pingback: Wet Picture (5) – Rheinfälle bei Schaffhausen « Grenzwanderer

  4. No coltiamnps on this end, simply a good piece.

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