Strand6Daagse (Teil 3)

Zweiter Tag: Wassenaar – Noordwijk (20 km)

 Wieder wurden wir morgens von der Geschäftigkeit um uns herum wach. Wir zogen uns an und fingen an, schon ein bisschen einzupacken, bis es um sieben Uhr Frühstück geben sollte. Ungefähr eine Viertelstunde vorher bildete sich bereits wieder eine Schlange, der wir uns anschlossen. Eines hatten wir bereits gelernt: Wenn sich eine Schlange bildet, reiht man sich am Besten gleich ein, dann verpasst man nichts.

Wir zeigten wieder unsere Karten vor, dann erhielten wir jeder eine gelbe Tüte, in die die erfahrenen freiwilligen Helfer ein Päckchen mit Frühstücksstullen, eines mit Broten für unterwegs, eine Packung Capri-Sonne und einen Informationszettel eintüteten. Obst und Kekse sowie Kaffee konnten wir uns selbst nehmen. Wir setzten uns auf eine Bank und studierten eifrig die Informationen: Erst mal sollte es zum Strand zurück und dann am Wasser entlang bis Pfahl 81.250 und dann zum Sportplatz gehen. Außerdem wurden die für den Kaffee zuständigen Damen, die Nachtwächter und die Gepäckjungens namentlich erwähnt.

Nach dem Frühstück bauten wir das Zelt ab, wobei ich mit dem linken großen Zeh an einen Hering stieß. Mist! In der Unterseite klaffte ein dreieckiger Schnitt, der recht heftig zu bluten begann. Gut, dass ich genug Pflaster, Verband und natürlich Leukoplast mithatte. So konnte ich den Zeh selbst versorgen und brauchte nicht ins Erste-Hilfe-Zelt.

Wir gaben das Gepäck ab und verließen den Campingplatz. Da der Freizeitparkbetrieb noch nicht begonnen hatte, konnten wir den direkten, erstaunlich kurzen Weg zum Ausgang nehmen. Dann gingen wir wieder die vier Kilometer zum Strand zurück. Dieser war erst menschenleer und der Sand war fest, so dass wir gut voran kamen.

stillerstrand strandwanderer2

Wie immer nach circa eineinhalb Stunden machte sich mein Magen bemerkbar, und wir setzten uns in den Sand und verputzen einen Teil unseres Lunchpaketes. Bis zum Abendessen würde das Zeugs aber nicht vorhalten! Bei der Gelegenheit wurde auch der Zeh neu verpflastert. Das Barfußlaufen im Sand war wohl heute keine gute Idee.

pause

Bei Katwijk mussten wir um die Wassersperre herum und dann wurde das Laufen auf dem Sand wieder mühsamer. Wenn mich mein Halbwissen hier nicht täuschte, hatte das mit den Gezeiten zu tun. Wenn sich das Wasser bei Ebbe grade zurückzieht, ist der Sand praktisch „gesättigt“ und richtig schön hart, doch wenn die Flut kommt, ist er trocken und weich, und das anspülende Wasser hilft auch nicht viel. Außerdem war es inzwischen ziemlich warm geworden und Sonne knallte erbarmungslos vom Himmel.

strandkatwijk strandwanderer3

Am frühen Nachmittag erreichten wir den ersten Strandzugang bei Noordwijk und beschlossen, dort den Strand zu verlassen und durch die Ortschaft zu gehen und etwas Essbares und Schatten zu suchen. Erst schien es nur vornehme Hotels und entsprechende Restaurants mit übersichtlichen Mahlzeiten und indirekt proportionalen Preisen zu geben, doch dann erreichten wir das Zentrum mit verschiedenen Snackbars. Wir verleibten uns eine große Portion Pommes ein und gingen dann im Schatten der Häuser zum Leuchtturm, von wo aus wir eine Wegbeschreibung zum Sportplatz hatten. Wir trafen bald auf andere Wanderer mit gelben Flaggen, und gemeinsam fanden wir den Sportplatz recht schnell.

Dort stellten wir fest, dass unser Gepäck noch nicht da war. Da wir morgens erst gefrühstückt und dann abgebaut hatten, waren unsere Taschen mit der zweiten Ladung transportiert worden. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich tatsächlich mal so flott unterwegs sein würde. Wir füllten unsere Wasserflaschen und setzten uns in den Schatten des Umkleidegebäudes.

