Die Holländer können doch sowieso alle Deutsch

Zu diesem Thema gab es neulich eine interessante Diskussion bei @heinzi, meinem Stammforum.

Eine Userin plant eine Amsterdamreise mit ihren Kindern und möchte sich für sie eine Art Stadtspiel ausdenken, bei dem die Kids mit Zettel und Stift bewaffnet verschiedene Dinge herausfinden sollen. Das hat sie schon mit viel Erfolg in Wien gemacht. Eine Teilnehmerin, die lange in Amsterdam gelebt hat, gab ihr folgenden Rat: „Allerdings bitte ich zu bedenken, dass man im Gegensatz zu Wien in Amsterdam Niederländisch spricht und gerade Amsterdamer recht schnippisch werden können, wenn man sie einfach auf Deutsch anspricht. […] Wenn man am Akzent hört, dass ihr Deutsche seid, wird man bestimmt auf Deutsch umschalten. Es wird nur als extrem unhöflich betrachtet, jemanden gleich auf Deutsch anzusprechen.
Bringe deinen Kindern
bitte – alstublieft (ausgesprochen astublieft)
danke – bedankt
auf Wiedersehen – dag (daaaach)
darf ich Sie etwas fragen/darf ich Sie eben mal stören – mag (mach) ik even (effe) wat vragen (frachen)
bei und man wird entzückt sein.“

Die Userin, die die Frage gestellt hatte, war begeistert und beschloss, gleich mit dem Nachwuchs zu üben. Eine andere sah das jedoch nicht so ganz ein: „Warum eigentlich? Nicht jeder, der Amsterdam besucht, spricht niederländisch oder lernt es einfach dafür. […] Man denkt halt automatisch, daß alle Niederländer auch Deutsch können.“

Den Satz „Die meisten Holländer können doch Deutsch“ hört man ziemlich oft, nicht nur in besagter Forendiskussion. Häufig ist es auch so. Dennoch finde ich, dass man daraus nicht einfach ableiten sollte, dass man sofort auf Deutsch loslegen kann. Es erwartet auch niemand, dass man die Landessprache perfekt können muss, wenn man ins Ausland reist, aber ein paar Floskeln sollte man sich vielleicht doch aneignen. Und wenn man dann, wie ich einmal in Dänemark, zugeben muss, dass man nicht viel mehr als die Frage nach dem Postamt beherrscht, kann man ja immer noch auf Englisch oder sogar auf Deutsch weitermachen.

Manchmal möchte das Gegenüber auch gern Deutsch sprechen, sei es, um zu üben, sei es, um zu zeigen, dass man seine Fremdsprachen gelernt hat. Ich hatte einmal in einer Boutique in meinem besten Niederländisch nach der Waschanleitung für einen Pullover gefragt. Darauf die Verkäuferin: „Können wir vielleicht Deutsch reden? Ich sprech ganz gut Deutsch – glaube ich.“ Das fand ich richtig goldig, und selbstverständlich haben wir uns dann auf Deutsch weiter unterhalten.

Zwei nette Besipiele aus der Dikussion zeigen, dass man es auch in Deutschland schätzt, wenn Touristen zumindest einen Versuch mit der Sprache machen:

„Selber finde ich es auch befremdlich, wenn ich vor meiner Haustür von z.B. Italienern/Spaniern u.ä. in deren Landessprache angeschrien werde. Erstaunt war ich vor einigen Wochen über ein Rudel Japaner. Ich wurde in grammatikalisch korrektem Deutsch mit phantastischer Aussprache nach dem Weg gefragt. Obwohl ich mich sehr bemüht habe, Hochdeutsch zu sprechen (wer mich kennt, weiß, dass das bei mir nicht immer üblich ist), haben die Japaner nichts oder nicht viel verstanden. Auf Englisch gings dann sehr gut. Gefreut hat es mich trotzdem, dass sie zumindest Interesse zeigten und sich Mühe gaben. „

Und:

„Ich habe mal eine Weile in Köln gearbeitet und hatte da wohl häufiger ein „Frag mich doch Gesicht“ aufgesetzt. Wenn mich jemand auf englisch oder einer anderen Sprache angesprochen hat, ohne mich zu fragen ob ich diese Sprache beherrsche, habe ich auch schon mal angesäuert reagiert. Zum Beispiel habe ich auf der Domplatte einem Amerikaner auf die Frage, „ob das der Dom sei“ geantwortet, das sei eine relativ kleine Kirche und der Dom sei viel größer. Wenn mir aber jemand in radebrechendem Deutsch einen „guttehntaag“ gewünscht und „inglisch specken?“ gefragt hat, habe ich immer gerne Auskunft gegeben. Der Versuch, die Tageszeit und ein paar Floskeln in der Landessprache zu können, hat mir schon viele Türen geöffnet. „

Genauso ist es, wie ich auch auf diversen Reisen feststellen durfte. Aber es geht nicht nur um den pragmatischen Aspekt. Wenn man sich ein bisschen in die Fremdsprache vertieft hat und dann in Norwegen lesen kann, dass das Eis „mit Liebe zubereitet“ wurde, schmeckt es einem doch gleich viel besser. Falls ich allerdings mal auf die Idee kommen sollte, nach China zu fahren, dürfte das Ganze schon deutlich schwieriger werden. 😉

Foto (c) by Rike, www.pixelio.de

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Kategorien: Typisch Nederlands - typisch deutsch (?) | Schlagwörter: , , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Die Holländer können doch sowieso alle Deutsch

  1. Meinem Mann machte es immer großen Spaß ein paar Grundbegriffe zu lernen – allerdings ist er auch sehr sprachbegabt. In Griechenland und der Türkei versuchte er stets alles Geschriebene zu verstehen. Die einfachsten Sätze halbwegs zu beherrschen empfinde ich auch als respektvolle Geste den Gastgebern gegenüber.

    • Genauso sehe ich das auch. Und meist wird es auch geschätzt, dass man sich Mühe gibt. In Norwegen war man immer sehr entgegenkommend, wenn ich mit meinem Basis-Touristennorwegisch rumgestöpselt habe. Einmal wurde ich gefragt: „Er du Tysk? – Bist du Deutsche?“, aber die Wegbeschreibung zum Campingplatz erfolgte doch in langsamem, deutlichen Norwegisch. Ich fand das toll, und als wir den Platz auch gleich beim ersten Anlauf gefunden haben, war ich richtig stolz.

  2. Ein schöner Artikel! Im Grunde geht es bei diesem Thema gar nicht um gute und weniger gute Sprachkenntnisse, sondern um elementare Höflichkeit. Im Ausland einfach in der eigenen Sprache drauf los zu plappern finde ich einfach respektlos. Mir ist es, als ich noch in Den Haag lebte, leider häufiger mal passiert, dass mich deutsche Touristen direkt auf Deutsch angequatscht haben („Sagen Sie mal, wo ist hier der nächste Supermarkt?“). In solchen Fällen habe ich dann plötzlich komischerweise gar kein Deutsch mehr gekonnt …

    • *grins* Ich konnte bei meinen ersten Besuchen hier noch fast gar kein Niederländisch. Da habe ich es nach der Begrüßung immer mit Englisch versucht. Da hatte ich das Gefühl, dass man sich auf halbem Weg trifft. Einfach auf Deutsch loszulegen, wäre mir nie eingefallen. Obwohl, einmal in Dänmark, aber da war ich noch in der Grundschule, wenn ich mich richtig erinnere.

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