Strand6Daagse (Teil 1)

Prolog:

Die Strandzesdaagse (von den Organisatoren Strand6Daagse genannt) ist eine sechstägige Wanderung von Hoek van Holland nach Den Helder, die in der letzten Juliwoche stattfindet. Sie führt, wie der Name schon sagt, in sechs Tagen am Strand entlang, und die Etappenziele sind Wassenaar, Noordwijk, IJmuiden, Egmond aan Zee, Callantsoog und Den Helder. Die Länge der Tagesetappen variiert von 14 bis über 30 Kilometer. Übernachtet wird im Zelt, und das Gepäck wird von einem Etappenziel zum nächsten transportiert. Nach diversen Radurlauben kamen Peter und ich letzen Sommer auf die Idee, dass man diese Wanderung ja einmal mitmachen könnte, einfach nur, um herauszufinden, ob wir das auch können.

 Erst mussten wir natürlich eine der begehrten Teilnahmekarten ergattern. Die Anzahl der Wanderer ist aus organisatorischen Gründen auf 1000 begrenzt, und die Karten sind begehrt. Wir beantragten also ein Formular, das an einem bestimmten Stichtag im November mit der Post verschickt wird. Die ersten 1000 Leute, die das ausfüllte Formular zurückgeschickt und das Startgeld (160 Euro pro Person) überwiesen haben, erhalten eine Karte. Wer zu spät kommt, wird auf eine Warteliste gesetzt. Wie die Geier lauerten wir also an einem Samstag im November vor dem Briefkasten, um die Anmeldung rechtzeitig auszufüllen und am selben Tag zurück zu schicken.

 Zum Glück bekamen wir unsere Zusage sofort, und dann ging es ans Trainieren, denn 30 Kilometer läuft man nicht so aus dem Stand. Also unternahmen wir an den Wochenenden zahlreiche Wanderungen in die Umgebung und lernten so diverse nette Restaurants kennen. Und als wir einmal aufgrund einer falschen Abzweigung ungeplant 30 Kilometer gegangen waren, ohne das Gefühl zu haben, dass man uns durch den Fleischwolf gedreht hatte, nahmen wir an, dass wir uns ausreichend vorbereitet hatten. Da wir jedoch in Twente und nicht am Meer wohnen, hatten wir wenig Gelegenheit, auf Sand zu laufen. Aber so viel würde das wohl nicht ausmachen, dachten wir.

 Zwei Tage vor dem Start fuhren wir bereits nach Hoek van Holland, um Alltag und Arbeit hinter uns zu lassen und uns auf die Nordsee einzustimmen. Wir mussten in Utrecht umsteigen, wo wir die ersten Kilometer machten, da mehrfach das falsche Gleis angesagt wurde und wir jedes Mal wieder durch die Unterführung traben mussten. In Rotterdam trafen wir zwei Damen, die dasselbe Ziel hatten wie wir. Sie waren voriges Jahr schon einmal gelaufen, aber da damals der fünfte Tag von Egmond nach Callantsoog wegen schlechten Wetters ausgefallen war und man die Teilnehmer mit Bussen zum Etappenziel gebracht hatten, wollten sie die Tour diesmal komplett gehen.

 In Hoek van Holland nahmen wegen ihres unhandlichen Gepäcks ein Taxi zum Campingplatz, und so durften wir ihre Wegbeschreibung haben. Ich hatte den Weg zwar nachgeschaut, aber nicht ausgedruckt, da ich dachte, dass es vom Bahnhof schon Schilder zum Campingplatz geben würde. Gab es aber nicht. Als wir auf dem Campingplatz ankamen, erfuhren wir, dass große Teile für die Wanderer der Strand6daagse reserviert waren. Wir bekamen einen netten Eckplatz, und im Laufe der nächsten zwei Tage sollten sich die Zeltwiesen mehr und mehr füllen.

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 Wir begrüßten die Nordsee, wo es zuging wie am Stachus und erkundeten Dorf und Hafen. Letzteren kannten wir ja schon von diversen Englandurlauben, und auch diesmal lag eines der Stena-Line-Schiffe vor Anker, dass bald ohne uns nach Harwich fahren würde.

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 Schnell hatten wir auch das „Jagershuis“ gefunden, wo es am übernächsten Morgen losgehen sollte. Gerade als wir mit dem Abendessen auf einer netten Terrasse fertig waren, begann es zu regnen, und wir sprinteten zurück zum Campingplatz.

 Am nächsten Tag besuchte uns ein Freund aus Rotterdam und wir verbrachten einen netten Ratsch- und Kaffeenachmittag, während immer mehr Teilnehmer anreisten und wir alle möglichen Zelt- und Matratzenkonstuktionen bewundern konnten. Beliebt sind im Moment die Quechua-Zelte, die man einfach hinwirft und festspannt, bei denen sich das Zusammenlegen aber meist als sehr schwierig gestaltet. Als ich beim Zähneputzen war, kamen ein paar Mädchen mit einer riesigen Matratze in den Waschraum. Meine stumme Frage, was sie damit wollten, war schnell beantwortet: Sie suchten eine Steckdose.

 Mitten in der Nacht kamen ein paar Leute vorbei, die schon gut getankt hatten, und machten einen Höllenrabatz. Ein Mädchen rief immer wieder hysterisch: „Pass auf die Schüre auf, hier sind überall Schnüre!“ Dies ist ja der Schrecken eines jeden Campers, dass einem jemand in die Spannschnüre rennt und die ganze Pracht einreißt. Ein Junge trötete: „Hier ist der Weckservice! Es ist sechs Uhr und der Bus steht bereit!“ Ein Blick auf meine Uhr zeigte mir, dass es erst drei Uhr war. Vielleicht sollte ich den Leuten nachschleichen, um herauszufinden, wo ihr Zelt steht, und dann morgens um sechs Uhr daneben mit einer Gabel über einen Topfboden kratzen. Aber dazu war ich zu faul und schlief bald wieder ein. Ein paar Stunden blieben uns schließlich noch, bevor das Abenteuer beginnen sollte. Bleibt also dran!

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