52 Bücher (46) – „Candlenight“ von Phil Rickman

Diese Woche ist das Motto mal wieder ein optisches Kriterium: Das grünste Buch in meinem Bücherschrank. Vielleicht sollte ich meinen Bücherschrank mal nach Farben sortieren, das wäre sicher interessant. Beim Durchforsten stieß ich auf diverse grüne Bücher, und nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Josie Dews „Slow Coast Home“ (sogar signiert!) und Phil Rickmans Erstling „Candlenight“ (London, 1991) fiel meine Wahl auf letzterers, da ich davon den Inhalt noch besser im Kopf habe. Grün genug ist es auf jeden Fall:

Der Roman spielt im Westen von Wales, wo sich die eingesessenen Waliser und die zugereisten Engländer nicht besonders grün sind (no pun intended). Das Problem, das von allem wohlhabende Londoner sich in Wales ein zweites Haus kaufen, das die meiste Zeit leersteht, und so die Preise für die Einheimischen in die Höhe treiben, wird von Rickman auch in anderen Romanen angesprochen. Im fiktiven Dorf Y Groes (Das Kreuz) mitten im Wald, wo der Strom oft ausfällt, die Bewohner verschlossen und unfreundlich sind und wo die „canwyll gorff“, die Todeskerze auf dem Friedhof, bevorstehende Todesfälle ankündigt, ist dies jedoch kein Problem. Obwohl die Gegend schön und die Luft gesünder ist als anderswo, schaffen es die Bewohner, unter sich zu bleiben.

Dies ändert sich, als Giles und Claire Freeman aus London nach Y Groes kommen, da Claire das Haus ihres Großvaters Rhys geerbt hat, den sie kaum kannte, da ihre Mutter schon früh das Dorf verlassen und den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen hatte. Vor allem der Journalist Giles freut sich auf den Tapetenwechsel, und beide tun ihr Bestes, um sich in die Dorfgemeinschaft einzufügen. Sie nehmen auch bei der Dorfschullehrerin Bethan Walisischstuden. Doch so sehr Giles sich auch bemüht, er bekommt einfach keinen Zugang zu der Sprache und zur Bevölkerung, die ihm auch seine Integrationsversuche übel zu nehmen scheint.

Anders ist es bei Claire: Das Lernen der Sprache fällt ihr leicht, und aufgrund ihrer walisischen Wurzeln wird sie schnell akzeptiert. Mit ihr vollzieht sich eine unheimliche Wandlung: Aus der etwas unsicheren, aber auch modebewussten und fröhlichen Frau wird im Laufe der Monate eine strenge, hochmütige, extrem sparsame Dame. Sie fügt sich in den Kreis der Dorffrauen ein und besucht deren Treffen, bei denen geheimnisvolle Rituale ausgeübt werden. In der Zwischenzeit geht es mit Giles‘ Gesundheit bergab.

Eine weitere Außenseiterin, zumindest teilweise, ist die Lehrerin Bethan, die zwar in Y Groes geboren ist und dort unterrichtet, aber in der nächsten Ortschaft wohnt. Giles‘ Geschichte erinnert sie an ihren Mann, der in Y Groes gestorben war, aber „he was only English“, wie ihre Schulkinder sagen. Gemeinsam mit Giles‘ Freund und Kollegen Berry Morelli versucht sie, gegen die bösen Mächte im Dorf zu kämpfen, wobei sie später auch der etwas schrullige Kommissar Gwyn Arthur Jones unterstützt.

Man merkt schon, dass es sich bei diesem Roman um Phil Rickmans Erstlingswerk handelt, denn es ist noch nicht ganz so packend und sprachlich ausgefeilt wie seine späteren Romane, aber dennoch ist es eine spannende und atmospärisch dichte Geschichte. Die Angst und das Grauen kommen nicht mit dem Holzhammer, sondern schleichend und lassen einen so schnell nicht mehr los.

Was mich an Rickmans Gesamtwerk so fasziniert, sind nicht nur die Themen und die Tatsache, dass die meisten Romane im Grenzland spielen, sondern auch die „Crossovers“ von verschienden Figuren. So taucht z. B. der pensionierte Pfarrer Alexander Peters zusammen mit seiner Tochter Fay in „Crybbe“ wieder auf, wo auch ein gewisser Max Goff eine wichtige Rolle spielt, der wiederum die tragischen Ereignisse von „December“ ins Rollen bringt, und einige der Figuren dieses Romans tauchen auch später in den „Merrily-Watkins“-Romanen auf. Ebenso macht der ermittelnde Kommissar Gwyn Arthur Jones am Ende von „A Crown of Lights“ seine Aufwartung und bildet so ein weiteres Bindeglied zu den Merrily-Büchern. Aber das ist wohl ein eigenes Thema.

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5 Gedanken zu „52 Bücher (46) – „Candlenight“ von Phil Rickman

  1. Das ist ein sehr schönes Cover. Ich gebe ja zu, dass ich schon manchmal nach Cover kaufe, zumindest, wenn mich auch die Inhaltsangabe neugierig macht…

    • Das mache ich auch manchmal. Bei einigen Rickmann-Romanen gibt es mehrere Cover, und ich wollte eigentlich, dass sie alle einheitlich sind, hat aber nicht ganz geklappt. Aber was schlimmer ist: er hat ziwschendurch den Verlag gewechselt, und jetzt stimmt die Buchgröße nicht mehr!

  2. Das klingt, als würde es mir gefallen. Allerdings müsste ich nach einer Übersetzung schauen. Ich schaffe es leider nicht, einen Roman komplett in Englisch zu lesen… 😦

    • Bis jetzt wurde von Rickman, so viel ich weiß, nur die Merrily-Watkins-Reihe übersetzt. Das Frühwerk gibt es leider im Moment nur im Original. Aber vielleicht kommt das ja noch.

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