A Beautiful Day

„It’s a beautiful day
The sun is shining
I feel good
And no-one’s gonna stop me now…“

Vor einigen Jahren durfte die Seehundstation Pieterburen diese Zeilen des bekannten Queen-Songs  für einen ihrer Werbespots verwenden. Seitdem heißt der Tag, an dem die Seehunde freigelassen werden, „beautiful day“. Der von unserem Seehund Lewis und von uns war am 16. April 2014.

Nachdem wir ja bei unserem ersten Seehund Mara nicht mitfahren konnten, freuten wir uns besonders, als wir eine Woche vorher den Anruf bekamen: „Lewis wird am 16. April auf Schiermonnikoog freigelassen.“ Wir konsultierten unsere Terminplaner und stellten fest, dass wir beide nichts hatten, was man nicht absagen oder verschieben konnte. Die Leiterin des Workshops, für den ich angemeldet war, musste zwar erst mal googlen, was ein Adoptivseehund ist, hatte dann aber vollstes Verständnis und wünsche mir viel Spaß. Und auf Schiermonnikoog waren wir bisher auch noch nicht gewesen.

Um 5.20 Uhr klingelte dann am Mittwoch der Wecker – eine barbarische Zeit, aber was tut man nicht alles für einen Seehund. Das Thermometer zeigte 1,5 Grad, und nach einem eiligen Frühstück fuhren wir warm eingepackt Richtung Norden. Im Lauf des Tages wurde es jedoch wärmer, so dass wir uns nach und nach der Kleidung entledigen konnten. Pünktlich waren wir am Fähranleger in Lauwersoog und konnten unsere Tickets für die Überfahrt erwerben, bevor das große Gedränge losging. Unsere Fähre „Rottum“ wartete schon im Hafen.

Rottum

Nun mussten wir nur noch André von der Seehundstation finden. Wir hatten zwar keine Ahnung, wie er aussah, aber immerhin eine Handynummer für Notfälle. Als erstes stießen wir auf Dave von der Organisation EHBZ Velsen (Erste Hilfe bei Seehunden), und dann kam auch schon André. Gemeinsam gingen wir auf die Fähre, wo die Seehunde schon auf dem Autodeck waren. Eine freiwillige Helferin der Seehundstation fotografierte die Seehunde für uns.

Transport Transport2

Transport3

Später erfuhren wir, dass sie aus Kanada kommt und ein dreimonatiges Praktikum bei der Seehundstation absolviert hatte. Am Tag ihrer Ankunft war der Seehund Ruben dort eingeliefert worden, der an ihrem letzten Arbeitstag freigelassen werden sollte. Das passte ja wunderbar.

Dann erzählte André uns, dass an diesem Tag sieben Seehunde freigelassen werden sollten, und wir tauschten Geschichten und Informationen aus.

Liste

Wir stellten erfreut fest, dass Lewis, der bei seiner Einlieferung am 14. Januar nur knapp über 18 kg gewogen hatte, inzwischen stolze 40,7 kg auf die Waage bringt.

Ein Ehepaar aus Veenendaal hatte den stark geschwächten Seehund Kyno in der Provinz Seeland gefunden. Erst hatten sie die Notrufnummer für Tiere angerufen. Da sich dort aber nicht gleich jemand gemeldet hatte, probierten sie es mit 112, und siehe da, dort wusste man ebenfalls, was getan werden musste. Kyno wurde nach Pieterburen gebracht, und sie durften mitfahren. Auch sie freuten sich sehr, dass sie bei der Freilassung dabei sein konnten.

Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir die Insel erreicht und wurden auf verschiedene Fahrzeuge verteilt, die uns zum Badweg brachten. Dort wurden die Seehunde umgeladen, und Peter durfte Lewis ein Stückchen tragen.

