52 Bücher (6) „December“ von Phil Rickman

Und weiter geht’s mit Woche 6 und dem Thema Magisches. Da will ich doch gleich mal die Gelegenheit beim Schopf packen, um einen meiner Lieblingsautoren vorzustellen, den britischen Schriftsteller Phil Rickman. Über ihn wollte ich schon lange einmal schreiben, da er eigentlich ebenfalls ein Grenzwanderer ist. Er lebt in den englisch-walisischen „Borders“, und die meisten seiner Romane spielen auch dort. Laut ihm sind die Bewohner von Grenzgebieten ein eigener Menschenschlag – sie sind zurückhaltend und ergreifen selten für eine Seite Partei, da sie nie wissen, wem sie bei der nächsten Auseinandersetzung wieder zugeschlagen werden. Die Magie (sowohl weiße als auch schwarze) und das Übersinnliche spielen in seinem Werk eine große Rolle.

Passend zur Jahreszeit habe ich mich für das Buch „December“ (London 1994), eines seiner frühen Werke entschieden. Bis jetzt ist es noch nicht auf Deutsch erhältlich, aber da  sein Verlag seine frühen Romane wieder neu herausgeben will und seine Merrily-Watkins-Krimis gerade im Eiltempo übersetzt werden, kann das ja noch kommen.

Eine Band, deren Mitglieder paranormal begabt sind, ein exzentrischer Produzent, der gern mit dem Übersinnlichen spielt und eine düstere Abtei-Ruine in den walisischen Brecon Beacons, wenn das keine explosive Mischung ist!

 Im Jahr 1980 hatte Produzent Max Goff die vier Musiker Dave Reilley, Tom Storey, Moira Cairns und Simon St. John nicht so sehr wegen ihrer musikalischen, sondern wegen ihrer übersinnlichen Fähigkeiten ausgesucht, um mit ihnen in der Ruine der Abtei Ystradd Ddu das „Black Album“ aufzunehmen. Sie sollten sich von der Atmosphäre inspirieren lassen und die lange, oft gewalttätige Geschichte der Abtei musikalisch umsetzen. Nur war ihnen nicht klar, dass die Abtei alle sieben Jahre ein Opfer fordert und dass es jetzt wieder soweit war. Und so kam es zu einem tragischen Unfall, bei dem Toms hochschwangere Frau ums Leben kam. Die Aufnahmen wurden abgebrochen und die Bänder sollten vernichtet werden.

Gleichzeitig wurde John Lennon in New York erschossen. Der sensible Dave erlebte den Mord gleichsam mit, und seitdem ist Lennons Geist  sein ständiger Begleiter, der alles zynisch kommentiert.

Vierzehn Jahre später werden die Bänder im Nachlass des inzwischen verstorbenen Max Goff gefunden, und die Firma, die nun alle Rechte besitzt, will, dass das Album fertig produziert wird, und zwar in der Abtei. Die Musiker wollen dies auf gar keinen Fall, denn seit jener Nacht sind ihre paranormalen Fähigkeiten eine schwere Bürde für sie geworden. Doch der Vertrag, den sie damals unterschrieben hatten, und einige andere Sachzwänge lassen ihnen keine Möglichkeit zu entkommen. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, zusammen dem Bösen in der Abtei die Stirn zu bieten.

Doch die Abtei ist schlau und kennt von allen Beteiligten die Schwachstellen: das Alkoholproblem des Aufnahmeleiters Prof Levin, die sexuelle Orientierungslosigkeit Simon St. Johns, Tom Storeys Liebe zu Vanessa, seiner Tochter mit Down-Syndrom und Daveys Ängste. Doch sie erhalten Hilfe von der gelähmten Buchhalterin Isabella, einem weiteren Opfer der Abtei. Haben sie eine Chance gegen die schwarze Magie des Gebäudes?

„December“ ist sicher nichts für schwache Nerven. Da jede Hauptperson ihr eigenes übersinnliches Problem mit sich herumschleppt, wird es manchmal fast zu viel. Beim Lesen war ich hin und her gerissen zwischen der Spannung, wie es weitergeht und dem Bedürfnis nach einer Atempause. Auf jeden Fall hat Phil Rickman neben einer aussergewöhnlichen Handlung hier sehr interessante Charaktere geschaffen, und einige davon tauchen auch in anderen Romanen wieder auf.

Manchmal werden Rickmans Romane der Tradition von Stephen King zugeordnet – zu Unrecht, wie ich finde. Denn er hat eine ganz eigene Art, dem Übersinnlichen Gestalt zu geben. Vielleicht liegt es auch daran, dass man im englisch-walisische Grenzland auf andere Gespenster trifft als in Amerika.

Seit ich vor ein paar Jahren über das Buch „Midwinter of the Spirit“ gestolpert bin, bin ich absoluter Rickman-Fan. Und wenn es wieder einmal zum Thema passt, werde ich auf jeden Fall mehr von ihm vorstellen. Notfalls sorge ich dafür, dass es passt. 😉

Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „52 Bücher (6) „December“ von Phil Rickman

  1. Sehr, sehr interessant – aber in englischer Sprache – dazu bin ich nicht in der Lage; oder nicht willens – oder beides 🙂 Ich warte dann mal auf die Übersetzung 😉

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