52 Bücher (20) – „Pumuckl“ von Ellis Kaut (und zwar alle!)

Und wieder ist Freitag, und das Fellmonster hat gesprochen: Lieblingsbuch aus der Kindheit oder „Kinderbücher (hierbei vielleicht sogar einzelne Autoren als Thema, Ottfried Preußler, Max Kruse, Enid Blyton oder so)“.

Sobald ich lesen konnte, habe ich alles Mögliche verschlungen, das meinen Weg kreuzte, vorausgesetzt, es war nicht langweilig. Dabei waren natürlich auch die gängigen Autoren wie Enid Blyton, Marie Luise Fischer, Astrid Lindgren etc. vertreten und später jede Menge Pferdebücher. An die meisten davon kann ich mich allerdings nicht mehr so gut erinnern, da sich vieles sehr ähnelte.

Aber dieser sympathische kleine Geselle hat mich durch meine ganze Kindheit begleitet und eigentlich nie wirklich verlassen:

Das begann schon im Kindergarten, als ich noch gar nicht lesen konnte. Jemand hatte eine Pumuckl-Schallplatte dabei (ich glaube, es war „Die abergläubische Putzfrau“), und wir durften sie anhören. Die Geschichte gefiel mir, und ich wünschte mir bei der nächsten Gelegenheit auch eine Pumuckl-Platte.  Später, als ich lesen konnte, führte ich mir auch die Bücher zu Gemüte, und auch die Verfilmug fand ich gut, aber die Schallplatten mochte ich doch am liebsten. Und Hörbücher sind bei diesem Projekt ja erlaubt! Im Lauf der Jahre kam eine ganze Sammlung zusammen, mit den Stimmen des unvergessenen Hans Clarin als Pumuckl und erst Alfred Pongratz und später Gustl Bayrhammer als Meister Eder.

Pumuckl ist – neiiin, kein Heinzelmännchen, diese Bezeichnung nimmt er sehr übel – ein Kobold, genauer ein Nachfahre der Klabautermänner. Irgendwie verschlug es ihn in Meister Eders Schreinerwerkstatt in München, wo er eine Weile unsichtbar sein Unwesen trieb und dabei mit Vorliebe Dinge irgendwo herunterwarf oder versteckte. Als er es einmal etwas zu bunt trieb, warf Meister Eder ein Holzscheit in seine Richtung, und beim Wegspringen bleib Pumuckl an einem Leimtopf hängen. Er wurde sichtbar und musste seitdem bei Meister Eder bleiben – altes Koboldsgesetz.

Da es gar nicht so einfach ist, einen Kobold, der mal sichtbar und mal unsichtbar ist und eine Vorliebe für dumme Streiche hat, in den Alltag zu integrieren, gestaltet sich das Zusammenleben der beiden ausgesprochen abwechslungsreich. Meistens stellte Pumuckl etwas an, dass dann irgendwie wieder in Ordnung gebracht werden musste. Eigentlich haben die beiden die klassische Rollenverteilung Kind – Erziehungsberechtigter, und den Lesern und Zuhörern werden zahlreiche positive und negative Verhaltensweisen aufgezeigt (nicht lügen, anderen nichts wegnehmen oder kaputtmachen etc.), aber ohne erhobenen Zeigefinger.

Pumuckl liebt Schokolade und hält nicht viel von Ordnung, deswegen finde ich ihn heute noch sympathisch. Und er dichtet gerne. Am Schluss der Episode mit dem Spanferkelessen fasst er seine Erkenntnisse wie folgt zusammen:

“Da bin ich nun, allein zu Haus.
Der Mond sieht wie ein Knödel aus.
und war er nicht am Himmel droben,
ich stupste ihn, er läg am Boden.
Ich stupste alles groß und klein,
die Sterne und das Späneschwein,
die Schüsslen, Teller und die Wolken,
und alles müsste mir dann folken.
Doch so folg ich hier jetzt im Stillen
dem Eder um der Freundschaft willen.
Die Kullerknödel sind’s nicht wert,
dass Eder mich in die Schublad’sperrt.“

Auch heute fallen mir noch oft Pumuckl-Zitate ein, denn sie passen auch in vielen Lebenslagen. Und der Gatte, der aufgrund seiner niederländischen Kindheit ohne Pumuckl aufwachsen musste, hat sich inzwischen daran gewöhnt und wundert sich nicht mehr, wenn ich beim Radfahren lauthals gegen den Wind ansinge: „Wenn der Sturmwind in die Segel bläst und weeenn die Balken kraaaachen!“

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8 Gedanken zu „52 Bücher (20) – „Pumuckl“ von Ellis Kaut (und zwar alle!)

  1. „Hurra, hurra, der Pumuckl ist da“ — einmal gehört, kann man nie mehr vergessen. 🙂 Ich kenne allerdings nur die Fernsehserie. Wobei ich gestehen muss, dass ich Pumuckls Stimme nicht so recht mochte, auch wenn sie eigentlich gut zu einem frechen Kobold passte…

    • Als die Fernsehserie kam, war ich schon etwas älter, aber angeschaut habe ich sie mir natürlich trotzdem. Der Titelsong ging und geht mir etwas auf die Nerven, aber da muss man durch. 😉

  2. Ach ja, der kleine Rotschopf 🙂
    Ich fand es immer höchst faszinierend, dass er nicht unbemerkt lügen konnte… Armes Kerlchen, immer hat ihn dann gleich seine Nase verraten…

    • Wenn ich mich richtig erinnere, waren es die Ohren, die dann immer knallrot wurden. 😉

      • Aaargh… ich habe ihn mit Pinoccio verwechselt – wie peinlich…
        😦

  3. buurtaal

    Der Pumuckl scheint ja wirklich ein Begriff zu sein in Deutschland. Als Niederländerin kannte ich ihn nicht – dafür haben „wir“ wieder andere Kindrebuchfiguren, die einem in der Kindheit begleiten. Ein schönes Thema!

    • Das stimmt. Die ganzen Figuren von Annie M.G. Schmidt z.B. sagten mir auch nichts, als ich hierher kam. Wenn ich mit Deutschen spreche, die in den Niederlanden wohnen, gibt es oft „geteilte“ Erinnerungen an Kinderlieder, – bücher und -filme, die den Niederländern nichts sagen. Umgekehrt kann ich bei den „typisch“ niederländischen Kindheits- und Jugenerinnerungen nicht mitreden, weil ich andere habe. Und wenn man selbst keine Kinder hat, holt man das auch nicht mehr nach. Ein weites Feld und wohl einen eigenen Beitrag wert.

  4. Pingback: Eine andere Kindheit und Jugend | Grenzwanderer

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