Klangschalen und Kultur am Karfreitag

Hier in den Niederlanden ist der Karfreitag für die meisten Leute ein ganz normaler Arbeitstag. Aber mit etwas Geschick und Glück gelang es mir trotzdem, ihn arbeitsfrei zu halten, und ich verabredete mich mit einer Freundin zu einem ausgedehnten Saunabesuch mit anschließendem gemeinsamen Essen und abendlichem Konzertbesuch.

Schon ziemlich früh trafen wir uns am Eingang der Sauna-Anlage, die umgeben von hohen Bäumen in einem Naherholungsgebiet liegt. Wie immer war meine Freundin bestens über alle Angebote informiert: „Heute haben sie eine Klangschalenmeditation. Das ist was ganz Tolles. Hast du das schon mal gemacht?“ Iiich? Nein, dieses Meditationszeugs ist eigentlich nicht meins, aber ich probiere ja gern mal was Neues aus. Also trugen wir uns in die Liste ein.

Danach machten wir die Runde durch die vielen Räumlichkeiten, die der Saunapark zu bieten hat: Wir ließen uns im Hamam von Dampf umnebeln, schwitzen in der Rosen-, Stern- und Himalayasauna, fanden die Infrarotsauna etwas kühl, plätscherten im Entspannungsbad und im Whirlpool herum und genossen die bunten Lichter und die Musik im Ruheraum. Zwischendurch saßen wir in der Sonne, die entgegen aller Wettervorhersagn freundlich und warm vom Himmel strahlte, schlürften Tee und unterhielten uns.

Dann war es Zeit für die Klangschalenmeditation. Ein Herr im orangefarbenen Batik-Shirt empfing uns in einem Raum, in dem uns verschiedenen Buddahstatuen angrinsten. In der Mitte stand ein Tisch mit verschiedenen Schalen, Trommeln und anderen Instrumenten und in der Ecke brannte ein Feuerchen im Kamin.

Nach einer kurzen Erklärung ging es los: Wir sollten die Augen schließen und uns entspannen, während er uns auf eine orientalische Traumreise mitnehm. Er goss etwas aromatisches Öl ins Feuer und machte dann mit den verschiedenen Instrumenten seine Runde. Da ich viel zu neugierig bin, wollte das mit dem Augenschließen erst mal nicht so recht klappen. Nach einer Weile versuchte ich es doch: Ich schloss die Augen, entspannte mich und atmete tief ein. Das hätte ich besser nicht getan, die Dämpfe des japanischen Öls, das der Herr kurz davor auf das Feuer gekippt hatte, stiegen in meine Nase und krochen von dort aus in meinen Rachen, und ich musste heftig husten. Peinlich!

Nach der Meditation erklärte der Herr die einzelen Instrumente: „Das sind Schalen aus Tibet, das ist eine afrikanische Trommel, dieses Rohr kommt aus Südamerika und das hier (er hielt ein buntes Blechröhrchen mit einer Perlenschnur in der Mitte hoch) kommt aus Groningen.“ Jetzt kam Leben is Publikum: „Wo in Groningen?“ – „Wenn Sie vom Bahnhof am Museum vorbei in die Stadt gehen, ist am Anfang der Straße ein Musikgeschäft.“ Gut, das zu wissen, vielleicht brauche ich ja auch mal so ein Objekt.

Danach wurde es Zeit, zu meiner Freundin zu fahren, da wir noch etwas anderes vorhatten. Nach einem leckeren Abendessen und einem kurzen Spaziergang, um die Schläfrigkeit zu vertreiben, machten wir uns auf den Weg in das nahe gelegenen Beuningen. Dort trat, passend zum Karfreitag, der „Themakoor Beuningen“ mit Songs aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“ auf.

In der dämmrigen Kirche wurden wir von finster dreinblickendn Römern mit Fackeln und Speeren empfangen. Dass einer von ihnen sich bei seinem Nachbarn beklagte, dass er eine SMS schreibe müsse und die Hände voll habe, störte die Atmosphäre nur geringfügig. Wir nahmen Platz, und nach einer Weile ging es los.

Der Chor besteht hauptsächlich aus jungen Leuten aus dem Dorf, die in den letzten Wochen sehr hart gearbeitet hatten, um die Lieder einzustudieren. Da nicht das ganze Musical aufgeführt wurde, gab es einen Erzähler, der die fehlenden Stücke zusammenfasste und kurze Erklärungen zu den Liedern gab, die auf englisch gesungen wurden. Bei einigen Sängern klang der hiesige Dialekt, das Twents, deutlich durch (twenglish?), aber das war ja nicht weiter schlimm. Alle sangen und spielten sehr gut, und Judas‘ Selbstmord am Ende sorgte für die notwendige Dramatik. Besonders gut fand ich Herodes‘ Lied und das Duett von Petrus und Maria Magdalena: „Could we start again, please.“ Der anhaltende Applaus am Ende war mehr als verdient.

Bein Hinausgehen sahen wir noch den wohl bekanntesten Einwohner von Beuningen, den Kabarettisten Herman Finkers, der bescheiden hinten im Publikum saß – einfach sympathisch.

So ging ein rundum gelungener Tag zu Ende.

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Klangschalen und Kultur am Karfreitag

  1. das klingt nach einem traumhaft schoen-entspannten tag mit fantastischem auklang!

    ich wuensche dir und deinen lieben noch ein schoenes osterfest!

    • Das war es auch, und manchmal braucht man solche Tage! Ich wünsche dir und deinen Lieben, besonders Waggy, auch ein frohes Osterfest.

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