Frühjahrsradtour Niederlande 2012 – Teil 1

 Nachdem wir ja schon einige Monate nicht mehr geradelt waren, wurde es mal wieder Zeit, sich auf die Leeze zu schwingen. Anfang Mai hatten wir beide eine Woche frei, und Peters Bruder hatte uns zu seinem Geburtstag eingeladen. Also beschlossen wir, erst mit der Bahn nach Castricum zu fahren und von dort aus die letzten Kilometer nach Egmond aan Zee zu radeln, um dort gemütlich mit der Verwandtschaft zu feiern. Danach sollte es erst an der Küste nach Süden gehen und dann an diversen Flüssen zurück Richtung Heimat. Falls das Wetter dramatisch schlecht sein oder sonst etwas schiefgehen sollte, könnte man ja jederzeit mit der Bahn zurückfahren.

Doch schon beim Packen ging es gut los: Da waren wir letztes Jahr so lange mit dem Rad unterwegs, dass ich meine Packtaschen doch eigentlich im Schlaf einpacken könnte. Trotzdem hatte ich einen fast kompletten Blackout – ich wusste nur noch so ungefähr, welche Sachen ich immer mithatte und konnte mich nicht mehr erinnern, wie ich sie verteilt hatte. Das Einzige, was ich noch sicher wusste, war „Regenzeug rechts vorne.“ Das konnte ja heiter werden! Zusammen mit dem Gatten war dieses Problem jedoch schnell behoben, und wir begaben uns am Sonntagmorgen zum Zug.

Dieser war erst noch angenehm leer, doch schon bei der zweiten Station drängten sich die Leute hinein, und kurze Zeit später standen sie in den Gängen. Wo wollten die bloß alle hin? Hoffentlich nicht schon zum „Koninginnedag“ nach Amsterdam! Unser Reiseplan sah vor, dass wir in Amersfoort und in Amsterdam umsteigen mussten, doch je mehr Leute sich in den Zug wälzten, umso größer wurde unsere Gewissheit, dass wir in Amersfoort höchstens raus, aber in keinen weiteren Zug mehr rein kämen, schon gar nicht mit zwei bepackten Rädern. Wir studierten die Karte und beschlossen, zur Endstation Schiphol zu fahren und von dort nach Egmond zu radeln.

Gesagt, getan, und wir verließen das Flughafengelände und versuchten, so schnell wie möglich an die Küste zu kommen. Dies wollte uns aber nicht so recht gelingen, also suchten wir erst einmal eine Bank und stärkten uns mit Schnitzeln und Kartoffelsalat, die von der gestrigen Chorfeier übriggeblieben waren. Dann fuhren wir erst einmal über Hoofddorp Richtung Haarlem und denn durch die Dünenlandschaft des Nationalparks Kennemerduinen nach IJmuiden. Die Dünenlandschaft ist sehr schön, aber für die kurvenreichen Wege ist ein Rad mit Bepackung doch ein bisschen zu schwerfällig.

Bei IJmuiden nahmen wir die Fähre über den Nordseekanal und setzen dann unseren Weg nach Norden fort.

Kurz nach Castricum war vor uns eine deutsche Senioren-Radlergruppe unterwegs, die wir unter gelegentlichen „Vorsicht“-Rufen überholten. Dann fing es an zu tröpfeln, und wir waren froh, den vertrauten Turm der Kirche St Agnes in Egmond zu sehen. Ein Teil der Verwandtschaft war tatsächlich noch da, so dass wir noch ein bisschen gemeinsam feiern konnten. Abends begaben wir uns zum Strand, um den Sonnenuntergang zu bewundern.

Am nächsten Morgen wurden wir von den Vorbereitungen für den Koninginnedag geweckt.

