52 Bücher (11) – „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink

Diese Woche habe ich die Möglichkeit, ein Buch für zwei Projekte zu verbraten, nicht nur für die „52 Bücher“, sondern auch für die Herausforderung „Read the Classics“ von Lynie. Bei diesem Projekt geht es darum, alle zwei Monate einen Klassiker aus einer vorgegebenen Liste zu lesen und zu besprechen. Irgendwie ist das bei mir so eine Art Pawlow-Effekt – sobald am Horizont ein Projekt mit Büchern erscheint, will  ich mitmachen!

Diese Woche lautet das Motto bei Fellmonster: Die beste und die schlechteste Buchverfilmung.

Erst geriet ich etwas ins Grübeln, denn meistens lese ich entweder das Buch oder schaue mir den Film an. Und wenn ich schon im Vorfeld mitkriege, dass eine Buchverfilmung schlecht ist, tue ich sie mir meistens nicht mehr an. So habe ich es z. B. bei Michel Endes „Unendliche Geschichte“ gehalten, und das war wohl auch gut so. Damit ist die schlechteste Verfilmung abgehandelt. 😉

Ein Buch, dessen Verfilmung ich jedoch sehr gelungen finde, ist „Der Vorleser“ von Berhnhard Schlink (Zürich 1995):

Da dieses Buch auch mein erstes der „Klassiker-Challenge“ ist, kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Der 15-jährige Michael Berg lernt die 36-jährige Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz kennen, und die beiden beginnen eine Beziehung. Hanna ist zwar auf eine bodenständige, manchmal etwas ruppige Art freundlich und liebevoll, aber auch streng, reizbar und furchteinflößend. Nach einem für Michael meist schönen, aufregenden Sommer ist Hanna plötzlich spurlos verschwunden.

Erst Jahre später, als er im Rahmen seines Jurastudiums eine Prozess gegen ehemalige KZ-Wächterinnen besucht, sieht er sie im Gerichtssaal wieder. Sie muss sich für den Tod von 300 Menschen verantworten, die auf dem Marsch nach Auschwitz in einer brennenden Kirche ums Leben gekommen waren.

Bernhard Schlink, Professor für Rechtswissenschaft (öffentliches Recht und Rechtsphilosophie) setzt sich in diesem spannenden Roman mit den Themen Schuld, Sühne, Verantwortung, Recht und Gerechtigkeit auseinander, und vor allem mit der Frage: Kann man denn jemanden lieben, der etwas Schreckliches getan hat? Wahrscheinlich ja, so lange man es nicht weiß, aber dann? Michael findet nie eine befriedigende Antwort.

Gestern habe ich mir, mit genug Taschentüchern für den Schluss bewaffnet, die Verfilmung mit Kate Winslet und Ralph Fiennes noch einmal angeschaut. Von kleinen Details abgesehen folgt sie genau der Romanvorlage.

Die Erzählperspektive (erwachsener Ich-Erzähler, der die Geschichte chronologisch aufrollt) weicht im Film dem Wechsel zwischen jetzt und früher.  Die eingestreuten langen Überlegungen Michaels über sein Verhalten und seinen Umgang mit anderen werden im Film in kurzen Dialogen, z. B. mit seiner Tochter Julia dargestellt.

Eine sehr gelungene Szene findet sich ungefähr in der Mitte des Films, als Michael und Hanna ihre Radtour machen. Beim Essen im Biergarten beobachtet Hanna ein paar Grundschüler, die mit Büchern beschäftigt sind, sich gegenseitig auf bestimmte Stellen hinweisen und sie sich vorlesen. Diese Mischung aus Neid und Resignation in Hannas Blick – Kate Winslet macht das wunderbar!

Fazit: Eine gelungene, stimmige Verfilmung mit guten Schauspielern, hier passt alles.

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Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „52 Bücher (11) – „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink

  1. Über den Film habe ich jetzt so viel Gutes gehört, dass ich mir den vielleicht auch mal angucken sollte…

  2. Ich kenne „Der Vorleser“ auch noch nicht – weder das Buch, noch den Film. Das sollte ich wohl man nachholen.

  3. An den „Vorleser“ habe ich auch gedacht (also, für die gute Verfilmung), aber dann wäre mein Text zu lang geworden, da kann man so irre viel zu schreiben…

  4. Heyho! Eine schöne Rezi! Ich kann die Bewertung teilen! Den Film fand ich wirklich sehr schön! Das Buch werde ich im Rahmen meiner Facharbeit lesen ^^ Mal sehen wie es wird

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