Chiemgauer Streifzüge – Teil 3

Wir hatten gut geschlafen, da es nachts trocken geblieben war. Nach dem Frühstück brachen wir zu einer weiteren Radtour auf. Wir folgten dem Südufer des Chiemsees, von dem wir am Vortag wegen des Schietwetters nicht allzuviel gesehen hatten, und wollten bei Übersee auf den Radweg entlang der Tiroler Ache abbiegen. Wie gesagt – wollten, denn das ging natürlich nicht ohne die üblichen Schwierigkeiten.

Beim Überqueren der Straße in der Nähe von Bernau ging der Radweg sowohl versetzt geradeaus als auch nach links weiter. Ich hatte ein bisschen vor mich hin getrödelt  und nicht aufgepasst, und so kam es, dass Peter links abbog und ich geradeaus weiterfuhr. Schön war es da schon, nur Peter war nirgends zu sehen. Für solche Fälle haben wir die Abmachung, dass wir zurück zu dem Punkt fahren, wo wir uns zuletzt gesehen haben. Peter tat dies auch brav, aber ich fuhr dorthin, wo er meiner Meinung nach hätte sein sollen. So konnte das ja nichts werden. Dank der Tatsache, dass wir beide die Handys dabeihatten, konnten wir bald wieder gemeinsam weiterfahren. So war dieses Gerät, mit dem ich mich bie heute nicht richtig anfreunden konnte, doch mal zu etwas gut.

Das Abbiegen auf den Radweg an der Tiroler Ache klappte natürlich auch nicht, da wir uns in Übersee verfranzten und auf die Hauptstraße nach Grassau gerieten. Dem Gatten war das wurscht, schließlich wollten wir ja dort Mittag essen. Aber ich fahre nicht gern auf Hauptstraßen und bestand darauf, bei der nächsten Gelegenheit links abzubiegen, da wir laut meinem Instinkt dann auf den Fluss stoßen müssten. Peter traute dem zwar nicht ganz, gab aber nach, und als wir an em idyllischen Dörfchen Almau vorbeikamen, wussten wir, dass wir richtig waren.

Und man muss doch zugeben, dass so ein Flussradweg viel schöner ist als eine Hauptstraße:

In Grassau fanden wir einen netten Biergarten zum Mittagessen und schrieben dort auch ein paar Postkarten. Dann fuhren wir durch das Moorgebiet „Kendelmühlfilzen“ wieder zurück.

Wir kamen noch am Bayerischen Moor- und Torfmuseum vorbei, das ich gerne besichtig hätte, doch leider war es an diesem Tag geschlossen.

Am Spätnachmittag hatten wir unsere Runde beendet und brachten die Räder zurück. Die „Dutch-Perfect“-Reifen hatten ihr Versprechen gehalten, wir hatten tatsáchlich keinen Platten gehabt. Aber ich hatte das Gefühl, dass sie wegen der dickeren Gummischicht auch irgendwie schwerfälliger in der Kurve sind. Vorläufig werden wir erst mal bei den bewährten Schwalbe-Reifen bleiben.

Dann mussten wir Geld abheben, da unser Bargeldvorrat ziemlich geschrumpft war. Doch der erste Automat akzeptierte unsere Karte nicht, der zweite war sowieso schon außer Betrieb. In einer Eisdiele half man uns weiter und nannte uns vier weitere Automaten in der Nähe, von denen auch gleich der erste die gewünschte Summe ausspuckte.

Dann kauften wir noch ein und verbrachten den Abend zeitunglesend auf dem Campingplatz, wo die Schafe nebenan friedlich vor sich hinklökten.

Am nächsten Morgen gab es beim Frühstück geballte Äktschn auf dem Platz. Für ein Wohnwagengespann ein Stück weiter weg war die Kurve zur Ausfahrt zu eng, also wollten sie andersherum, also einmal um den Platz fahren. Dabei schrammten sie beim Abbiegen ein Auto zwei Parzellen von uns entfernt. Bei der Rezeption, wo Peter gerade Semmeln holte, fragten sie hektisch nach den Besitzern, die gerade nicht da waren. Doch kurze Zeit später kamen sie zurück, und der Herr quittierte den Schaden mit einem trockenen „Sauber!“. Man tauschte Personalien und Versicherungsdaten aus, und das Gespann fuhr seines Weges, ohne weitere Schäden anzurichten.

Nach diesem ereignisreichen Frühstück fuhren wir mit dem Auto nach Marquartstein und vorn dort mit der Seilbahn auf die Hochplatte. Vor ein paar Jahren waren wir im Oktober einmal da geswesen und standen an der Bergstation knöcheltief im Schnee. Davon war heute jedoch nichts zu merken, es war sogar ziemlich warm.

Oben wollten wir den Staffenrundweg gehen und dann über die Hefteralm ins Tal wandern. Doch als wir die Abzwigung zur Hefteralm erreichten, war es uns schon zu warm, und es war noch nicht einmal 10 Uhr! Slso beschlossen wir, auf den Rundweg zu verzichten und gleich gemütlich nach unten zu wandern, denn auf einen Hitzschlag hatten wir keine Lust.

Unterwegs hatten wir einen wunderschönen Blick über den Chiemsee und die Umgebung:

Immer wieder begegneten wir Mountainbike-Fahrern, die mit mehr oder weniger roten Köpfen der Berg hochschnauften. Das hatte es, als ich als Kind dort oben war, noch nicht gegeben! Wenn die Leute dann den Weg hinunterbrettern, ist das sicher auch nicht gerade ungefährlich. Ich fahre ja gern Rad, aber so etwas würde ich mir nie freiwillig antun.

Nach einer Weile sah man im Tal die Hefteralm und kehrten dort ein. Die Alm wird zwar nicht mehr von dem netten alten Ehepaar, sondern von ihrer Enkelin bewirtschaftet, aber der Kaiserschmarrn ist immer noch genauso lecker wir früher. Schon deswegen hat sich die Wanderung gelohnt.

Den Rest des Tages, der so turbulent angefangen hatte,  verbrachten wir mit Einkäufen in Prien und dann ganz ruhig mit einem Buch auf dem Campingplatz, und am nächsten Tag wurde es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen.

Unterwegs machten wir in Würzburg Station, wo es in der Nacht ein furchtbares Gewitter gab. Dabei soff unser Zelt endgültig ab. Wenn das Wasser mehrere Millimeter hoch im Innenzelt steht, ist nichts mehr zu retten, und schweren Herzens nahmen wir Abschied von der Behausung, die uns in den letzten acht Jahren bei so manchen Stürmen, Gewittern und sonstigem Schietwetter Schutz geboten hat.  Demnächst werden wir also wieder diverse Outdoor-Geschäfte besuchen und dort „die Rücken-, Seit- und Bauchlage ausprobieren“ (Loriot).

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