Frühjahrsradtour 2012 – Teil 3

Am nächsten Morgen war das Wetter etwas durchwachsen, aber trocken, und so konnten wir wie geplant losfahren. Wir setzten unsere Tour auf dem Deich fort und blieben erst mal am Südufer des Flusses, der inzwischen nicht mehr Lek, sondern Nederrijn hieß (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Niederrhein, der fließt woanders), um den Stadtverkehr von Arnhem zu vermeiden.

 Wie ich im zweiten Teil schon erwähnt hatte, macht das Fahren auf dem Flussdeich sehr viel Spaß, vorausgesetzt, man hat keinen Gegenwind, aber irgendwann machte sich ein menschliches Bedürfnis bemerkbar. Ich hätte mich gerne ins Gebüsch geschlagen, aber die einzigen Büsche, die es dort gab, waren in den Vorgärten an der Landseite des Deichs, auf der Flussseite konnte man kilometerweit alles überblicken und die Dörfer, durch die wir kamen, waren zu klein für öffentliche Örtchen. Und dass man die ganze Zeit Aussicht auf Wasser hat, hilft nicht wirklich. Aber endlich ergab sich eine Gelegenheit, und erleichtert setzte ich meinen Weg fort.

Gegen Mittag befanden wir uns gegenüber von Arnhem, wo sich Nederrijn und IJssel treffen. Dort mussten wir irgendwo auf die andere Seite, um ans Ostufer der IJssel zu kommen, aber wo? Sowohl die Schilder mit Ortschaften als auch die mit Knotenpunkten führten uns in die Irre.

Eigentlich ist das Knotenpunksystem ja recht praktisch: Das ganze Land ist mit einem Netz von solchen Punkten überzogen, und jeder führt wieder zu mehreren weiteren Knotenpunkten. Anhand einer Karte kann man sich also eine Strecke zusammenstellen und muss sich nur ein paar Zahlen merken, zumindest theoretisch. Praktisch funktioniert das Ganze manchmal sehr gut, aber wenn zwischendurch ein Schild fehlt, wird es kompliziert. und die Streckenführung von einem Punkt zum nächsten ist nicht immer logisch.

So einen Fall hatten wir hier, wir fuhren erst mal im Kreis. Ein freundlicher Herr erklärte uns, dass wir bei Huissen („Hüüssen“ ausgesprochen) mit einer Fußgängerfähre übersetzen konnten. Also fuhren wir nach Huissen. Inzwischen war es Essenszeit, und da die Bank unter einem Baum auf dem Marktplatz recht gemütlich aussah und es gegenüber einen Supermarkt gab, ging ich einkaufen. Während Peter auf mich wartete, konnte er gerade noch einen zurücksetzenden Lastwagenfahrer davor bewahren, ein Auto zu plätten, das sich während der Rückwärtsfahraktion auf einen Parkplatz geschmuggelt hatte.

 Als wir fertig gegessen hatten, wollten wir die Abfälle, wie es sich gehört, entsorgen, doch neben der Bank gab es keinen Papierkorb. Auf der anderen Straßenseite wurden wir schließlich fündig, ein eleganter Behälter, der sich perfekt in die Umgebung einfügte. Dazu Peter: „Den hat sicher wieder so ein Designkerl entworfen. Ganz hübsch, wenn man ihn findet. Öffentliche Papierkörbe müssen Groß und rot sein und mit einer vernünftigen Öffnung!“ So, Designer, jetzt wisst ihr’s!

 Bald darauf hatten wir die Fähre gefunden. Wie einige andere in dieser Gegend bietet sie Werbeflächen an und sucht nach Sponsoren, da sich die paar Radfahrer und Fußgänger zumindest in der Nebensaison nicht rechnen. Die Werbung ist für Touristen ganz praktisch, denn man kann sich dann in aller Ruhe informieren, wo das nächste Café und diverse Einkaufsmöglichkeiten, darunter auch ein Sanitärgeschäft, sind. Gerade für Radfahrer sind diese Fähren sehr wichtig, da sie uns viele zusätzliche Kilometer ersparen.

 Drüben angekommen folgten wir der IJssel nach Nordosten bis zum Campingplatz Lathum, der an einem See liegt. Beim Einchecken erklärte man uns den Weg zur Zeltwiese: „Draußen rechts und dann unter der Brücke durch am Sanitärgebäude vorbei.“ Eigentlich ganz einfach, nur war ich beim Wegfahren etwas abgelenkt. Ich fand zwar die Zeltwiese, aber zwischen ihr und mir befand sich eine Hecke. Also wieder zurück zum Eingang, wo ich auf Peter traf, der mich suchte: „Du sollst doch nicht wieder vom Gelände runterfahren!“

 Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und bauten auf. Danach gingen wir in der Snackbar etwas essen und machten anschließend einen Spaziergang über das Gelände. Es gibt dort einen Jachthafen und auf der anderen Seite der Straße eine Anlage mit Ferienwohnungen. Diese gefiel mir nicht besonders, sie hatte etwas von der Trostlosigkeit und Eintönigkeit noch nicht ganz fertiger Neubaugebiete, bei denen ich immer das Gefühl habe, nie wieder heraus zu kommen. Danach tranken wir noch ein Bierchen in der Bar und gingen schlafen.

 Am Morgen wurden wir von einem Enterich begrüßt, der neugierig in unser Zelt schaute. Als er sich aber beim Frühstück an meinem Müsli vergreifen wollte, ging mir das doch etwas weit und ich scheuchte den Herrn weg.

 

Wir fuhren recht früh los, und da der Wind uns immer noch wohlgesonnen war, erreichten wir gegen halb 12 die pittoreske Stadt Zutphen an der IJssel.

Dort suchten wir ein nettes Restaurant für das Mittagessen und besprachen den restlichen Verlauf der Tour. Da Wind und Wetter im Moment einfach perfekt waren und die Wettervorhersage für den nächsten Tag deutlich schlechter aussah, beschlossen wir, unterwegs nicht mehr zu übernachten, sondern in einem Rutsch nach Hause zu fahren.  Die Toilette des Restaurants war übrigens sehr interessant – sobald man saß, ging das Licht aus. Dann mussten wir die IJssel verlassen und fuhren durch die historische, kopfsteingepflasterte Innenstadt von Zutphen nach Osten.

Wir kamen zu der Schlussfolgerung, dass es eigentlich egal ist, ob man durch eine Großstadt wie Rotterdam fährt oder durch eine beschaulichere Ortschaft wie Zutphen, Städte sind immer Zeitfresser: rote Ampeln, Einbahnstraßen, Verkehrsberuhigungselemente, Stadtrandgebiete mit merkwürdiger Straßenführung und auf dem Radweg geparkte Autos halten den Betrieb auf. Aber bald hatten wir die Stadt hinter uns gelassen und fuhren über ruhige, von Bäumen gesäumte Straßen weiter.

 Der Rest der Strecke verlief ohne besondere Vorkommnisse. Gelegentlich machten wir Rast auf einer Bank, und in Boekelo gönnten wir uns ein Eis. Dann kamen wir an der Brauerei vorbei, von wo aus es nur noch ein paar Kilometer bis nach Hause waren.

Es war eine rundum gelungene Tour mit wenig Pannen, viel Spaß und vielen neuen Eindrücken. Und ungefähr 420 Kilometer in sechs Tagen ist doch gar nicht schlecht, oder?

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