Zehn Jahre Bahnlinie Enschede – Gronau

Hallo Münster – Dag Enschede – mit diesen Worten begrüßte heute vor zehn Jahren die Westmünsterlandbahn ihre Fahrgäste. Nachdem der Streckenabschnitt zwischen Enschede und Gronau ungefähr zwanzig Jahre stillgelegt war, wurde er mit Pauken und Trompeten wieder eröffnet:

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Zwischen Enschede und Gronau wurde ein kostenloser Pendelzug eingesetzt, der eine Menge Besucher anlockte:

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Trotzdem gab es viele Skeptiker, die der Meinung waren, dass die Zahl der Fahrgäste viel zu gering sei und das Ganze somit ein Verlustgeschäft werden würde. Doch  jetzt nach zehn Jahren kann man auch mit Fug und Recht feststellen, dass sie nicht Recht behalten haben.

Im Gegenteil, die Bahnlinie wird gut genutzt! Ein nicht unerheblicher Teil der Fahrgäste besteht aus Saxionstudenten, die noch in Deutschland wohnen und mehrmals in der Woche zur Hochschule pendeln. Aber auch Besucher des Marktes und der Stadt nehmen gern die Bahn, genauso wie die Ausflügler nach Münster oder Dortmund. Auch ich mache das öfter, z. B.  um der Stadt Münster einen Besuch abzustatten, oder in Dortmund in den ICE nach München umzusteigen.

Dabei denke ich oft an die Zeit, als es die Bahn noch nicht gab. Damals verkehrten zwischen Gronau und Enschede zwar Busse, doch der letzte verließ Gronau gegen 18 Uhr. Dadurch wurde ein Besuch in Münster zwangsläufig ziemlich  kurz. Bei diesen Fahrten konnte es durchaus auch vorkommen, dass der Zugbegleiter mit Grabesstimme verkündete: „Der nächste Halt ist Gronau. Hier ist das Ende!“

Einmal wollten der Gatte und ich an einem Samstag nach München fahren, um meine Eltern zu besuchen. Um noch zu einer zivilen Zeit anzukommen, mussten wir gegen 8 Uhr aus Gronau weg. Nur ging zu dieser Tageszeit der Bus nur bis Glanerbrug. Heute würden wir in so einem Fall sicher ein Taxi nehmen, aber damals dachten wir im jugendlichen Überschwang, dass wir das letzte Stück laufen konnten. Es waren ja nur dreieinhalb Kilometer, das müsste man doch in einer guten halben Stunde schaffen. Doch irgendwie verkürzte sich die verbleibende Zeitspanne schneller als der Weg, den wir noch zurücklegen mussten, und der Riesenrucksack machte das Laufen nicht gerade einfacher. Wir erreichten gerade noch rechtzeitig den Bahnhof, um festzustellen, dass der Zug abfahrbereit auf einem anderen Gleis stand. Mein verzweifeltes „Haaalt!“ wurde jedoch erhört, und japsend fielen wir in die Polster. Der Muskelkater am nächsten Tag hatte es in sich!

Später fuhren wir bei solchen Gelegenheiten mit den Rädern nach Gronau und parkten diese unauffällig in einem Hinterhof, denn die Radstation gab es damals auch noch nicht.

Am 24. September 2011 wurde schon etwas vorgefeiert, indem man eine Dampfeisenbahn einsetzte. Wer genau hinschaut, kann mich beim Fotografieren sehen:

Auf jeden Fall bin ich froh, dass es die Bahnlinie gibt. Die Grenzwanderungen sind dadurch ein Stück einfacher geworden, und das nächste Weihnachtsmarkttreffen in Münster kommt auch bald!

Am Samstag darf man auch wieder umsonst nach Gronau und zurück.

*) Die ersten vier Fotos stammen übrigens von Gottfried Schwieters, der mir erlaubt hat, sie in diesem Artikel zu verwenden. Auf seiner Website Gottfrieds Sammelsurium befinden sich noch mehr Fotos, u.a. zu den Bauarbeiten an diesem Streckenabschnitt. Auch Radwanderer kommen dort auf ihre Kosten.

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Ein Gedanke zu „Zehn Jahre Bahnlinie Enschede – Gronau

  1. Es ist schade, dass so viele Bahnstrecken stillgelegt wurden. Umso erfreulicher Dein Bericht!
    Wir sind früher oft mit der Bahn verreist. Später stellten wir fest, dass es diese Strecken gar nicht mehr gibt. Dafür fuhren Busse parallel zu den Gleisen auf den Bundesstraßen entlang und standen oft im Stau fest. So viele alte Bahnhofsgebäude werden langsam aber sicher zu Ruinen. Und so viele Menschen kommen nicht mehr einfach mal von A nach B, weil es sich angeblich nicht rechnet.
    Liebe Grüße und weiterhin gute Grenzüberquerungen,
    Elvira

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