Frühjahrsradtour Niederlande 2012 – Teil 2

Nach ein paar kurzen Unterbrechungen geht es jetzt endlich weiter.

Ich hatte zwar befürchtet, dass es nachts im Zelt noch ziemlich kühl sein würde und hatte auch schon dicke Socken und ein Sweatshirt für den Notfall bereitgelegt, doch zum Glück war das nicht notwendig. Und wir mussten auch keine Schlafsäcke aufpumpen. 😉 Doch als ich gegen fünf Uhr morgens kurz wach wurde, schüttete es wie auch Eimern, und später war es auch nicht besser. Also frühstückten wir im Zelt (0hne Kaffee!), packten ein, soweit es ging und warteten den ersten trockenem Moment zum Abbauen ab. Nach zehn Uhr konnten wir dann endlich aufbrechen.

Da die Straßen noch ziemlich nass waren, fuhren wir erst mal nicht durch die Dünen, sondern an der Hauptstraße entlang, durch das stille Scheveningen, wo die Straßenkehrer die letzten Reste des Koninginndags aufräumten. Kurz vor Hoek van Holland machten wir Pause am Straßenrand, beobachtet von ein paar Ziegen, die auf dem Grünstreifen einer Industrieanlage grasten.

In Hoek van Holland war es Zeit für die Mittagspause, ein Fischbrötchen im Hafen, wo wir auch die Wasserflaschen nachfüllen konnten. Die Gegend ist sehr vertraut, da dort die Fähre nach Harwich abfährt, mit der wir schon des Öfteren unterwegs waren.  Dann ging es weiter Richtung Rotterdam, wo wir bei Freunden übernachten wollten. Wir riefen kurz an, um die ungefähre Ankunftszeit durchzugeben, wobei wir einen Riesenpuffer für eventuelle Irrwege einkalkulierten. Zum Glück ist der Weg gut ausgeschildert, so dass wir bequem an der Maas entlang durch Maassluis, wo die Fähre nach Hull abfährt, weiter nach Schiedam.

Dort begrüßt einen in der Ferne bereits die Skyline von Rotterdam – ein beeindruckendes Bild. Hier mussten wir den Fluss verlassen und uns in den Stadtverkehr stürzen. Vorher stärkten wir uns noch bei einer Bushaltestelle an der Hauptstraße (eine idyllischere Bank gab es leider nicht) mit unseren Notvorräten. Mir war wegen des Stadtverkehrs gar nicht wohl, ich bin halt eine Provinzpflanze. Peter versuchte mir Mut zu machen: „Das geht bestimmt gut, als wir das letzte Mal mit dem Auto hier waren, habe ich auf den Radwegen wenig Radfahrer gesehen.”- „Die werden schon wissen, warum“, unkte ich. Doch bis auf die zahlreichen roten Ampeln und offenen Brücken gab es keinerlei Probleme, und wir verfuhren uns auch kein einziges Mal. Das lag aber nicht an mir, denn ich wollte schon viel zu früh rechts abbiegen. Peter meinte: „Dass unsere Gastgeber am Wasser wohnen, hat nichts zu sagen. Hier ist überall Wasser.“

Dann erreichten wir die Erasmusbrücke. Die wollte ich schon länger mit dem Rad überqueren, und es hat wirklich was. Kurz vor dem Ende mussten wir eine Weile warten, um ein paar Schiffe vorbei zu lassen. Wenn der letzte Teil der Brücke offen ist, sieht das im wahrsten Sinne des Wortes schräg aus, wie man auf dem Foto sehen kann.

Dann ging es am Hotel New York vorbei zum Domizil unserer Freunde, wo wir mit einem wirklich leckeren Kaffee empfangen wurden – nach zwei kaffeelosen Tagen eine wahre Wohltat! Ich bin sowieso immer wieder begeistert von ihrer selbstverständlichen Gastfreundschaft, wie auch letzten Sommer, als wir unerwartet aus Dänemark zurück mussten.

