Nochmal 52 Bücher (4) – „The Cure of Souls“ von Phil Rickman

Nochmal 52 Bücher

Das Motto dieser Woche ist, mit Verlaub, etwas merkwürdig, und meinem laienhaften Verstand dämmert irgendwie ganz vage, dass es etwas mit Fußball zu tun hat: Zeige uns ein schwarz-weiß-blaues Buch. Damit habe ich aber denkbar wenig am Hut, und so ist auch das „epochale Ereignis“, das zu diesem Motto geführt hat, völlig an mir vorbei gerauscht. Die Weltherrscherin möge es mir nachsehen.

Also bin ich mal wieder rein optisch vorgegangen, und wie letzte Woche hat es auch diesmal Phil Rickman erwischt. Dieser Band ist der vierte aus der Merrily-Watkins-Reihe und passt also wunderbarst in die vierte Woche des Projekts. Schwarz, weiß und blau ist er auf jeden Fall, und er ist auch noch sehr lesenswert.

cureofsouls

„The Cure of Souls“ (London 2001; deutscher Titel „Der Turm der Seelen“) spielt im Frome Valley, einem Hopfenanbaugebiet  in Herefordshire. In einer ehemaligen, zu einem Wohnhaus konvertierten Hopfendarre wurde vor einiger Zeit ein brutaler Mord verübt, und die Besitzer sind davon überzeugt, dass es dort spukt. Der zuständige Priester möchte jedoch nichts damit zu tun haben, so dass der Fall mal wieder auf Merrilys Tisch landet. Merrily versucht, eine einfache Segnung des Hauses durchzuführen, die jedoch gründlich schiefgeht – das Übersinnliche in diesem Haus ist viel stärker als sie bisher angenommen hatte.

Von Al Boswell, dem Kurator des Hopfenmuseums, erfährt sie mehr über die Geschichte des Hopfenanbaus und der Roma, die jedes Jahr als Erntehelfer ins Frome Valley kamen. Eine von ihnen war die schöne Rebekah, die vor einige Jahren plötzlich verschwand. Könnte da ein Zusammenhang bestehen?

Daneben hat sie aber noch andere Probleme: Die 16jährige Amy, die bisher als ruhig, zurückhaltend und wohlerzogen gilt, benimmt sich höchst seltsam und übergibt sich sogar bei in der Kirche vor dem Altar. Merrily entdeckt, dass Amy eine Klassenkameradin ihrer Tochter Jane ist und zu einer Mädchengruppe gehört, die spriritistische Sitzungen abhält und dabei auch den Geist von Amys verstorbener Mutter beschworen hat. Natürlich macht sie sich Sorgen, ob und wie weit ihre Tochter in diese Dinge verstrickt ist.

Dann ist da noch der Rockmusiker Lol Robinson, zu dem Merrily in den letzten Bänden zarte Bande geknüpft hat. Er war in jungen Jahren ziemlich erfolgreich, wurde dann aber von seinem besten Freund und Band-Kollegen übel hereingelegt und landete mehrere Jahre in der Psychiatrie. Seitdem schreibt er nur noch Songs für andere, und bei dem Gedanken an Auftritte und Publikum gerät er in Panik. Doch der cholerische Produzent Prof Leven, den wir bereits in December kennengelernt haben, at sich aus dem hektischen London ins beschauliche Knights Frome zurückgezogen und baut dort ein Aufnahmestudio auf. Er ist von Lols Talent überzeugt und versucht, ihn zu einem Coemback zu überreden.

Außerdem stoßen wir noch auf zwei weitere Bekannte aus der Abtei Ystradd Ddu: den Cellisten Simon St. Jones, jetzt Priester im Frome Valley und seine Frau Isabel.  Wenn man sich seine Vergngenheit ins Gedächtnis ruft, ist es nicht verwunderlich, dass er mit dem Spuk in der Hopfendarre nciths zu tun haben will. Doch Merrily und Al Boswell brauchen seine Hilfe…

Neben dem Spuk geht es auch noch, wie immer bei Rickman, um sehr irdische Verbrechen, diesmal Bauspekulation und Korruption, und die verschiedenen Erzählstränge werden erst ganz am Ende zusammegeführt.

Besonders gut an diesem Band gefällt mir das Auftauchen von Prof Levin und Simon St. John. Mein erster Gedanke beim Lesen Des Klappentextes war: „Super, dann können sie ja mit Lol zusammen Musik machen!“ Sehr interessante Figuren sind auch der Kurator und Gitarrenbauer Al Boswell und seine Frau Sally. Al ist Roma, und obwohl er inzwischen sesshaft geworden ist, ist seine Philosophie immer noch: „Live lightly on the land“, nimm dir also nur so viel, wie du brauchst und sorge dafür, dass es wieder nachwachsen kann. Daran können wir uns auf jeden Fall ein Beispiel nehmen.

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Kategorien: 52 Bücher 1 - 3, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Nochmal 52 Bücher (4) – „The Cure of Souls“ von Phil Rickman

  1. Na, das ist ja verrückt!
    Ich habe mir heute – als ich vor meinem Termin bei der Physiotherapie noch Zeit hatte – im Supermarkt vom Büchergrabbeltisch ein Buch mitgenommen, weil es interessant klang. Und jetzt lese ich es hier wieder. Ich habe allerdings die deutsche Übersetzung gekauft. Jetzt freu ich mich noch mehr darauf. Allerdings muss es noch ein wenig warten. Vorher sind noch „Betty Blue“ und „Schwarze Fluten“ dran.
    LG, Silke

    • Das kenne ich – das Gesetz der Serie. Wenn man einmal auf etwas aufmerksam geworden ist, stößt man in kurzer Zeit wieder darauf.

      Viel Spaß beim Lesen, ich bin gespannt, ob es dir gefällt.

  2. Hmmm. Jetzt hab ich es gelesen, aber so richtig hat es mich nicht begeistert. Ich fand es anfangs sehr langatmig. Und an anderen Stellen hatte ich dann das Gefühl, irgendetwas wesentliches verpasst zu haben. Hätte man die Figuren aus den Büchern vorher vielleicht schon kennen müssen? Einerseits bin ich schon weiterhin neugierig, aber andererseits auch ein wenig enttäuscht… So richtig kann ich mich noch nicht entscheiden, ob ich den ersten Büchern noch eine Chance geben sollte.
    Grübelnde Grüße,
    Silke

    • Danke für dein Feedback. Es kann schon sein, dass es hilft, wenn man die Figuren schon kennt. Ich hatte ja mit dem zweiten Band angefangen und dann noch einige ohne Merrily gelesen, in denen aber einige Charaktere schon vorkamen. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass Rickmans Erzählstil nicht jedem liegt, die Geschmäcker sind ja unterschiedlich – zum Glück. Du könntest es ja nochmal mit „Mittwinternacht“ versuchen. Wenn dir das auch nicht zusagt, weißt du es ganz sicher. 🙂

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