Nach etwa einer halben Stunde kamen die Lkws, und das Gepäck wurde von kräftigen jungen Männern ausgeladen, und einzelne Utensilien wie lose Zeltstangen entsprechend kommentiert. Nachdem unsere Taschen aus dem Bauch eines Lkws zum Vorschein gekommen waren, suchten wir uns ein Plätzchen in ausreichender Entfernung zum Vereinsheim auf der einen und Den Dixi-Klos auf der anderen Seite. Als wir gerade mit dem Aufbauen beschäftigt waren, fragte uns ein Fotograf des dortigen Ortsbauernblattes, ob er von uns ein paar Fotos machen dürfte, es sähe so routiniert aus. Na ja, wir haben das ja auch lange genug geübt.

Danach ging es unter die Dusche, die diesmal herrlich warm war. Allerdings stellten wir im Laufe des Nachmittags fest, dass es für so viele Leute recht wenig Toiletten und Waschbecken gab, aber da muss man wohl durch. Irgendwann hieß es nur noch „Ich gehe jetzt nach Dixiland“, wenn man aufs Örtchen musste.

dixiland

Ich fühlte mich etwas steif, aber auch andere klagten über Muskelkater. Da es noch recht früh war, legten wir uns in unser Vorzelt und lasen. Dabei zog sich Peter, dessen untere Extremitäten aus dem Zelt ragten, einen Sonnenbrand an Füßen und Unterschenkeln zu. Später kratzte er sich auch noch an einem Hering. Irgendwie war das nicht so ganz unser Tag. Nach einer Weile gingen wir in die Kantine des Vereinsheims und gönnten uns ein Bierchen.

In der Zwischenzeit hatte sich der Platz gefüllt, und die Zelte standen dicht an dicht, wie auf dem T-shirt mit der Aufschrift „Where‘s my tent?“, das ich vor ein paar Jahren in England erstanden hatte und das ich hier als Abendgarderobe sehr passend fand.

wheresmytent

Dann war es Zeit zum Abendessen. Heute gab es eine Art Kassler mit Karotten, Erbsen und natürlich Kartoffeln, sowie die unvermeidliche Orange. Bei der Essensausgabe kündigte ein Schild an, dass das Frühstück wegen der sehr sommerlichen Temperaturen morgen schon ab sechs statt ab sieben Uhr ausgegeben werden sollte. Vielleicht sollten wir uns dann auch mal etwas früher auf die Socken machen, denn die Etappe nach IJmuiden war wieder 30 Kilometer lang.

Als wir uns später in unsere Schlafsäcke verkrochen, stellten wir fest, dass so ein Fußballfeld die ideale Zeltwiese ist. Man liegt völlig waagrecht, es gibt keinerlei Wurzeln oder Steine, die sich durch die Isomatte hindurch bemerkbar machen, und der Rasen ist wunderbar dick und saftig. Selten habe ich im Zelt so gut geschlafen.

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Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Strand6Daagse (Teil 3)

  1. Das T-Shirt ist wahrlich köstlich!
    Liebe Grüße schickt
    Elvira

    • Nachtrag: Als ich als Jugendliche in Holland war, habe ich mich überwiegend mit Automatenessen ernährt. Gibt es das noch?

      • Du meinst diese Fächer, die man aufklappt, und dann liegt eine Frikandel oder ein Kaassoufflé oder so etwas drin? Ja, die gibt es noch, und früher habe ich mich auch gelegentlich daraus bedient. Inzwischen hat sich mein Geschmack allerdings etwas geändert. 🙂

      • Früher waren da hauptsächlich, ich glaube indonesische Speisen drinnen. Als 16-/17jährige waren das Preise, die ich gerade noch bezahlen konnte. Und dann gab es auch immer die Fischbuden am Strand und preiswerte Pommes (die habe ich erstmalig mit Majonäse oder Apfelmus kennengelernt). Leider etwas zu teuer waren die tollen Pannekoeken, die ich in viel späteren Jahren mit meinem Mann genossen habe.

  2. Pingback: Pieterpad – Teil eins ist geschafft | Grenzwanderer

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