52 Bücher (2) – „Barchester Towers“ von Anthony Trollope

Das Projekt „52 Bücher“ geht in die zweite Runde. Das Motto dieser Woche lautet: „Psssst! Jetzt kommt ein Geheimnis!“ Als Bonus darf es, passend zum Datum der Motto-Bekanntgabe, auch etwas mit Karneval oder Fasching sein. Nun reißt mich das ganze Faschingsgedöns nicht vom Hocker, also kann ich auch nicht mit einem Buch darüber aufwarten.

Also das Geheimnis-Motto. Um die Ecke denken ist bei diesem Projekt ja strengstens erlaubt, wie mein Kieferorthopäde früher zu sagen pflegte. Also begeben wir uns ins vikorianische England. Nein, nicht in Jack the Rippers London, sondern in Anthony Trollops fiktve Grafschaft Barsetshire mit dem Bischofssitz Barchester.

Nach dem Tod des beliebten Bischofs wird nicht, wie allgemein erwartet Erzdiakon Grantly, sein Sohn, zum Nachfolger bestimmt, sondern jemand von außerhalb, Bischof Proudie. Dieser muss einen neuen Leiter für das Hiramsspital suchen, und es läge nahe, den früheren Vorsteher Septimus Harding zu wählen. Doch wer trifft eigentlich in Haus des Bischofs die Entscheidungen? Seine herrische Frau, der schlaue, intrigante Kaplan Obadiah Slope oder doch er selbst? Bei den sich entwicklenden Intrigen gerät nicht nur der arglose Harding zwischen alle Fronten.

Seine Tochter Eleanor Bold, die nach dem Tod ihres Mannes als vermögende Frau nach Barchster zurückgekehrt ist, wird von drei Männern aus der Gemeinde umworben. Diese sind der bereits erwähnte Kaplan Slope, der hoch verschuldete  Bertie Stanhope,  und der Pfarrer Francis Arabin, ein ungehobelter Klotz und erbitterter Gegner Slopes.

Dazu kommt noch ein wahres Kuriositätenkabinett von Provinzgrößen und solchen, die es werden wollen. Alle möchten ihre Ziele erreichen und versuchen, die anderen ins Abseits zu manovrieren, was vom wohlwollend-ironischen Erzähler augenzwinkernd kommentiert wird. Der Erzähler erklärt  in der Mitte des Romans auch die Notwendigkeit der Tatsache, dass die Leute nie offen miteinander reden:

„[…]he (Mr. Arabin) would have […] declared his love. Everything would have been explained, and Eleanor would have gone back to Barchester with a contended mind. […] But then where would have been my novel?“

Also bleiben Eleanor, ihre Schwester und deren Mann noch eine Weile zerstritten, ihr Vater macht sich Sorgen, Slope verfolgt weiter seine Ziele und Bertie Stanhope wittert Morgenluft, bis endlich nach fast 500 Seiten alle Missverständnisse geklärt sind. Für das Buch braucht man etwas Zeit, und der Stil liegt wohl nicht jedem, aber ich habe es mit Vergnügen gelesen. Und jetzt wissen wir auch: Ohne Geheimniskrämerei kein Roman!

Die Verfilmung mit Alan Rickman als Obadiah Slope muss ich mir unbedingt einmal anschauen.

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Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „52 Bücher (2) – „Barchester Towers“ von Anthony Trollope

  1. Gibt es auch auf Deutsch, seh ich gerade, das ist gut. (Ich lese zwar ab und zu auch englische Bücher, aber eher politische, die nicht ins Deutsche übersetzt wurden.) Hört sich nach spannendem „historischen Intrigantenstadl“ an. 🙂

    • Gut auf den Punkt gebracht. 🙂 Und den deutschen Titel habe ich diesmal glatt vergessen, er heißt „Die Türme von Barchester“.

  2. Der kleine Ausschnitt liest sich schon sehr lustig 🙂
    Aber komplett auf Englisch würde ich mit das ehrlich gesagt nicht zutrauen. Ich müsste wahrscheinlich dann doch zu viel nachschlagen…

    • Am Anfang ging mir das auch so, aber man kommt rein, und mit der Zeit geht es immer besser. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich früher Anglistik sudiert habe und gern Englisch lese, um „drin zu bleiben“. Aber das Wichtigste ist, dass das Lesen Spaß macht, und wenn man zu oft zum Wörterbuch greifen muss, bleibt der doch oft auf der Strecke.

  3. Warum erinnert mich dieses Buch nur an Evelyn Hamann, wie sie verzweifelt versucht, „Die zwei Cousinen“ anzusagen 😉

    Hier noch einmal zu sehen.

    Herzliche Grüße!

  4. Das Gefaellt mir Button Plugin waere bestimmt hilfreich. Oder habe ich es uebersehen?

    • Meinst du damit diesen Facebook-Button? Den wirst du hier auch nicht finden, da ich kein Freund von Facebook bin. Und warum ist er hilfreich? Wenn dir ein Artikel gefällt, kannst du das doch auch als Kommentar schreiben, und vielleicht auch warum er dir gefällt. Das kostet sicher nicht viel mehr Zeit als nach dem Button zu fragen. 😉

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