52 Bücher (28) – „Nie sollst du vergessen“ von Elizabeth George

Das Monstermotto der 28. Woche lautet „Bescheuerte Buchtitel„. Dazu gab es inzwischen zahlreiche Beiträge, und in einem davon (leider weiß ich nicht mehr, in welchem, wenn der Verfasser mir Bescheid sagt, trage ich den Link gerne nach), wurde festgestellt, dass oft die Titel der übersetzten Bücher besonders dämlich klingen, während sie im Original meistens relativ normal sind.

Dazu fällt mir die gesamte Inspector-Lynley-Reihe von Elizabeth George ein. Die meisten Titel sind zwar im Original auch etwas kryptisch, wie z. B. „Deception on His Mind“, aber die deutsche Version setzt da noch einen drauf: „Denn sie betrügt man nicht“. Gleich am Anfang muss der Goldmann-Verlag beschlossen haben, den Titeln einen biblischen Touch zu geben („Gott schütze dieses Haus“), und das wird jetzt krampfhaf bis zum bitteren Ende durchgezogen.

Die Qualität der einzelnen Bände dieser Reihe schwankt sehr stark. Vor allem die ersten Bände sind sehr spannend und mitreißend geschrieben, und einige wie z. B. „Well-Schooled in Murder“ („Auf Ehre und Gewissen“) oder „For the Sake of Elena („Denn bitter ist der Tod“) habe ich schon zwei oder drei mal gelesen. Aber im Lauf der Zeit wurden die Geschichten immer länger, wahrscheinlich erhielt Frau George mit zunehmender Berühmtheit mehr Narrenfreiheit von ihrem Verlag, aber der Qualität kam das leider nicht gerade zugute. Ein Beispiel ist der Roman „Nie sollst du vergessen“, im Original „A Traitor to Memory“ (München, 2003).

Inspector Lynley vom New Scotland Yard und seine Kollegin Barbara Havers werden zu dem Mord an Eugenie Davies hizugezogen. Bei ihren Ermittlungen stellt sich heraus, dass einer ihrer Vorgesetzten das Opfer sehr gut kannte. Doch auch in ihrem näheren Umfeld gibt es zahlreiche Verdächtige. Da ist der Geigen-Virtuose Gideon, dessen behinderte Schwester vor vielen Jahren unter mysteriösen Umständen verstarb, sowie das ehemalige Kindermädchen der beiden, das dafür verurteilt worden war und dessen Gefängnisstrafe inzwischen vorbei ist. Auch Eugenies  letztes Internet-Date oder ihr Bruder könnten in Frage kommen.

Stoff für eine spannende Geschichte also, wenn die Autorin sie einigermaßen zügig erzählt und nicht gar so viele Nebenschauplätze aufgemacht hätte. So wird z. B. die Agoraphobie der Frau von Lynleys Vorgestzten sehr detailliert geschildert, ist aber für den Fortgang der Handlung nicht zwingend notwendig  und wurde auch in keinem der vorherigen Bände erwähnt.

Außerdem wurden weite Teile der Handlung zeitversetzt aus der Perspektive von Gideon erzählt. Bei „Playing for the Ashes“ („Ascha zu Asche“) funktionierte das sehr gut, da Olivia eine, wenn auch nicht sympathische, so doch sehr vielschichtige und interessante Figur ist. Aber Gideon ist vor allem eine egozentrische Nervensäge, und so bremsen diese Passagen die Handlung unnötig aus.

Irgendwann kam ich zu dem Punkt, an dem es mir egal war, was aus den Personen wurde und wer nun Eugenie Davies ermordet hatte. Ich legte das Buch nur deshalb nicht weg, weil ich wissen wollte, wie es mit Barbara Havers und ihrem schnuckligen Nachbarn weiterging. Man kann sich meine Enttäuschung sicher vorstellen, als ich am Ende feststellen musste, dass besagter Nachbar in dem ganzen 900-Seiten-Wälzer nicht einmal erwähnt wurde.

Zum Glück sind einige der Nachfolgebände wieder besser, auch wenn das Niveau des Anfangs nicht mehr erreicht wurde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „52 Bücher (28) – „Nie sollst du vergessen“ von Elizabeth George

  1. An der Reihe hatte ich mich auch mal versucht. Aber die wurden mir auf die Dauer zu psychologisierend, die Figuren hatten bisweilen Probleme, die ich absolut nicht mehr nachvollziehen konnte. Bis zu Barbara Havers´ Nachbarn bin ich da gar nicht mehr gekommen… kriegen sie sich denn?

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