52 Bücher (41) – „Der Mitternachtspalast“ von Carlos Ruiz Zafón

Es wird nachgeholt, aber sowas von! Alle achtzehn Themen werde ich wohl nicht mehr bearbeiten, aber ein paar kriege ich sicher noch hin. 🙂

Fangen wir mal mit den Nachtgedanken an. Einige Teilnehmer haben dieses Thema mit Gedichten bestritten, und das bietet sich ja auch an. Denken wir nur an Goethes „Wanderers Nachtlied“ oder Eichendorffs „Mondnacht“.

Ich bleibe aber trotzdem bei Prosa und stelle ein Buch vor, über das ich eher zufällig gestolpert bin. Unsere Bibliothek wird nämlich gerade umgebaut, und der größte Teil der Kollektion lagert irgendwo in Kisten. Aber den Betrieb wochenlang komplett einstellen wollten sie zum Glück nicht, und so wurdem in einem leerstehenden Laden ein paar Regale aufgebaut und eine Notbücherei eingerichtet. Da nichts mehr nach Schwerpunkten, sondern nur noch grob nach Autoren geordnet war, streifte ich durch die Reihen und zog ein paar Bücher mit diesem Symbol auf dem Buchrücken haraus:

Mir war mal wieder nach ein paar netten Spukgeschichten zumute. Eines davon war „Der Mitternachtspalast“ von Carlos Ruiz Zaf’ón (Niederländische Fassung, Utrecht, 2011):

Im Mai 1916 flüchtet Leutnant Peake mit zwei Babys, deren Eltern gerade ermordet worden waren, durch das nächtliche Kalkutta. Es gelingt ihm, die Kinder zu einer alten Dame zu bringen, wo sie in Sicherheit sind, bevor er dem Mörder entgegentritt – und scheitert.

Sechzehn Jahre später: Im St.-Patrick-Waisenhaus findet ein Abschiedsfest statt. Die Jugendlichen, die sechzehn Jahre alt geworden sind, gelten als erwachsen und müssen das Heim verlassen. Dies bedeutet auch des Ende der „Chowbar Society“, einem Club von sieben sehr unterschiedlichen Jugendlichen, die geschworen hatten, einander immer zu helfen und alles Wissen miteinander zu teilen. Ihre Zusammenkünfte hatten bisher immer in einem alten, leerstehenden Warenhaus stattgefunden, dass Ben und seine Freunde den „Mitternachtspalast“ nannten.

Gerade, als sie zum letzen Mal dorthin gehen wollen, um den Club feierlich aufzulösen, erscheint eine alte Dame mit einem jungen Mädchen, das Sheere heißt. Ben ist von ihr fasziniert und lädt sie ein, mit in den Mitternachtspalast zu kommen. Aufgrund der Geschichte, die Sheere ihnen erzählt, kommen die Jugendlichen zu dem Schluss, dass sie den Club noch nicht auflösen können, sondern noch ein letztes Abenteuer bestehen müssen.

Schon bald entdecken Ben und Sheere, was sie wirklich verbindet, und dass ein gewisser Jawahal ihnen nach dem Leben trachtet. Dieser geheimnisvolle Mann, den es offiziell gar nicht gibt, hat anscheinend schon eine Menge Unheil angerichtet, und er hat auch in Zukunft nicht das Beste mit der Stadt und ihren Menschen vor.

Mit Seths enzyklopädischem Wissen, Michaels Zeichentalent und Isobels Sturschädel gelingt es ihnen, einen Teil des Rätsels zu lösen und des Haus von Sheeres Vater zu finden. Doch der Schutz, den das Haus ihnen bieten kann, ist begrenzt, und so müssen sie in die unterirdischen Gänge Kalkuttas, um das Ungeheuer zu finden. Werden sie es schaffen, seine Pläne zu durchkreuzen?

„Der Mitternachtspalast“ ist als Jugendbuch konzipiert, das auch für Erwachsene gedacht ist. Die „Chowbar Society“ erinnert an zahlreiche Clubs dieser Art, zum Beispiel die „Fünf Freunde“, wo jeder andere Qualitäten hat und das „Gesamtpaket“ den Erfolg ausmacht. Aber hier lernen wir die Gruppe kennen, als sie schon dabei ist, sich aufzulösen. Es ist also eine Geschichte vom Erwachsenwerden mit der Wehmut, die mit dem Verlust der kindlichen Unschuld verbunden ist. Dies hat der Autor sehr schön dargestellt.

Die Auflösung des Rätsels um Jawahal und seine Untaten hat mich jedoch nicht ganz überzeugt. Klar, Übersinnliches gehört in eine Spukgeschichte, Und auch der Kampf zwischen Gut und Böse kommt oft in der Literatur vor, aber hier sind mir diese Elemente ein bisschen zu märchenhaft-verkitscht geraten. Mein Gesamturteil lautet also: Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut.

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Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „52 Bücher (41) – „Der Mitternachtspalast“ von Carlos Ruiz Zafón

  1. Ich fand das Buch leider nicht so toll

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