Streifzüge durch Berlin – Teil 2

Langsam schlenderte ich zurück zum Potsdamer Platz. Dort stehen noch ein paar Mauerreste – auch das ist Teil der bewegten Geschichte dieser Stadt.

potsdamerplatzmauerrest

Eigentlich wollte ich dem Rat meiner Pensionswirtin folgen und auf das Kollhof-Haus fahren, doch der Spaß war ziemlich teuer. Zwar hatte mir mein Büchlein eine Ermäßigung in Aussicht gestellt, aber die gab es nur auf den Gesamtpreis, wenn man noch ein Poster erwarb. Gut, dann halt nicht. So eine schnelle Aufzugfahrt ist sicher auch nicht gesund.

Dafür gönnte ich mir eine Stadtrundfahrt mit einem Doppeldeckerbus: Das Ticket war zwei Tage gültig und man konnte an vielen interessanten Orten ein- und aussteigen. Ich bekam ein schickes gelbes Ohrstöpsel-Set und nahm auf dem Oberdeck neben einem netten Engländer Platz. Er half mir, das Ding richtig einzustöpseln, und dann ging es los. Andächtig sah ich aus dem Fenster und lauschte den Erklärungen der Dame vom Band. Anfangs irritierte mich ihr Lispeln etwas („Wir erreichen jetht dath Mauermutheum am Checkpoint Charlie…“), aber nach einer Weile hatte ich mich daran gewöhnt.

Wir fuhren an vielen interessanten Plätzen wie dem Gendarmenmarkt, dem Alexanderplatz, der Museumsinsel etc. vorbei, und ich merkte mir einige Dinge für den nächsten Tag vor. Fotos habe ich fast keine gemacht, da es vom Bus aus meistens nichts wird. Ausnahmen sind einige Mauerabschnitte der „East Side Gallery“, die 1990 spontan von Künstlern gestaltet wurden und nun zusammenhängend ausgestellt werden.

eastsidegalleryeastsidegallery2

Ach ja, und der Kampf des Busfahrers mit dem Schiebedach, das nicht aufgehen wollte, musste natürlich auch dokumentiert werden.

kampfmitdach

Während der Bus gemütlich im Zickzack durch die Stadt öttelte, wurde auch einiges über die Berliner U-Bahn erzählt, die auch während der Teilung  der Stadt unter Ostberlin durchfuhr. Daran erinnerte ich mich noch von unserer Klassenfahrt im Jahr 1985. Die Bahnhöfe unter Ostberlin trugen Namen wie „Stadion der Weltjugend“ und waren schummrig beleuchtet und menschenleer – richtige Geisterbahnhöfe.

Auf dieser Klassenfahrt machten wir auch einen Ausflug nach Ostberlin. Wir bekamen genaue Instruktionen, was wir zu tun und zu lassen hatten, und nachdem wir am Bahnhof Friedrichstrasse die Grenze passiert hatten, waren wir entsprechend eingeschüchtert. Auch an die geballte Unfreundlichkeit, mit der man uns Wessis dort begegnete, erinnere ich mich noch. Und heute kann ich verstehen, dass unsere Klassenleiterin damals wohl Blut geschwitzt haben muss und lieber mit uns woanders hingefahren wäre.

Doch davon ist inzwischen nichts mehr zu merken. Überall wird gebaut, die Stadt ist ständig in Bewegung und wächst wieder zusammen.

Dann wurde es Zeit für das @heinzi-Treffen. Am Kudamm verließ ich den Bus und stürzte mich in den öffentlichen Nahverkehr. Da die U2 wegen Bauarbeiten nicht durchfuhr und der Schienenersatzverkehrsbus nicht zu finden war, musste ich einen Umweg nehmen. Von anderen Städten bin ich es gewöhnt, dass die S-Bahnen meist oben, und die U-Bahnen unten fahren, aber hier ist das nicht so. Alles geht fröhlich durcheinander, und das Umsteigen an größeren Stationen ist immer mit einem längeren Fußmarsch und vielen Treppen rauf und runter verbunden – die Berliner müssen ganz schön fit sein.

Am Zielbahnhof angekommen hieß es nun, das Café zu finden. Das war gar nicht so einfach, da ich mal wieder auf der falschen Seite des Bahnhofs an die Oberfläche kam. Dann war auf dem Umgebungsplan, den ich mir ausgedruckt hatte, eine Straße nicht eingezeichnet, so dass ich etwas aus dem Konzept geriet. Ich hatte zwar zwei Notfallnummern anderer Teilnehmer dabei, aber gerade in dem Moment, als ich anrufen wollte, begannen die Glocken der nahegelegenen Kirche so einen Lärm zu machen, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstand. So wird das nix mit telefonischen Wegerklärungen. Im einem Laden konnte man mir weiterhelfen, und mit einer knappen halben Stunde Verspätung kam ich beim Treffpunkt an. Und ich war noch nicht einmal die Letzte!

Ich freute mich, diverse alte Bekannte wieder zu sehen und ein paar neue Leute kennen zu lernen. Wir hatten viel Spaß, und selbstverständlich wurde nicht über Abwesende gelästert, sowas macht man schließlich nicht. Angeregt tauschte ich mit Rennbiene Radlererfahrungen aus, und einige ihrer Einschätzungen teile ich volllkommen: „60 km an einem Tag sind gut zu schaffen, aber alles, was darüber hinaus geht, ist harte Arbeit.“ Oder: „Wenn ich absteigen und schieben muss, ist das ein Berg, und kein Hügel!“

Am frühen Abend gingen einige nach Hause und der Rest machte einen kurzen Spaziergang zu einem nahegelegenen libanesischen Restaurant. Das Essen dort war sehr lecker und die Unterhaltung immer noch angeregt, so dass ich erst sehr spät wieder in meiner Pension war. Liebe heinzis, het was gezellig!

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