Nach einem wunderbaren Abendessen machten wir noch einen Abendspaziergang und schlachteten dann eine Flasche Wein aus Brabant, die unser Gastgeber geschenkt gekriegt hatte. Erst waren wir etwas misstrauisch, aber er schmeckte gar nicht schlecht, Brabant liegt wohl noch südlich der Essiggrenze. Dann hatten wir die richtige Bettschwere und gingen schlafen.

Unser Freund wohnt noch nicht so lange in Rotterdam und fühlt sich immer noch ein bisschen als Tourist. Das ist manchmal sehr praktisch, denn er kam mit dem Vorschlag, mit dem „Wasserbus“ nach Alblasserdam zu fahren, dann nach Kinderdijk zu radeln, wo es von Windmühlen nur so wimmelt, und von dort aus den Weg am Lek entlang fort zu setzen. Er wollte uns bis Schoonhoven begleiten. Gesagt, getan, und wieder überquerten wir die Erasmusbrücke zur Schiffsanlegestelle. Auf der anderen Seite der „Nieuwe Maas“ lag das stolze Kreuzfahrtschiff „MS Rotterdam“ der Holland America Line vor Anker. Wir trafen zwei Kanandier, die mit diesem Schiff unterwegs waren und den Tag an Land für einen Ausflug nach Dordrecht nutzen wollten. Sie bewunderten unsere Fahrräder und fragten, ob sie denn auch einen Motor hatten. Nein, haben sie nicht. Dann kam der Wasserbus, ein Katamaran, und wir gingen an Bord. Schon bald ließen wir die Skyline der Stadt hinter uns.

In Alblasserdam verließen wir das Schiff und fuhren nach Kinderdijk. Dort führt der Weg auf einem Damm mitten im Fluss an zahlreichen Windmühlen vorbei. Naturgemäß waren auch sehr viele andere Touristen unterwegs, die meisten davon in Rudeln, so dass man nur schwer an ihnen vorbei kam.

Dann ging es am Lek entlang weiter. Wir waren wohl ein recht merkwürdiges Grüppchen: Vorneweg unser Gastgeber und Reiseführer auf seinem „Dienstfiets“, einem Klapprad, das er kostenlos im Zug mitnehmen darf, und dann wir mit Tourenrädern und Gepäck. Bei Gelkens nahmen wir die Flussfähre nach Schonhoven, wo wir am Hafen Mittagspause machten. Auf einer Bank neben uns polierte ein Herr liebevoll sein Motorrad. Auf unseren fangenden Blick erklärte er, dass es mittlerweile zu teuer sei, das Teil zu fahren. Aber der Mensch braucht ja schließlich ein Hobby.

Dann wurde es Zeit, sich zu verabschieden, unser Freund fuhr nach Gouda und vor dort mit dem Zug wieder nach Hause, und wir fuhren weiter am Lek entlang nach Osten. Auf dem Deich am Fluss entlangfahren macht richtig Spaß: auf der Flussseite des Deichs grasen Kühe, auf der anderen Seite stehen geduckte Häuser und blühende Obstbäume. Um welches Obst es sich handelt, kann ich allerdings erst im Herbst sagen. Hin und wieder fährt ein Schiff vorbei, es wird also nie langweilig.