Wir brachen nicht allzu spät auf, diesmal wieder nach Süden. Anfangs war es unterwegs noch sehr ruhig, doch dann kamen immer mehr Radfahrer, die sich ins Dünengebiet begaben. Da es nachts kräftig geregnet hatte, taten wir dies nicht, sondern folgten erst einmal der Hauptstraße. Bei IJmuiden ging es wieder über den Nordseekanal, und dann nach Zandvoort, wo wir auf den Küstenradweg kamen. Zandvoort gefiel mir nicht besonders, zu viele große Hotels und dergleichen. Doch der Küstenradweg, ein asphaltierter Weg durch die Dünen, war angenehm zu radeln. Bei Noordwijkerhout machten wir Pause, und danach hatte ich das Gefühl, dass es viel mehr bergauf als bergab ging, was eigentlich nicht sein kann. Wir kamen an einem Schild vorbei, auf dem stand, dass wir hier auf dem Tafelberg waren. Das Kind hat also einen Namen, sehr gut.

In Noordwijk und Katwijk gerieten wir in den Koninginnedagrummel, und ich wusste wieder, warum ich große Menschenmassen nicht mag. am nächsten Koninginnedag fahre ich wohl wieder nach Deutschland oder halte es mit Martina Schwarzmann: „“Da hock i liaber unterm Sonnenschirm auf der Terassn mit´m guatn Gfui, nix zum verpassn, weil mir gfoit’s dahoam nämlich a ganz guat…“

Dann erreichten wir Wassenaar, wo wir den ersten Campingplatz ansteuerten. Dieser stellte sich auch gleich als der teuerste heraus, da ein Vergnügungspark dazu gehört, zu dem wir immerhin freien Eintritt hatten.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, ging ich duschen, und dabei fiel mir eine Variante ein für eine Kreditkartenreklame (um welche Karte es sich handelt, habe ich vergessen, aber egal): „Ein Stellplatz: € 9,50. Eine Duschmünze: € 0,50. Das Gefühl, wenn einem der warme Wasserstrahl Schweiß, Schmutz und Sonnencreme von der Haut spült: unbezahlbar.“ (Liebe Kreditkartengesellschaft, wenn ihr das verwenden wollt, sagt mir bitte vorher Bescheid, dann gebe ich euch meine Kontonummer. ;))

Danach gingen wir zum Vergnügungspark und stellten fest, dass wir für die Achterbahn wohl etwas zu alt sind: Das Ding geht fast senkrecht nach oben und wieder runter, bevor diverse Loopings kommen – gsund kann des ned sein! Aber es gibt dort ja auch eine Wildwasserbahn und ein Riesenrad.

Danach kauften wir ein, verprassten im Restaurant ein paar Gutscheine, die wir an der Rezeption bekommen hatten und gingen dann schlafen.

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Kategorien: Kurze Radtouren | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Frühjahrsradtour Niederlande 2012 – Teil 1

  1. Mir wird gerade so sentimental ums Herz! Haarlem und die wunderschöne Grote Kerk mit den so gemütlichen Gassen ringsherum. Und in Noordwijkerhout habe ich viele Jahre bei einer Familie Geerling meine Ferien/Urlaube verlebt. Mir fallen sofort die Hyazintengirlanden ein, die Kinder am Straßenrand verkauften und die die Autofahrer an den Außenspiegeln befestigten und die tagelang vor der Windschutzscheibe hingen. Das ganze Auto roch tagelang nach diesen Blumen. Und Heringe am Strand, und, und……
    Ganz herzlichen Dank für diesen Reisebericht!
    Liebe Grüße,
    Elvira

    • Ja, es gibt schon schöne Fleckchen Erde hier. In Haarlem war ich früher auch mal, aber diesmal haben wir es umfahren, da Städte immer ziemliche Zeitfresser sind.

  2. buurtaal

    Eine schöne Tour – wieder sehr unterhaltsam beschrieben. In Castricum wohnt eine Tante von mir. Leider ist mir das mit dem Fahrrad doch etwas zu weit weg (oder besser gesagt: dafür fehlt mir einfach die Zeit).

  3. bockmouth

    Schöner Reisebericht, Scrooge…

    Und wie wild, dass du gleich in den ersten Zeilen das Wort „Leeze“ verwendet hast… *lächel*

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