Vor dem Spiel ist nach dem Spiel, oder so ähnlich – Fußballbeobachtungen

Selbst einen bekennenden Fußballmuffel wie mich kann es zu einem Public Viewing verschlagen. Mit einigen Kollgen wollte ich gestern zum Marktplatz gehen, um mir das Spiel Niederlande – Deutschland anzuschauen. Der Gatte ging nicht mit, er weilte auf einem Kongress in Rotterdam. Im Vorfeld wurde ich immer wieder gefragt, für wen ich jetzt eigentlich bin.  Beim Tippspiel hatte ich die salomonische Lösung des Unentschiedens gewählt, und wenn es soweit ist, würde ich mich zurücklehnen und abwarten: Möge der Bessere gewinnen.

Da mein Kurs etwas länger dauerte, waren die meisten Kollegen schon vorgegangen, nur einer war noch da, und wir dackelten gemeinsam ins Zentrum. Wir wussten zwar, dass die Kollegen in Orange gewandet waren, aber ein Blick über den bereits recht vollen Platz machte deutlich, dass und das bei der Identifizierung nicht wirklich helfen würde. Da wir beide keine Lust hatten, uns durch die Menschenmassen zu wühlen, suchten wir uns ein Plätzchen am Rand, wo wir das Geschehen einigermaßen gut beobachten konnten. Die Kollegen würden auch ohne uns auskommen.

Als erstes fiel uns auf, dass es tatsächlich in dem Meer von Orange einige schwarz-tot-goldene Akzente gab: Einige Zuschauer hatten sich die deutsche Flagge umgehängt oder auf die Wangen gemalt, und ein Mädchen trug zu einem orangefarbenen Oberteil einen schwarz-rot-goldenen Hut. Schön! Die Stimmung auf dem Marktplatz war sowieso recht gemütlich.

Als das erste Tor für Deutschland fiel, klatschten auch zahlreiche Oranje-Fans, und auch mein Kollege nahm es gelassen. Er hat mit Fußball ähnlich viel am Hut wie ich und war auch nur wegen der „Gezelligheid“ mitgegangen. Gemeinsam kommentierten wir fachmännisch das Geschehen.

Ich: „Van Marwijk schaut aber nicht gerade fröhlich.“ -Er: „Wundert dich das?“ – Ich: „Nicht wirklich.“

Dann fiel das zweite Tor, die Menge wurde stiller, und die ersten Leute machten sich auf die Socken. Zur Halbzeit beschlossen auch wir, uns auf die Socken zu machen und den Rest gemütlich vor dem heimischen Fernseher anzuschauen, dieses lange Stehen ist irgenwie nicht mehr ganz das Wahre.

Ein Tor schafften die Niederländer ja noch, und ich hätte ihnen auch noch ein weiteres gegönnt, damit beim Tippspiel, wo ich gerade zusammen mit halea die rote Laterne trage, wenigstens noch ein Punkt für mich rausspringt. Aber es hat nicht sollen sein.

Am nächsten Morgen nahmen meine Kollegen es sportlich und gratulierten mir. Ein Kursteilnehmer aus dem Irak teilte mir mit, dass es ihm schlecht gehe, da Oranje verloren hat. Na prima, dann braucht er eigentlich gar keine Einbürgerungsprüfung mehr zu machen!

In der Zeitung stand übrigens ein Bericht von einer Kneipe in Gildehaus, in der Deutsche und Niederländer gemeinsam das Spiel geschaut, sich miteinander gefreut und gegenseitig getröstet haben. Ein gemischtes Ehepaar sagte: „Heute gewinnen wir auf jeden Fall!“ Genauso soll es auch sein.

Zum Schluss noch ein Witz, der momentan im Internet kursiert: Welche Tiere schießen keine Tore? – Robben.

Also, ich find’s lustig.

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