The Voice

Eigentlich bin ich kein Fan von Castingshows. Schon gar nicht, wenn ihre Hauptfunktion zu sein scheint, Gestalten wie Dieter Bohlen in Deutschland und Gordon in den Niederlanden eine Plattform zu bieten, sich zu profilieren. Und das ist bei diesen Herren synonym für „sich unmöglich aufzuführen“. Deshalb habe ich Formate wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Holland’s Got Talent“ bisher tunlichst gemieden.

Aber letztes Jahr sind der Hausherr und ich doch schwach geworden und haben angefangen, „The Voice of Holland“ zu gucken. Jeder weiß, worum’s geht, jeder kann mitreden, und das wollten wir auch einmal. Außerdem nahm die Sängerin Ilse DeLange, die Peter so toll findet, in der Jury Platz. Und so zogen wir uns zahlreiche Freitagabende niederländisches Bildungsfernsehen purst rein.

Das Format ist ja sicher bekannt – zuerst kommen die Blind Auditions, bei denen die Juroren oder Coaches mit dem Rücken zum Kandidaten sitzten, damit sie nicht durch Äußerlichkeiten von den stimmlichen Qualitäten abgelenkt werden. Und wenn sie den Eindruck haben, dass sie mit diesem Kandidaten weiterkommen können, drehen sie sich um. Manchmahl ist es nur einer, manchmal mehrere, und dann versucht jeder, den Kandidaten davon zu überzeugen, dass er bei ihm/ihr am Besten aufgehoben ist und am Meisten lernen kann.

Einer der Höhepunkte in der Show war für mich die Überzeugungsrede von Ali B. Er erzählte eine Geschichte, wie sein Bruder, der ihn nach Groningen chauffierte, plötzlich mitten in der Pampa eine Vollbremsung hinlegte, da dort ein Kamel zwischen Kühen im Regen stand. „Ich möchte jetzt nicht sagen, dass du ein Kamel bist. Ich meine, dass du etwas Besonderes bist, jemand, der er wert ist, dass man eine Vollbremsung macht. Außerdem hast du auch eine Mission: Du willst ein Kamel im Regen sein – zwischen den Kühen.“ Das ist doch mal wahre Poesie! Und immer, wenn ich von jemandem höre oder lese, der eine Mission hat, vervollständige ich in Gedanken: Er will ein Kamel im Regen sein – zwischen den Kühen. Und ich finde, es gibt Schlechteres, was man mit seinem Leben anstellen kann.

Im zweiten Stadium, den Battles, müssen zwei Kandidaten desselben Teams gegeneinander antreten, und der Coach entscheidet, wer weiter kommt. Dabei wich unsere Meinung aber sehr oft von der der Coaches ab, und als Marco Borsato meine Favoritin Maghen ausscheiden ließ, sprach ich ihm noch wochenlang jedes Urteilsvermögen ab.

Nun hatte ich mich darauf gefreut, mit einem Kollegen, der die Show im Jahr davor eifrigst verfolgt hatte, fachsimpeln zu können. Doch der schaute dieses Jahr nicht, da ihm der Wechsel in der Jury nicht passte. „Ausgerechnet Ali B.! Ein Rapper! Wie soll er den Leuten das Singen beibringen können!“ Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich einmal Ali B. verteidigen würde, aber als Coach hat er seine Sache gar nicht schlecht gemacht. Um das Singenlernen geht es ja schließlich hier nicht, das können die Kandidaten bereits. Es geht darum, zu überzeugen, das Publikum zu berühren, sich von anderen zu unterscheiden und dabei authentisch zu sein. Und wenn man die Entwicklung der Kandidatinnen Jennifer Lynn und Jill Helena verfolgte, war er durchaus erfolgreich.

Und natürlich schieden sich auch während der Liveshows, dem dritten Stadium, bei dem auch das Publikum entscheidet, irgendwann die Geister – Peter war für die Friesin Gery Dantuma (reiner Lokalpatriotismus) und ich für Märel Bijveld. Dabei kam für die Coaches immer wieder ein Überraschungsmoment. Im Fall von Jennifer und Gery hatten sie in ihrer Beurteilung schon durchblicken lassen, dass diese beiden jetzt nicht mehr weiterkommen sollten, aber das Publikum hatte einen Narren an ihnen gefressen und winkte sie durch.

Aber mit der Siegerin Julia van Toorn konnte sicher jeder leben, und das Zuschauen hat Spaß gemacht.

Also begannen wir im neuen Jahr auch „The Voice Kids“ zu schauen. Das Format ist ähnlich, nur kürzer. Und bei den Battles treten drei Kandidaten gegeneinander an, von denen einer weiterkommt. Hier fiel uns auf, dass – anders als bei den Erwachsenen – die Kinder stärker miteinander als gegeneinander singen. Und dabei kam folgende wunderbare Interpretation von „Angel“ von Sarah McLachlan heraus. Darf ich vorstellen -Ieke, Merel und Ayoub:

Coach Marco bedauerte zu Recht, dass er nur einen mit ins Finale nehmen konnte, und zahlreiche Kommentatoren auf der offiziellen Website finden, dass man diese Version als Single herausbringen sollte. Und immer, wenn ich jetzt das Original von Sarah McLachlan höre, warte ich auf den dreistimmigen Schlussakkord, obwohl ich ja weiß, dass sie den alleine nicht hinkriegen kann.

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