52 Bücher (21) – „The Radleys“ von Matt Haig

Das Monsterprojekt schreitet mit Riesenschritten voran, und ich bin immer noch eifrig dabei, einiges nachzuholen. Weil ich zum dieswöchigen Thema noch etwas fertig lesen muss, springe ich zurück zur Woche 21: Aliens oder schau mal wer da zum Essen kommt, und meine Wahl fiel dabei auf „The Radleys“ von Matt Haig (Edinburgh, 2010), auf deutsch schlicht und ergreifend „Die Radleys). Dabei fasse ich den Begriff „Alien“ mal im weitesten Sinne des Wortes auf, nämlich „fremd, fremdartig“.

Bishopthorpe in Yorkshire ist ein ganz normales Dorf mit einem Pub, einigen Geschäften und jeder Menge normaler Leute, die ihrer Arbeit nachgehen, Klatsch und Tratsch austauschen und sich langweilen. Eine typische ländliche Idylle also.

Doch die Bewohner in 17 Orchard Lane sind anders: Tagsüber sind die Vorhänge zugezogen,Tiere gehen ihnen aus dem Weg, sie sind ungesund blass und haben mit Ausschlag zu kämpfen. Die Nachbern finden sie „odd“, die Kinder sind gnadenloser, wie das Graffiti „Rowan Radley is a freak“ am ehemaligen Postamt zeigt.

Die Radleys, Vater, Mutter, zwei Kinder, sind tatsächlich keine typische Vorstadtfamilie, sondern Vampire, die jedoch nicht praktizieren, sondern abstinent leben. Sie tun ihr Bestes, um in der Dorfgemeinschaft nicht aufzufallen: Peter arbeitet als Hausarzt, seine Frau Helen malt Aquarelle und ist Mitglied eines Hausfrauen-Leseclubs und die Kinder Rowan und Clara wissen noch nicht einmal, was sie eigentlich sind. Doch die Abstinenz hat ihren Preis – Kopfschmerzen, Lethargie, Hautprobleme etc.

An einem Freitagabend geht die 15jährige Clara mit ihrer Freundin Eve auf ein Schulfest. Da sie seit einiger Zeit Veganerin ist, in der Hoffnung, dass die Tiere sie dann endlich mögen, leidet sie unter ständiger Übelkeit. Deshalb verlässt sie das Fest früher. Auf dem Heimweg wird sie von ihrem Schulkameraden Stuart Harper belästigt und wehrt sich mit Klauen und Zähnen – im wahrsten Sinn des Wortes.

Dadurch verändert sich schlagartig alles: Die so um Unauffälligkeit bemühten Radleys haben eine Leiche am Hals, die Kinder müssen endlich die Wahrheit erfahren, Peters Bruder Will, ein praktizierender Vampir, der um Hilfe gebeten wird, verfolgt dabei seine gänzlich eigenen Motive, und die „Unnamed Predator Unit“, eine Spezialeinheit der Polizei, bekommt Wind von der ganzen Angelegenheit. Wird die Familie es schaffen, aus diesem Schlamassel wieder heraus zu kommen?

In diesem Roman zeichnet Matt Haig das Bild einer Vampirvariante, die ich bisher noch nicht kannte: Die Abstinenzler, die dem Bluttrinken abgeschworen haben und versuchen, ein völlig normales Leben zu führen Einige  Kapitel werden von Zitaten aus dem Abstinenzlerhandbuch eingeleitet, wie z. B; „Fill your diary with harmless social activities“, (S. 207) oder ausführlichen Ratschlägen zur Hautpflege.

Die praktizierenden Vampire, die es auch gibt, treffen sich in Clubs wie der „Sheridan Society“ oder dem „Stoker Club“ (nette Anspielungen auf die bekannten englischen Vampirklassiker, genauso wie die „Christabel Press“, dem Verlag, bei dem Onkel Will seine Dissertation veröffentlichte), wo sie untereinander ihr Blut austauschen, und halten sich an bestimmte Regeln, um keinen Ärger mit der Polizei zu bekommen. Allerdings klappt das nicht immer.

Mir gefällt die Idee der abstinent lebenden Familie, und ihre kramphaften Versuche, die Spießerfassade aufrecht zu erhalten, sind zu herrlich beschrieben.  Es ist zwar nicht so mitreißend wie z. B. Die „Vampire Chronicles“ von Anne Rice, aber wenn man Vampirgeschichten mag (und damit meine ich nicht den Twilight-Vampirkitsch von Stephanie Meyer), ist es ein durchaus empfehlenswertes Buch.

Zurück zum Motto: „Aliens“ dürfte inzwischen klar sein, und zum Essen kommen auch eine Leute und stiften damit einiges an Verwirrung. Die Nachbarin Lorna bringt zum gemeinsamen Abendessen einen Salat mit Knoblauch mit, der Peter nicht gut bekommt, und Onkel Will lässt bei einem Abendessen eine Flasche Blut in der Küche stehen, aus der Peter versehentlich den Nachbarn Mark bewirtet…

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Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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