52 Bücher (14) – „The Remains of an Altar“ von Phil Rickman

Tja, da stammt das Motto des Bücherprojekts diesmal von mir, nämlich Das Fahrrad in der Weltliteratur, und dann macht mir die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung und ich hinke hinterher. Aber jetzt geht es mir wieder besser, und stelle, wie bereits beim Beitrag „December“ angedroht, mal wieder ein Buch von Phil Rickman vor, nämlich „The Remains of an Altar“ (London 2006), den achten Band der Merrily-Watkins-Reihe. Der deutsche Titel lautet: „Ein dunkler Gesang“.

Ich gebe zu, es ist ein bisschen doof, beim Vorstellen einer Buchreihe nicht etwas weiter am Anfang zu beginnen, aber in Band eins bis sieben kommen halt keine Fahrräder vor. Das liegt wohl vor allem daran, dass das englisch-walisische Grenzland sehr hügelig und deshalb nicht besonders radlerfreundlich ist. Und Weltliteratur – Rickman ist ein Grenzwanderer, und Grenzwanderer sind Weltliteraten, jedenfalls in Scrooges Universum. Und dass er es verdient hat, bekannter zu werden, tröte ich ja schon seit Jahren.

In der Nähe des Dorfes Wychehill in den Malvern Hills wird passieren einige Verkehrsunfälle, bei denen die Beteiligten behaupten, dass sie einem Radfahrer ausweichen mussten, von dem allerdings jede Spur fehlt. Den Beschreibungen nach muss es sich bei diesem geheimnisvollen Verkehrsteilnehmer, der immerhin mit Licht fährt, um den vor gut 70 Jahren verstorbenen Komponisten Edward Elgar, Schöpfer der berühmten „Enigma Variations“ handeln. Schließlich hatte Elgar auf seinem Sterbebett gesagt: „“ If ever you’re walking on the Malvern Hills and you hear that [sein „Cello Concerto“], don’t be frightened… it’s only me.“

Als ein Unfall zwei Todesopfer fordert, wenden sich einige Dorfbewohner an Marrily Watkins, anglikanische Priesterin und Exorzistin, oder moderner „Deliverance Consultant“ der Diözese Hereford. Und bald wird auf einem Opferstein ein Drogendealer mit durchgeschnittener Kehle gefunden.

Wie meistens bei solchen Fällen sticht Merrily hier in ein Wespennest aus Animositäten zwischen alteingesessenen Dorfbewohnern und neu Zugegezogenenen, Interessenkonflikten, Hintergedanken und dergleichen. Hat der tote Drogendealer etwas mit dem Nachtclub in der Nähe des Dorfes zu tun? Welche Rolle spielt der Dirigent und Elgar-Fan Tim Loste? Ist der spukende Radfahrer etwa nur ein Pubizitätsstunt, um gegen den Nachtclub mobil zu machen?

Inzwischen befindet sich Merrilys Tochter Jane, die schon seit längerem alle möglichen esoterischen Richtungen ausprobiert, auf ihren eigenen Kreuzzug: Sie versucht den Bau von Luxuswohnungen an einer prähistorischen Stätte in Ledwardine, ihrem und Merrilys Heimatdorf, zu verhindern. Dabei legt sie sich mit den führenden Politikern der Gegend an und zieht natürlich auch ihren Freund, den gutmütigen Eirion, mit hinein.

Wie in den anderen Bänden der Reihe verbindet Phil Rickman hier viele verschiedene Elemente wie lokale Sagen und Legenden, Dorfklatsch, Gerüchte, Wahrheit und Lügen zu einer spannenden Geschichte. Und auch wenn vieles eine mehr oder weniger natürliche Erklärung hat, ist das Übersinnliche doch nie ganz auszuschließen. Im englisch-walisischen Genzland ist schließlich alles möglich.

„The Remains of an Altar“ ist meiner Ansicht nach nicht der beste Teil der Reihe, dazu ist der Band an manchen stellen ein bisschen zu zäh und gelegentlich etwas unstrukturiert. Doch die Geschichte selbst und die Figuren (meine Lieblinge sind, neben Jane, ihr Freund Eirion mit seinem rockenen Humor und Sopie, die disinguierte Sekretärin des Bischofs) sorgen dennoch für ein nettes Lesevergnügen, auch wenn dieser Band an „Midwinter of the Spirit“ oder „The Lamp of the Wicked“ nicht ganz heranreicht.

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