Am späten Nachmittag kamen wir in Culemborg an und beschlossen, dass es für heute genug war. Wieder mal mussten wir vom Fluss weg, und nachdem wir uns erst in einem Neubaugebiet verfranzt hatten, fanden wir den Campingplatz  – direkt am Fluss. Dort wurden wir an den Hafenmeister verwiesen. Eine etwas zerstreute, aber sehr freundliche Indonesierin nahm uns im Empfang, und während Peter bei den Rädern blieb, ging ich zum Einchecken. Nach einer kurzen Führung durch die sanitären Anlagen nahm sie unsere Personalien auf. Doch das Bezahlen erwies sich als nicht so einfach: Erst suchte sie ihre Brille, die sich dann an der Innenseite ihres Stickjackenkragens fand, dann wurden Preislisten gewälzt. Da der Campingplatz erst seit diesem Jahr in den Zuständigkeitsbereich des Hafenmeisters fiel (früher hatte der Wassersportverein das geregelt), kannte sie sich noch nicht so gut aus. Wir waren die ersten Besucher mit Zelt, also musste erst einmal in den Unterlagen des Vorjahrs nach dem richtigen Tarif gesucht werden. Aber da stand nicht die richtige Touristensteuer, die war nämlich dieses Jahr erhöht worden. Also musste weitergesucht werden. Über die Geschäfte und Restaurants in der Stadt wusste sie aber ausgezeichnet Bescheid.

Als sie dienstfrei haate, stand dann vor ihrem Büro ein Schild, wann sie wieder da sei, mit dem netten Hinweis, die finger von der Uhr zu lassen, wenn man nicht der Hafenmeister sei:

Nach dem Aufbauen und Duschen begaben wir uns zu Fuß ins Zentrum zum Einkaufen. Culemborg ist ein nettes Städtchen mit einem historischen Stadtkern und erstaunlich wenig Kettengeschäften, dafür gibt es recht viele biologische Läden. Nach einem gemütlichen Essen beim Chinesen und ein paar Bierchen kehrten wir zurück zum Hafen, suchten uns eine Bank am Wasser und lasen Zeitung, bis es uns zu windig wurde. Dann verkrochen wir uns ins Zelt.

Zufrieden lag ich im Schlafsack und hörte den nächtlichen Geräuschen zu: In regelmäßigen Abständen fuhr ein Zug über die Eisenbahnbrücke, hin und wieder tuckerte ein Schiff vorbei und gelegentlich schnatterten ein paar Enten und sonstige Wasservögel. Irgendwann schlief ich ein.

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6 Gedanken zu „Frühjahrsradtour Niederlande 2012 – Teil 2

  1. Ich habe noch nie gezeltet. Wenn ich bei Dir lese, bedauere ich das sehr. Toll, dass ihr das macht und Du davon berichtest! Vielen Dank!
    Liebe Grüße,
    Elvira

    • Uns macht das Zelten (imer noch) viel Spaß, vielleicht klingt es deshalb auch so reizvoll. Aber nicht jedem liegt es, und es gibt einige Leute, die finden, dass wir einen Sprung in der Schüssel haben. 😉 Vielleicht gibt es ja für dich auch eine Möglichkeit, es auszuprobieren? Auf manchen Campingplätzen kann man Zelte mieten, und die sind auf jeden Fall größer und bequemer als unseres.

      • Das geht aus vielen Gründen leider nicht mehr. Aber ich lerne langsam, versäumten Dingen nicht mehr nachzutrauern. Dafür genieße ich es, bei anderen davon zu lesen!
        Ein schönes Wochenende und liebe Grüße von Elvira

      • Ja, manchmal ist das so. Ich habe mich inzwischen auch von ein paar Sachen verabschiedet, die ich gerne noch gemacht hätte.

        Aber ich werde auf jeden Fall noch von diversen Zeltabenteuern berichten – da gibt es noch einiges. Ein paar ältere Sachen befinden sich auch noch auf meiner Festplatte, aber ich komme nie dazu, sie einzustellen. Vor allem, da die dazugehörigen Fotos noch aus der Prä-Digital-Ära stammen und erst mal eingescannt werden müssten.

      • Ich habe ja letztens die Fotos unseres Katers aus dieser Ära gescannt – die Qualität solcher Bilder lässt nach dem Scannen leider meistens zu wünschen übrig. Dann heißt es, mit einem Bildbearbeitungsprogramm die gröbsten Fehler zu korrigieren. Ganz schön viel Aufwand!

  2. Pingback: Ostseeradtour 2015 – Teil 3 | Grenzwanderer

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