52 Bücher (45) – „The Life and Times of the Thunderbolt Kid“ von Bill Bryson

Da das Buch „The Life and Times of the Thunderbolt Kid“ (London, 2006) diese Woche den SaB (Stapel angefangener Bücher) verlassen hatte, kann ich es jetzt, wie bereits angedroht, für ein Monster-Motto verbraten. Da es auch noch den Untertitel „Travels through my Childhood“ trägt, eignet es sich hervorragend für das Motto Zeit-Reise”… also alles was irgendwie inhaltlich mit dem Thema “Zeit” zu tun hat… (wie der weiße Hase bei Alice zum Beispiel).

Diesmal besucht der Verfasser von „Notes from a Small Island“, „Down Under“ und zahlreichen anderen Reisebüchern keine fremden Städte, Länder und Kontinente, sondern begibt sich auf eine Reise durch die Erinnerungen an seine Kindheit. Der deutsche Titel „Mein Amerika: Erinnerungen an eine ganz normale Kindheit“ ist diesmal auch sehr gut gewählt.

Bill Bryson wurde am 8. Dezember 1951 in Des Moins, Iowa als jüngstes von drei Kindern geboren. Seine Eltern arbeiteten beide bei der Zeitung „Des Moins Register“. Imn 14 Kapiteln nimmt er den Leser mit zu den wichtigsten Stationen seiner Kinder- und Jugendjahre. Dabei folgt er grob einer chronologischen Zeitleiste, aber jedes der Kapitel hat ein eigenes Thema, z. B. die Entwicklung seiner Heimatstadt, die aufregenden 50er Jahre mit all ihren neuen Erfindungen, seine Schulzeit, Sex, das Wettrüsten etc. Es ist also nicht nur eine Autobiografie, sondern ein Ausflug in die Geschichte von Des Moins und der USA.

Das alles wird natürlich mit dem unvergleichlichen Bryson-Humor beschrieben, mit dem er seine Mitmenschen aufs Korn nimmt, sich selbst aber auch keineswegs schont. Ein Beispiel dafür ist die Zerstreuheit seiner Mutter. Zu jedem Abendessen, das sowieso oft angebrannt, überekocht oder durch die Luft geflogen ist, weil sie wieder mi etwas anderem beschäftigt war, serviert sie Hüttenkäse. Dass Bill dieses Zeugs schlichtweg eklig findet, vergisst sie jedes Mal, was Bill zu dem entnervten Ausruf veranlasst: „We have this conversation every night.“ (S. 82)

Doch wenn es darum geht, in der Schule das Geld für die Briefmarken für einen guten Zweck (oder gegen den Kommunismus) dabei zu haben, versagt er selbst jedesmal kläglich. Zu wissen, dass man das Geld mitnehmen muss und auch im richtigen Moment daran zu denken  „was at least one step of sharpness too many for a Bryson“. (S. 210)

Liebevoll erinnert er sich an die Zeit, in der fast alles irgendwie großartig war: Die Geschäfte in Des Moins, der Nachbar, der den ersten Fernseher in der Siedlung hatte, und bei dem sich dann alle Kinder der Gegend im Garten versammelten, um mitzugucken, die ganzen neuen Geräte, die man zwar nicht unbedingt brauchte, die aber doch entwickelt wurden, einfach weil es möglich war und vieles mehr.

Die persönlichen kleinen – oder größeren – Misserfolge, wie z. B. dass er es einfach nicht schafft, auf dem Jahrmarkt in das Striptease-Zelt zu kommen, weil jedes Jahr die Altersgrenze hinaufgesetzt wurde, sind einfach zu schön beschrieben. Und natürlich gab es auch Leute, die nicht besonders nett waren, wie z. B. die Butter Boys, die gern kleinere Kinder quälten, oder verschiedene Lehrer, die ihn nicht mochten. Mit diesen wurde er aber problemlos fertig, schließlich war er „the Thunderbolt Kid“ mit magischen Kräften.

 Trotzdem verklärt er seine Kindheit nicht komplett: die unangenehmen Dinge werden nicht ausgelassen und durchaus kritisch berachtet, z. B. dasWettrüsten, die Atomtests und die unrühmliche McCarthy-Ära. Dies tu er nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern durch die schlichte Wiedergabe von Daten und Fakten.

So erhält der Leser einen guten Gesamteindruck ven dem Land und der Zeit, in denen Bill Bryson aufgewachsen ist, und aufgrund seines herrlichen Humors wird das Buch keinen Moment langweilig.

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Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „52 Bücher (45) – „The Life and Times of the Thunderbolt Kid“ von Bill Bryson

  1. Kommt auf die Wuli mit hoher Priorität (ja, ich habe meine Liste mittlerweile sogar nach Prioritäten geordnet :-)). Von dem Autor habe ich schon öfter gehört und wollte auch immer mal was von ihm lesen, bin aber irgendwie immer davon abgekommen.

  2. Monika

    Guten Morgen,

    ach ja wieder ein Buch, das auf die Liste kommt und vielleicht doch nie gelesen wird, weil die Liste mittlerweile so lange geworden ist. Ich muss mal wieder anfangen, mir Zeit zum Lesen zu nehmen.

    Viele Grüße

    Monika

    • Das kenne ich. Jedesmal, wenn ich in Buchhandlungen schnüffle oder in Blogs stöbere, schreibe ich mir einige Titel auf, die ich irgendwann noch lesen möchte. Manchmal schaffe ich es, sehr oft aber auch nicht.

      Bryson ist auf jeden Fall lesenswert, und ich werde sicher noch einiges von ihm vorstellen. 🙂

  3. bockmouth

    Darf ich einmal hier erwähnen, dass ich es war, der dich, liebe Petra auf Bill Bryson aufmerksam gemacht hat! *lächel*

    Was für ein begnadetet Mensch… äh, ich meine natürrrlich Bill…:-)

    • scrooge

      Selbstverständlich darfst du. 🙂 Und er hat dem Gatten und mir auch schon viel Lesevergnügen beschert, vielen Dank dafür!

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