Das Runde muss ins Eckige – Fußballgedanken aller Art

Wer mich kennt, weiß ja, dass ich normalerweise mit Fußball nicht allzuviel am Hut habe, von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen.

Vor ein paar Jahren zum Beispiel, als wir gerade in Kopenhagen waren, fand dort die Fußball-WM der Obdachlosen statt, und das war echt lustig. Auf dem Marktplatz waren ein paar kleine Spielfelder abgesteckt, jede Mannschaft bestand aus drei Spielern und einem Torwart und ein Spiel dauerte zwei mal sieben Minuten. Also wunderbar übersichtlich, das Ganze. Außerdem ging es auf dem Spielfeld so richtig rund, alle paar Minuten wurde der Ball ins Tor gesemmelt! Nur bei einem Spiel dachte ich:  „Was ist das denn für ein zähes Gekicke“, während der Kommentator den Spielern ein „fast schon professionelles Niveau“ bescheinigte. Ich denke, das illustiriert ganz gut, warum ich dem Profifußball nicht allzuviel abgewinnen kann und das Gedöns eher meide.

Aber morgen fängt ja die EM (nicht die der Obdachlosen, sondern der““richtigen“ Profis) an, und da schafft man es beim besten Willen nicht, dem Fußball zu entgehen, zumindest, wenn man in den Niederlanden wohnt. Meistens werden schon einige Wochen vorher ganze Straßen mit Flaggen, aufblasbaren Figuren und ähnlichen Utensilien dekoriert – in leuchtendem Orange natürlich. In allen Medien, in der Arbeit und auf der Straße wird „het Elftal“ ausführlich diskutiert, und Fanartikel aller Art tauchen überall auf, wie z. B. die „Glücksvögel“ zum Sammeln  in unserem Supermarkt,  die ich den Kindern in der Nachbarschaft abtrete.

Die Frage, ob Robin van Persie oder Klaas Jan Huntelaar bei der EM ran dürfen, nimmt in unserer Zeitung einen breiten Raum ein. Warum lässt Van Marwijk die beiden nicht einfach abwechselnd spielen? Dann sind sie auch insgesamt fitter, und schließlich ist Fußball ein Mannschaftssport. Wenn die Herrren alles alleine machen wollen, hätten sie vielleicht besser Golf spielen sollen. Aus irgendwelchen Gründen will keiner den Job des „Banksitzers“ machen. Ob ich mich da mal bewerben sollte? Ich kann sehr gut auf der Bank sitzen, während die anderen übers Feld rennen, und ich würde es auch für weniger Geld machen. Damit wäre doch allen geholfen!

Aber abgesehen von den Medien scheint man dieses Jahr etwas fußballmüde zu sein. Anstatt ganzer Straßen sind nur einzelne Häuser orange dekoriert, Karten für die Gruppenspiele werden zu Schleuderpreisen im Netz angeboten und auch beim @heinzi-Tippspiel trudeln die Tipps erst jetzt langsam ein. Im Vergleich zu vergangenen Jahren fehlt etwas der Schwung.

Selbstverständlich habe ich auch diesmal meine von nicht allzuviel Sachkenntnis getrübten Tipps abgegeben. In meiner Weisheit und Weitsicht habe ich beschlossen, dass Irland Europmeister wird und drücke den „Boys in Green“ eifrig die Daumen.  Vielleicht sollte ich unser Haus noch mit grünen Flaggen, Shamrocks, Leprechauns und Guinnesharfen dekorieren?

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag, Typisch Nederlands - typisch deutsch (?), Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past | Schlagwörter: , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Das Runde muss ins Eckige – Fußballgedanken aller Art

  1. Zur WM 2006 hatte ich eine Fahne auf dem Balkon augespannt – in Originalgröße – eine australische 😮

  2. Auch hier in Hannover sehe ich viel weniger Fähnchen und Flaggen als 2010 und 2006. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das noch wenn „Schland“ heute Abend gegen Portugal gewinnt …

    • Mal gucken, ob sie gewinnen. Die Niederländer haben es ja gegen die Dänen nicht geschafft, dabei hatte ich beim Tippspiel auf sie gewettet.

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