52 Bücher (13) – „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson

 

Vor lauter Arbeit, Sport, Seehunden etc. komme ich kaum noch nach mit dem Monsterprojekt. Dabei ist heute schon Dienstag. Das Motto Nummer 13 lautet Monster! Da ist die Auswahl natürlich nicht gerade klein, und nach einigem ÜBerlegen habe ich mich für etwas Klaschisses, äh, etwas Altes (Heinz Erhardt) entschieden, nämlich „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson aus dem Jahr 1885 (dtv-Ausgabe München 1992):

Und siehe da, es steht auch in Lynies Klassiker-Liste!

Meine Stammleser werden sich sicher wundern, dass ich nicht das englische Original vorstelle, aber das hat einen besonderen Grund. Während meiner Studienzeit (lang ist’s her) machte ich ein Praktikum beim Deutschen Taschenbuch Verlag in der Abteilung Klassik . Und gerade in dieser Zeit wurde eine neue Übersetzung dieser Novelle als Taschenbuch herausgegeben. Die Übersetzung ist von Wolfram Benda und erschien 1988 in seinem eigenen Verlag „The Bear Press“. Illustriert wurde die Ausgabe von Wilhelm M. Busch mit 43 Bleistiftzeichnungen, die die trügerische Ruhe und unterschwellige Bedrohung der Geschichte wunderbar unterstreichen.

Ich schaute also dem Lektoratsteam bei der Herstellung und Vermarktung über die Schulter, erfuhr einiges über die Geheimnisse der Preiskalkulation, durfte mich an einem Vertretertext für dieses Buch versuchen, von dem die Lektorin danach nichts mehr übrig ließ,und wurde zusätzlich zu meinem kleinen Praktikanten-Obulus noch „in Naturalien“ ausbezahlt, worunter dieses Buch.

Die Geschichte ist ja wahrscheinlich bekannt: Der exzentrische Arzt Dr. Henry Jekyll hat ein Problem mit sich selbst: Einerseits ist er ein Mensch, der gut sein und Gutes tun möchte, andererseits fühlt er sich auch zu niedrigen Vergnügungen und Ausschweifungen, die nicht näher beschrieben werden, hingezogen, für die er sich zuteifst schämt. Mit Hilfe einer selbst zusammengestellten Medizin gelingt es ihm, sein böses Ich von seinem guten abzuspalten – in Form des widerwärtigen Zeitgenossen Edward Hyde. So könnte er als Dr. Jekyll ein guter Mensch sein und als Mr. Hyde seinen Spaß haben, ohne dass sich die zwei in die Quere kämen, denkt er.

Zum Teil geht die Rechnung auch auf: Hyde geht seinen Ausschweifungen nach, doch Jekyll leidet danach immer noch an seinem schlechten Gewissen, vor allem, als Hyde erst ein Kind niederschlägt und dann einen Abgeordneten des Parlaments ermordet. Und was noch schlimmer ist: Hyde gewinnt stets mehr die Oberhand. Manchmal verwandelt sich Jekyll spontan in Hyde und muss die Dosis des Medikaments immer wieder erhöhen, um in seine eigentliche Gestalt zurückkehren zu können, bis ihm schließlich kein Ausweg mehr bleibt.

Die Geschichte wird aus der Perspektive des Anwalts Utterson, einem guten Freund Dr. Jekylls erzählt, ergänzt von einem Brief des Kollegen Dr. Hastie Lanfield und Jekylls schriftlichem Geständnis.

Es handelt sich wohl um eine der bekanntesten Versionen des Doppelgängermotivs, das sich oft in der Weltliteratur findet. Es zeigt, wie nahe Gut und Böse, auch im Menschen, beieinander liegen und wie schwer es oft ist, das Böse in sich unter Kontrolle zu halten. Deshalb ist es auch heute noch eine faszinierende Geschichte, und es hat Spaß gemacht, sie wieder einmal zu lesen.

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4 Gedanken zu „52 Bücher (13) – „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson

  1. Stimmt, das ist irgendwie ein Klassiker. Ich schreibe mir das Buch mal auf. Aber erst einmal sind jetzt die Weihnachtsbücher dran und dann „Buntschatten…“ Das habe ich nämlich seit letzter Woche nun auch auf meinem Stapel liegen 🙂
    Liebe Grüße
    Silke

    • Mein Stapel wächst auch ständig, ich glaube, es wird Zeit für die Rente. *g*
      Nachtrag: Wenn du „Buntschatten“ gelesen has, sag doch mal, wie es dir gefallen hat.

  2. Zu diesem Werk sollte ich vielleicht nichts als Dark Johann schreiben :mrgreen: Doch gegen den Herrn Hyde ist mein Johann wirklich ein Sankt – und nicht dark. Schöner Artikel, auch Deine Geschichte zu dem Buch ist sehr interessant.

    • Stimmt, ich habe Dark Johann als netten, interessanten Blogkollegen kennengelernt, nix Edward Hyde. 🙂 Und so ein Blog (wie auch diverse Internetforen) eignen sich auch ganz gut dazu, mit verschiedenen Identitäten zu spielen.

      Das Praktikum hat wirklich Spaß gemacht. Wir haben damals auch eine Sammlung von Sagen und Legenden zu Weihnachten vorbereitet, und es war grad Ostern. Da sieht man mal, was so ein Buch für einen Vorlauf hat.

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