Landrover umladen

Dann fuhren die zwei Landrover uns durch die Dünen zum Paal 5 (Pfahl 5), wo sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte.Eigentlich hätten wir mit dem Hut herumgehen sollen, dann hätte man sicher wieder einen oder zwei Seehunde durchfüttern können.

Die Kisten mit den Seehunden wurden ausgeladen und in einer Reihe aufgestellt. Dann bat André die Neugierigen, hinter eine bestimmte Linie zurück zu treten, was sie auch ohne Murren taten. Gespannt nahmen die Adoptiveltern bei den Kisten ihrer Seehunde Platz. Peter hatte sich bereit erklärt, das Fotografieren zu übernehmen, damit ich die Kiste öffnen durfte. Danke!

paal5zaungaeste

kisten kisten2

Dann gab André das Startsignal. Wir öffneten die Kisten, und die Seehunde lugten vorsichtig hinaus. Lewis schaute noch einmal kurz auf die Seite und schoss dann auf das Wasser zu. Drei weitere folgten ihm sofort und verschwanden alsbald in den Fluten. Doch Ozzy und zwei andere hatten erst gar keine Lust ins Wasser zu gehen und hoppelten erst einmal wieder zu den Kisten zurück. Vielleicht fanden sie das Wasser zu nass.

aufdieplaetze wohinjetzt

abinswasser ozzy (101)

Doch nach einer Weile fanden auch sie den Weg in die salzige See und schwammen davon.

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Nachdem wir ihnen noch ausgiebig hinterher gewinkt hatten, räumten wir auf und fuhren unter wildem Geschüttel zurück ins Dorf, wo wir uns noch zu einer Tasse Kaffee zusammen setzten. Während wir uns unterhielten, klingelte das Handy meines Tischnachbarn, und er meldete sich: „Ja, ich bin gerade auf Schiermonnikoog. Wir haben einen Seehund freigelassen.“ Pause, dann noch eimal langsam und deutlich: „Wir haben einen Seehund freigelassen.“ Tja, so oft kommt das anscheinend nicht vor.

Wir tauschten unsere Mailadressen aus, und Jillian richtete eine Dropbox ein, wo wir alle in den nächsten Tagen unsere Fotos deponierten. Einige der Fotos in diesem Bericht sind also nicht von uns, aber mir wurde gestattet, sie zu verwenden.

Außerdem hat Sven noch einen kurzen Film von der Freilassung gemacht und mit der passenden Musik unterlegt:

Es war wirklich ein tolles Erlebnis, und wir freuen uns immer noch, dass wir dabei sein konnten. Vielen Dank noch mal an die Leute von der Seehundstation und auch an alle anderen „Adoptiveltern“, die ihren Beitrag zu der tollen Stimmung geleistet haben. It was a beautiful day!

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Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „A Beautiful Day

  1. Ich find’s aufregend … und würde mir nach der Freilassung des Patenseehunds vermutlich Sorgen machen, ob es ihm da draußen auch wirklich gut geht.

    Den Beitrag würde ich, wie besprochen, auch gern für tiergeschichten.de übernehmen. Sollte man da nochmal Rücksprache mit den beteiligten Fotografen nehmen? Oder nur bestimmte Bilder verwenden und auf den Originalartikel veweisen? Ich bin da flexibel.

    • Wir fragen und auch regelmäßig, ob es Lewis und Mara gut geht. Erst sollte Lewis ja nicht auf Schiermonnikoog freigelassen werden, sondern ein paar Tage früher in der Provinz Zeeland, also ganz im Süden. Das hat aber dann aus organisatorischen Gründen nicht geklappt. Als die Mitarbeiterin das dem Gatten mitteilte, fragte er: „Sind sie sicher, dass es ihm dort gefällt? Immerhin wurde er auf Vlieland gefunden.“
      Wegen der Tiergeschichten fühle ich mich geehrt. Ich maile dir nächste Woche noch, wie wir das am Besten machen. 🙂

  2. Pingback: Urlaub im Moinland – Teil 4 | Grenzwanderer

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