Strand6Daagse (Teil 5)

Vierter Tag: IJmuiden – Egmond aan Zee (24 km)

 Heute war das Frühstück wieder auf sechs Uhr vorverlegt worden. Doch wir konnten etwas länger schlafen, da wir erst für die Fähre um halb zehn vom Südpier eingeteilt waren und deshalb erst gegen halb neun los mussten. Nicht weit von der Frühstücksausgabe entfernt verkauften unsere Gastgeber frische Pfannkuchen, also reihte ich mich in die Schlange ein. Ich fragte sie, ob sie nicht ein bisschen Show veranstalten könnten, Pfannkuchen werfen und fangen und dergleichen. Das Mädchen hinter dem Plattenkocher meinte schlagfertig: „Pfannkuchen mit Show kostet zwei Euro.“ Die Hamburger gestern und die Pfannkuchen heute sind eine gute Idee: Der Verein bessert seine Kasse auf und die Wanderer fühlen sich wirklich willkommen.

Dann bauten wir in Ruhe unser Zelt ab und machten uns gegen viertel vor acht auf die Socken Richtung Südpier, von wo aus wir mit einem Rundfahrtschiff zum Nordpier gebracht werden sollten. Einer der Organisatoren versuchte, uns aufzuhalten, da wir erst für später eingeteilt waren, und „wenn jeder zu früh da ist, gibt es beim Pier so ein Chaos“. Da wir aber erst noch zum Supermarkt wollten, durften wir passieren. Zwei Leute gingen mit ihrem gesamten Gepäck zur Bushaltestelle, denn „die Beine wollen einfach nicht mehr“. Wir hatten inzwischen auch entdeckt, dass es nicht mehr besser wird, wenn der Wurm in Form von Blasen, offenen Stellen, Muskelschmerzen und dergleichen erst mal drin ist. Da man jeden Tag weiter muss, kann sich der Körper nicht wirklich erholen. Aber uns ging es noch gut, und darüber waren wir sehr froh.

Im Supermarkt deckten wir uns mit Semmeln, Muffins und anderen Kalorienspendern ein, da das Lunchpaket ja bekanntlich nicht reicht. Einige Leute fragten uns interessiert über die Route aus und erzählten uns, dass der Unfall im letzten Jahr gar nicht weit weg von diesem Einkaufszentrum passiert war und auch die Leute in IJmuiden ziemlich erschüttert hatte. Auf unserem heutigen Tageszettel wurden wir extra darauf hingewiesen, dass wir doch bitte den ersten Zebrastreifen benutzen sollten, an dem extra „Schülerlotsen“ für uns bereitstanden.

Bald hatten wir, natürlich wieder zu früh, den Südpier erreicht, und tatsächlich ging es dort recht chaotisch zu. Das lag aber nicht an uns, sondern daran, dass die Überfahrt vor unserem plötzlich voll war und ein paar Leute trotz Ticket nicht mitkonnten. Ihnen war dann ein Platz auf „unserer“ Fähre garantiert worden, doch nun würde sich das Problem wohl weiter nach hinten verlagern, da jeweils 125 Leute auf das Schiff passten und acht Fahrten geplant waren. Wie das Problem gelöst wurde, erfuhren wir allerdings nicht mehr.

ijmuidenhaven

Während wir mal wieder in der Schlange standen, hatten wir genügend Unterhaltung, denn vor uns standen ein paar begnadete Geschichtenerzähler, die ein paar nette Schwänke von vergangenen Wanderungen zum Besten gaben. Bald kam das Schiff und wir setzten zum Nordpier über.

ijmuidenovertocht

Von dort aus war es nur ein kurzes Stück zum Strand, wo der Sand wieder angenehm hart war.

