Virtual Active

Wie ihr wisst, gehe ich ja seit einiger Zeit wieder brav ins Fitnessstudio, wo ich mich mit merkwürdigen Geräten und Bauchmuskelübungen für Fortgeschrittene amüsiere.

Seit ein paar Wochen haben wir neue Cardio-Geräte mit einer tollen Option: „Virtual Active“. Dabei kann man zusätzlich zur gewünschten Zeit und dem Schwierigkeitsgrad auch noch eine Landschaft in den USA, Italien, der Schweiz etc. auswählen. Diese erscheint dann auf dem Bildschirm, und das Streckenprofil (manchmal ist es flach, dann geht es bergauf, dann wieder bergab) entspricht ungefähr dem, was man sieht. Eine tolle Sache, denn so ist das Training doch gleich weniger langweilig. Und Informationen über besagte Landschaft gibt es auch noch!

Heute fahre ich also erst auf dem Fahrrad durch die Northern Rockies zum Mount Rushmore, ihr wisst schon, der Berg mit den vier Präsidenten. Man radelt gemütlich über eine meist freie Straße und begegnet nur hin und wieder einem Radlerkollegen, der sein Stahlross nach oben schiebt. Im wahren Leben wäre ich das wohl. Gleichzeitig gleitet die Information durch das Bild, dass die Arbeiten an diesem Monument von 1927 bis 1941 dauerten, und dass eigentlich geplant war, die Präsidenten ab der Taille darzustellen. Doch dann war das Geld alle. Gut, dass man mit den Köpfen angefangen hat, wie würde das denn sonst ausschauen!

Ein Blick auf den Bildschirm meines Nachbarn zeigt mir, dass dieser gerade in den herbstlichen Wäldern von New Hampshire unterwegs ist. Auch nicht schlecht.

Auf dem Crosstrainer erforsche ich den Acadia-Nationalpark an der Küste von Maine. Man pflügt sich durch den schlammigen Strand von Muckworth Island oder  steigt über unwegsame Pfade, die ich wegen fehlender Kondition, protestierenden Knieen und Höhenangst  sicher meiden würde, zu diversen Aussichtspunkten. Und  man muss sich auch keine Sorgen machen, dass man rechtzeitig wieder unten ist, bevor es anfängt zu regnen, die Dämmerung hereinbricht und der Proviant ausgeht. Wenn man nämlich den Zielpunkt erreicht hat, wird man nämlich, nachdem man kurz die Aussicht bewundern durfte, an einen anderen Startpunkt gebeamt und dackelt weiter.

Das Laufband bietet nicht nur ländliche Gebiete, sondern auch den „Chicago Run“ und den „Los Angeles Run“. Okay, von einem „Run“ kann man bei mir nicht reden, eher von einem flotten Spaziergang. Aber bei diesen beiden Städten macht es irgendwie keinen richtigen Spaß, und so entscheide ich mich für einen Besuch der Nevada Falls im Yosemite Park. Auch hier geht es durch unwegsames, aber spektakuläres Gelände. Oben erscheint die Info, dass sich der schottisch-amerikanische  Universalgelehrte John Muir sehr dafür eingesetzt hat, dass Yosemite als Nationalpark ausgewiesen wurde. Dessen Geburtshaus in Dunbar (heute ein Museum) hatten wir vor einigen Jahren bei einer echten Radtour durch die englisch-schottischen Borders besichtigt.

Nach einem beeindruckenden Blick über die Nevada Falls ist mein Programm für heute zu Ende. Vielleicht sollte ich den nächsten Urlaub einfach im Fitnessstudio verbringen. Obwohl…

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Virtual Active

  1. Das ist ja sehr unterhaltsam! Der Bildschirm meines Ergometers zeigte auf der Reha nur gezeichnete Landschaften an 😦 Das war nicht wirklich motivierend.

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