52 Bücher (34) – „e“ von Matt Beaumont

Eingentlich wollte das Fellmonster dieses Mal aus aktuellem Anlass das Thema „Müdigkeit“ nehmen. Kann ich gut verstehen, müde bin ich im Moment auch. Es wird wohl am Wetter liegen, das sich zur Zeit höchtst seltsam benimmt. Zu diesem Thema hätte ich das Buch „Nooit meer slapen (Nie mehr schlafen)“ von W. F. Hermans oder „White Nights (Der längste Tag)“ von Ann Cleeves vorgestellt.

Aber das dieswöchige Motto lautet „Ein Buch, bei dem du nur lachen kannst„. Das Fellmonster stellt die „Dilbert“-Comics vor, die den Büro-Wahnsinn zum Thema haben. Um eben diesen geht es auch im Roman „e“ (deutscher Titel „E-Mail an alle“) von Matt Beaumont (London, 2000):

Der Roman spielt Anfang 2000 in der Londoner Werbeagentur Miller-Shanks und ist komplett in E-Mails geschrieben.

Direktor  David Crutton möchte, dass seine Agentur den Auftrag für eine groß angelegte Werbekampagne für Coca Cola an Land zieht. Aber leider fehlt den Mitarbeitern die zündende Idee. Die Sache wird dadurch nicht leichter, dass sie mit einer Menge anderen Dingen beschäftigt sind: Liam flirtet mit der hübschen Sekretärin Lorraine, Vince und Brett bereiten sich auf den Dreh für einen Erotik-Sender auf Mauritius vor und haben nur Sonne, Strand und Titten im Kopf, die alternative Pinki fragt sich, ob Werbung für einen kapitalistischen Konzern wie Coca Cola mit ihren Grundsätzen vereinbar ist etc.

Creative Director Simon Horne hat früher diverse Preise gewonnen, aber inzwischen ruht er sich auf diesen Lorbeeren aus, und wenn es kritisch wird, schreckt er nicht davor zurück, die Entwürfe anderer Teams zu „guttenbergen“. Ansonsten glänzt er vor allem durch Abwesenheit, außer dort, wo er nicht gebraucht wird. Da hält er sich für unabkömmlich und stiftet vor allem Chaos, z.B. auf Mauritius.

Außerdem tragen  einige Sekretärinnen ihren Zickenkrieg und ihre Intrigen per Mail und bevorzugt mit Blindkopie an die Personalabteilung aus, und Nigel Godley aus der buchhaltung kriegt fast alles in den falschen Hals.

Dazu kommen die Schwierigkeiten, die der cholerische David Crutton mit seinem Computer hat: Seine „motivierenden“ E-Mails gehen nämlich allesamt auch an die Miller-Shanks-Zweigstelle in Helsinki und werden vom dortigen Direktor Pertti van Helden fröhlich in herrlich verkorkstem Englisch kommentiert: „So you await for your Coca Cola documantation? Oh, how I sympathize with your plight! Before Christmas already I am asking for new lightbulbs in the executive toilet and still I am dangling. [….]“ (S. 36) David Cruttons Laune wird dadurch natürlich nicht besser, und als Pertti beschließt, ihm bei der Coca-Cola-Kampagne zu helfen, obwohl niemand ihn darum gebeten hat, ist das Maß voll.

Das Buch ist richtig komisch, oft habe ich beim Lesen laut losgeprustet. Aber manchmal ist mir das Lachen doch im Hals steckengeblieben, da vieles einen hohen Wiedererkennungswert hat. In vielen Firmen geht es ähnlich zu, wie die Reaktion einer Foristin bei @heinzi zeigt: „Hat der etwa unseren Mailserver angezapft?!“

Es gibt auch eine Fortseztung mit dem Titel „e²“, in dem er auch Chats, SMS und Blogs verbrät. Aber wie viele Fortsetzungen ist sie nicht ganz so gut wie der erste Band. Das liegt sicher auch daran, dass Pertti erst relativ spät auftaucht.

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3 Gedanken zu „52 Bücher (34) – „e“ von Matt Beaumont

  1. Das Buch kenne ich auch, fand ich auch sehr amüsant, ein Wiedererkennungseffekt an der ein oder anderen Ecke kann ich nicht leugnen, wobei es in „meiner“ Anstalt zum Glück nicht so schickimickimäßig zugeht, ist halt ein Industriebetrieb…

  2. RA-St.

    Mit vielen Jahren in der „new economy“ auf dem Buckel kann ich nur sagen: yep – so isses! So absurd man etwas auch beschreiben mag: Es gibt nichts, was nicht auch so schon dagewesen wäre. Das ist sehr heiter und zeigt zudem, wie dekadent wir untergehen werden 😉

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