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Als es Zeit war für eine Mittagspause, setzten wir uns in den Schatten bei der Rettungsbrigade Heemskerk. Nach dem Essen wollten wir diverse Pflaster erneuern und fragten, ob wir uns zu diesem Zweck auf ihre Treppe setzen dürften, oder ob wir dann im Weg sitzen würden. Die netten Jungen brachten uns sofort einen Stuhl und fragten, ob wir selbst genug Pflaster dabei hatten oder ob wir noch welche benötigen würden. Wir hatten noch genug, aber wir fanden das Angebot sehr nett. Nachdem wir eine kleine Spende in ihrer Kasse zurückgelassen hatten, gingen wir weiter.

reddingsbrigade

Natürlich wurde der Sand wieder lockerer, und da die Flut kam, wurde das Stück Strand auch immer schmaler. Je mehr wir uns Egmond näherten, um so schwieriger wurde es, sich einen Weg durch all die Badegäste, Handtücher, Liegestühle uns Sandburgen zu bahnen, und das bei dem weichen Sand! Das letzte Stück war echt Schwerstarbeit. Zwei Mädchen kamen uns mit einer Schüssel entgegen, in der appetitlich angerichtete Melonenstücke lagen, ein Euro pro Stück – die Egmonder Jugend ist geschäftstüchtig. Auch wir bedienten uns und genossen die Erfrischung, bei diesen Temperaturen eine wahre Wohltat.

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Dann erreichten wir Pfahl 38 und steuerten als erstes die wohlbekannte Eisdiele an. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zu Peters Bruder, wo wir einen sanitären Zwischenstopp einlegten (mal wieder etwas anderes als Dixiland) und ein Kaffeepäuschen machten. Wir verabredeten, dass wir in Ruhe unser Zelt aufbauen und dann gegen sechs Uhr zum Abendessen auf der Matte stehen würden.

Diesmal war unser Gepäck schon da, und schnell hatten wir das Zelt aufgebaut. Doch als ich vom Duschen zurückkam, konnte ich das Zelt auf einmal nicht mehr finden, mein T-shirt passte also, wie die Faust aufs Auge. Nachdem ich eine Weile ratlos durch die Gegend geschlurft war, wusste ich, dass ich mich von den zwei Aufgängen zum Vereinsgebäude hatte verwirren lassen. Trotzdem erschien mir das ganze Layout hier irgendwie unlogisch, keine Ahnung, warum.

Wir ließen das heutige Abendessen (Bratwurst mit Blumenkohl und Kartoffeln) ausfallen und machten uns auf den Weg zu Schwager und Schwägerin. Im Supermarkt um die Ecke mussten wir erst unsere Pflastervorräte aufstocken. So viele brauchen wir beim Radfahren nie. Bei unseren Gastgebern gab es Reis mit Krabben und Wokgemüse, eine angenehme Abwechslung. Über den Joghurt zum Nachtisch freuten wir uns besonders, denn den gab es auf den Campingplätzen logischerweise nicht.

Wir unterhielten uns gemütlich bis zum späten Abend, dann wurde es Zeit für uns, um zurück zu gehen. Unsere Gastgeber begleiteten uns zum Sportplatz, da sie auch einmal sehen wollten, wie es dort aussieht. Eigentlich sind Besuche nicht erwünscht, aber vom Eingang gucken dürfte wohl kein Problem sein. Als wir aufbrachen, spürte ich ein leichtes Ziehen im rechten Unterschenkel. Hoffentlich würde sich das bis zum nächsten Tag wieder geben.

Mitten in der Nacht musste ich mal raus. Das ist normalerweise kein Problem, aber auf diesem Platz hatte ich ernsthafte Orientierungsschwierigkeiten. Wie sollte ich im Dunkeln das Zelt wiederfinden? Das Handy mitnehmen und Peter im Notfall anrufen hatte keinen Sinn, denn sein Handy hing noch bei seinem Bruder an der Steckdose. Also weckte ich den Gatten und bat ihn, aus dem Zelt zu kommen und zu winken, wenn ich in einer Viertelstunde noch nicht zurück sein sollte. Unterwegs prägte ich mir einige Orientierungspunkte wie das riesige Familienzelt und einen Laternenpfahl an der Ecke ein und schaffte es tatsächlich, wieder zurück zu finden. Danach schlief ich problemlos bis zum nächsten Morgen.

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