Schnee und sonstiges Chaos

Immer, wenn die ersten vier Schneeflocken nebeneinander liegen, versinken die Niederlande im Verkehrschaos. In meiner alten Heimat passiert sowas natürlich nicht, dort ist man auf Schnee vorbereitet. Nun, den zweiten Teil dieser Aussage nehme ich inzwischen zurück.

Als ich gestern morgen aus dem Fenster schaute, wurde ich von einem verschneiten Garten bergrüßt. Noch dachte ich mir nichts dabei. Wie immer, wenn ich mich zurück in die Niederlande begebe, nehme ich eine S-Bahn früher zum Hauptbahnhof. Dann kann ich dort noch im Buchladen stöbern und einen Kaffee für die Fahrt  („to go“ heißt das ja heutzutage) erstehen.

So trabte ich auch dieses Mal um kurz vor 10 los. Am Bahnsteig allerdings kamen mir einige Leute mit Koffern entgegen, was nichts Gutes verhieß. Ein Junge teilte den Reisenden mit, dass schon seit 5 Uhr morgens keine S-Bahn fahre, aber es gebe wahrscheinlich Schienenersatzverkehr. Die Verkäuferin im Kiosk wusste auch nichts, da sie niemenden erreichen konnte. Das fing ja gut an.

An der Bushaltestelle stand schon ein verlorenes Häuflein. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis der Bus kam. Wir quetschten uns hinein, und los ging es. Unterwegs mussten wir noch en Stück zurück, um den Gegenbus vorbei zu lassen. Gut, sie fuhren also regelmäßig.

Beim nächsten größeren Bahnhof konnten wir in die S-Bahn oder wahlweise den Nahverkehrzzug umsteigen. Ich entschied mich für letzteren, da dieser nicht an jeder Milchkanne hält. Dafür blieb er zwischen zwei Haltestllen stehen, und es kam die verhängnisvolle Durchsage, das sich wegen einer Stellwerkstörung die Weiterfahrt um einige Minuten verzögern würde. Da kam Freude auf! Noch hatte ich zwar genug Zeit, aber ich wusste aus leidvoller Erfahrung, dass sowas dauern konnte. Zum Glück blieb es bei ein paar Minuten, und der Zug zuckelte gemächlich weiter.

Dann wurde uns mitgeteilt, dass der Zug aufgrund der Verspätung nicht bis zum Hauptbahnhof fahren, sondern am Ostbahnhof wenden, d.h. zurückfahren würde. Fahrgäste zum Hauptbahnhof möchten bitte die S-Bahn benutzen.  Also wetzte die ganze Meute nach unten und zum Gleis am andern Ende des Bahnhofs. Als ich die Treppe hochtraben wollte, rumpelt ich mit einer Mitreisenden zusammen, die es ebenfalls eilig hatte. Schnaufend kamen wir oben an, als die S-Bahn gerade aus dem Bahnhof öttelte. Wir sahen uns an und sagten wie aus einem Mund: „Typisch!“

Die nächste Bahn ließ zum Glück nicht lange auf sich warten, und bei gepflegter Unterhaltung über Bahnabenteuer waren wir schnell am Hauptbahnhof. Da der Zug meiner Reisegefährtin ein paar Minuten vor meinem fuhr, sprintete sie, kaum dass sich die Türen geöffnet hatten, zur Rolltreppe. Ich rief ihr noch ein „Viel Glück“ hinterher, denn ich brauchte mich jetzt nicht mehr abzuhetzen. Als ich oben ankam, stand ihr Zug auch noch da, also nehme ich an, dass sie ihn noch erwischt hatte.

Für einen Kaffee reichte die Zeit nicht mehr, und so installierte ich mich im ICE in Richtung Norden und unterrichtete den Gatten per SMS, dass es trotz Schneechaos nochmal gut gegangen sei. Er antwortete, dass auch zu Hause das Chaos tobe. Der Staubsauger war nämlich gerade röhrend in den Orkus gefahren.

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Schnee und sonstiges Chaos

  1. Das ist aber nicht rein zufällig ein Bericht aus Berlin??? Kommt mir nämlich alles so unglaublich bekannt vor!

    • Nein, Berlin wars nicht. Meine alte Heimat ist viel weiter südlich. Aber es scheint wohl ein weitverbreitetes Phänomen zu sein. 🙂

  2. Ach Du Arme, bist etwa in den Genuß der umgestürzten Bäume zwischen M.-S. und E gekommen? Schlechtes Timing. Aber trotzdem schön, dass Du Deinen Zug noch rechtzeitig erreicht hast. Auf meiner Seite des S-Bahn-Astes ging alles reibungslos.

    • Stimmt. Aber es ist ja schon länger nichts mehr schiefgegangen, es war einfach mal wieder fällig. Und den Zug habe ich ja, wie gesagt, erwischt, wenn auch mit etwas mehr Stress als vorgesehen. 😉

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