Chiemgauer Streifzüge – Teil 1

Da wir in den Sommerferien sowieso in der alten Heimat waren, fuhren wir Mitte August mit dem Auto für ein paar Tage an den Chiemsee. Ich hatte ein paar Campingplätze aufgeschrieben, davon einen in Prien direkt am Seeufer. Diesen steuerten wir als erstes an. Doch obwohl es erst halb 12 war, war die Schlange an der Rezeption recht lang. Wir hofften, dass es sich um Leute handelte, die auschecken wollten, doch schon nach kurzer Zeit wurde deutlich, dass das nicht immer der Fall war. Und das bisschen, was man am Eingang vom Platz sehen konnte, gefiel uns nicht besonders. Also schlug ich Peter vor, dass er sich schon mal auf dem Platz umschauen sollte, während ich wartete. Vielleicht war der Rest ja schöner. Doch als er zurückkam, bestätigte er den ersten Eindruck: Voll, winzige Zeltwiese, steiniger Untergrund, und WC-Papier schien es dort auch nicht zu geben.

Also der nächste Platz, wir hatten ja noch genug Alternativen. Beim „Hofbauern“ wurden wir freundlich empfangen und bekamen eine Parzelle zugewiesen. Gut, der Platz lag zwar nicht direkt am Seeufer, aber dafür hatte man genug Platz und moderne Sanitäranlagen *mit* Papier. Und auf der Weise nebenan grasten Schafe.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Da es ein ganz schöner Fußmarsch ins Zentrum war, beschlossen wir, heute noch Fahrräder zu mieten. Beim Femdenverkehrsamt stellten wir erfreut fest, dass es dort zahlreiche Fahrradkarten und eine Liste mit Fahrradvermietern gab. Und die freundliche Dame gab uns auch gleich die Fahrpläne für die Schiffe und den Fahrradbus, der mehrmals am Tag den Chiemsee umrundet, dazu. Gut zu wissen, dass es so etwas gibt.

Der erste Fahrradhändler gegenüber hatte alle Räder für die ganze Woche verliehen udn der zweite beim Bahnhof „könnte vielleicht morgen wieder zwei haben, aber nur vielleicht.“ Man merkte halt doch, dass es Hochsaison war. Da wir noch ein paar Adressen hatten, ließen wir uns nicht entmutigen. Das dritte Fahrradgeschäft lag nicht ganz so zentral, und der Inhaber, eine bayrische Ausgabe von Vatter Thiel aus dem Münster-Tatort, zeigte uns ein paar, die wir ausprobieren konnten. Allerdings hatte er keine Damenfahrräder, aber das war nicht so tragisch. Beim Auf- und Absteigen musste ich halt etwas aufpassen, genauso wie unser Mitbewohner, der es sich nicht nehmen ließ, das Rad zu testen:

Nachdem wir unsere Wahl getroffen hatten, mussten wir noch etwas warten, denn Vatter Thiel war in eine hitzige Diskussion mit einem Interessenten am Telefon verwickelt: „Naa, Sie wiss’n nix, und Sie kennan a nix wiss’n! Sie miass’n scho vorbeikemma und Si des oschaug’n.“ Dann erklärte er uns stolz, dass seine Räder mit absolut pannensicheren Reifen der Marke „Dutch Perfect“ ausgestattet seien, sogar noch besser als die von Schwalbe. Einen Platten würden wir also nicht kriegen. Wir waren gespannt. Da es schon spät am Nachmittag war, mussten wir den heutigen Tag nicht mehr bezahlen.

Auf dem Fahrrad kam sofort das richtige Urlaubsgefühl auf, und so fuhren wir nach dem Einkaufen noch an den See, um den Abend zu genießen.

Am nächsten Morgen wollten wir zum Schloss Hohenaschau, wo meine Eltern mit uns einmal Urlaub gemacht hatten, als wir klein waren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir ein riesiges Zimmer mit Deckenbemalung hatten und dass die Toilette in einem der kleinen Türmchen untergebracht war. Wenn ich nachts dorthin musste, war ich immer hin und her gerissen zwischen der Hoffnung, einem Gespenst zu begegnen, und der Angst davor. Gesehen habe ich nie eins…

Wir nahmen die Abzweigung nach Urschalling, doch der Weg wurde bald so steil, dass wir beide absteigen mussten. Nun finde ich das normal, so etwas passier tmir dauernd, aber der Gatte schien es als persönliche Beleidigung aufzufassen. In Hittenkirchen beschlossen wir dann, zur Hauptstraße zwischen Bernau und Aschau zu fahren, die hoffentlich etwas flacher war.

Gut, es ging relativ gemäßigt bergauf, war aber doch anstrengend, denn gut 70 Höhenmeter wollen ja schließlich überwunden werden. Nach einer Biegung thronte plötzlich das Schloss auf seinem Felsen vor der Kampenwand, ein Anblick, der die Mühen wieder wett macht.

In Aschau gönnten wir uns erst einmal ein Mittagessen und sahen uns im Ort um:

Dann fuhren wir ein Stück den Schlossberg hoch, doch bald mussten wir die Räder zurücklassen und laufen. Oben hatten wir noch Zeit, das Museum zu besichtigen, und dann wurden wir von Franz für die Schlossbesichtigung in Empfang genommen.Wir gingen erst in den Schlosshof, wo sich im Hintergrund die Kampenwand erhebt.

Dann besichtigten wir die Kapelle und gingen dann durch den Keller, wo einige Kinder aus der Gruppe Franz helfen durften, verschiedene Folterwerkzeuge zu demonstrieren. Dann ging es durch verschiedene, mit viel Stuck verzierte Räume und  das Gartenzimmer, in dem, mangels Platz für einen echten Garten, verschiedene Gärten an die Wände gemalt waren.

Zum Schluss ging es durch den Rittersaal. Vor dieser schweren Tür standen mein Bruder und ich während des Urlaubs oft, doch sie war immer verschlossen. Aber diesmal durften wir leider nicht in den Besuchertrakt.

Danach gingen wir zu unseren Fahrrädern und sausten mit Schwung hinunter nach Bernau, von wo aus wir am Chiemseeufr zurück nach Prien fahren konnten.

Als wir auf dem Campingplatz unseren Aufenthalt verlängern wollten, teilte der Herr an der Rezeption uns mit, dass wir nicht existierten. Na sowas! Nach einer Weile fanden wir des Rätsels Lösung: er hatte sich bei der Eingabe der Daten in den Computer verschrieben. Danch fuhren wir noch zum Eisessen in die Stadt.

In der Nacht wurde ich wach und konnte nicht mehr einschlafen, da es ziemlich heiß und stickig war. Ich fragte Peter, ob er mir nicht mit einem Palmwedel Luft zufächeln wollte. Wollte er aber nicht. Außerdem hatten wir keinen Palmwedel. Irgendwann schlief ich dann doch wieder ein.

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Kategorien: Streifzüge | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Chiemgauer Streifzüge – Teil 1

  1. Kilpikonna

    Schade, ich hatte gedacht, Ihr hättet Euch selber in Campingplatzgespenster verwandelt und deswegen nicht existent. Aber ein Tippfehler ist für Euch vermutlich doch die bessere Auflösung der rätselhaften Situation…

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